Mobilfunk-Gutachten hilft bei Standortsuche

von Redaktion

Rimstinger Bürger sollen mitentscheiden – Vier potenzielle Aufstellplätze für Funkmasten gefunden

Rimsting – Das St.-Florian-Prinzip lässt sich auch gut auf die Standortsuche nach einem Mobilfunk-Masten übertragen. Das Handy möchte jeder benutzen, der Empfang soll hervorragend sein, das drahtlose Festnetz-Telefon ist unentbehrlich, aber einen Funkmasten möchte im Grund niemand vor seiner Haustüre.

Die Gemeinde Rimsting sucht hier den Kompromiss, hat einen Experten ins Boot geholt und will auf dem weiteren Weg auf der Suche nach einem möglichen Mobilfunkmasten auf Grundlage eines Gutachtens die Bürger informieren. Vorangegangen war eine entsprechende Anfrage der Deutschen Telekom, die einen Funkmasten aufstellen will. Alle Ratsmitglieder waren sich einig, der Weg bis zur Realisierung sei noch lang, Bürgerinformation steht auf der Prioritätenliste aber ganz, ganz oben.

Ein Spezialist
soll helfen

Wie heißt es so schön im Volksmund „Heiliger St. Florian verschon’ mein Haus, zünd andere an“. Schon 2021 hatte daher die Gemeinde Rimsting nach einem Experten gesucht, der sie hinsichtlich eines möglichen Standorts für einen Mobilfunk-Masten beraten sollte. Sie war damals auch fündig geworden und, wie die Chiemgau-Zeitung vor fünf Jahren schrieb. „Die Verwaltung hat nun Kontakt zu einem Gutachter, dem Diplom-Ingenieur Hans Ulrich, aufgenommen. Er gilt als anerkannter Spezialist und betreibt in München das Büro Funktechanalyse. Ulrich ist auch Herausgeber der Broschüre „Mobilfunkstrahlung – wie kann ich vorsorgen?“

Nachdem die Deutsche Telekom wieder auf die Gemeinde 2025 zugekommen war, beschritt die Verwaltung wieder diesen Weg. In der jüngsten Sitzung präsentierte Diplom-Ingenieur Hans Ulrich das fertiggestellte Gutachten zu den Immissionen und zu den möglichen Standorten. Er machte sehr verständlich klar, dass ganz unterschiedliche Faktoren eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass sich die verschiedenen Funkmasten nicht gegenseitig stören. Dabei gehe es unter anderem auch um die Modellierung der Landschaft, die Höhe der umliegenden Bebauung und Ausrichtung der Strahlen. Diese müssten am potenziellen Standort des Masts frei schwingen können, so Ulrich. Bezüglich des Untersuchungsgebiets präsentierte er vier mögliche unterschiedliche Standorte. Zum einen das Dach des Rathauses in Rimsting, die Feuerwehr im Gewerbegebiet, den Wald nördlich vom Rimstinger Bahnhof und den Wasserhochbehälter auf der Ludwigshöhe.

Ulrich warnte davor, als Gemeinde sich nicht bei der Standortsuche aktiv zu beteiligen, denn wer das Gespräch nicht suche, werde später einfach nicht mehr gefragt. Deshalb hatte Rimsting zur Gemeinderatssitzung auch einen Vertreter der Deutschen Telekom eingeladen, der sich aber aufgrund einer Erkrankung entschuldigen lassen musste.

Ulrich hatte als Auszug das damalige Gerichtsurteil mit dabei: „In Zusammenhang mit Mobilfunk bestehende Besorgnisse sind nicht ausschließlich Immissionsbefürchtungen, sondern weiterhin dem vorsorgerelevanten Risikoniveau zuzuordnen (Bundesverwaltungsgericht 4C1.11 30.08.2012)“. Als Richtlinie der Versorgung gelte, diese „schonend“ und „effizient“ zu gestalten. Außerdem präsentierte er eine bemerkenswerte Statistik, die recht anschaulich die Zunahme des Datenvolumen im Mobilfunk darlegte.

Ein Auszug: Zunahme (Deutschland in Milliarden GB 2009: 0,03 GB, 2016: 0,9 GB, 2022: 6,7 GB, 2024: 9,6 GB Quelle: Bundesnetzagentur). Besonders anschaulich ist die Zunahme des Datenvolumens ab dem Jahr 2022. Denn sie stieg von 2022 auf 2023 von 6,7 auf 9,1 GB. Im Jahr darauf (2024) auf 9,6 GB. Ulrich machte aber klar, dass auch die Zukunft eine weitere Zunahme bringen werde.

Ulrich erinnerte auch an die Versorgungsauflagen: „Aufgrund der Lizenzauflagen der Bundesnetzagentur sind 99,5 Prozent der Fläche, 99 Prozent der Haushalte in dünn besiedelten Gebieten sowie Autobahnen, Bundes-, Staats-, /Landes- und Kreisstraßen bis zu den Jahren 2029/2030 mit mobilem Breitband zu versorgen“. (Quelle BK 1-22/001 vom 24. März 2025)

Immer mehr
Datenvolumen

Trotz der großen Zunahme betonte Ulrich, dass „die Musik der Datenübertragung sich im Festnetz abspielt“. Den Gemeinderatsmitgliedern der Experte vor der anschließenden Diskussion folgenden Rat mit: „Man kann durch die Position wirklich viel bewirken, sonst kommen sie (zum Beispiel die Telekom) in fünf Jahren wieder“.

Abstimmen mussten die Gemeinderäte bei diesem Tagesordnungspunkt nicht.

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