Prien – Es war ein ganz besonderer Schulweg am vergangenen Freitagmorgen für viele Kinder und Jugendliche. Zwar war es für die meisten ein Umweg, aber den nahmen sie gerne in Kauf, denn ihr Schulweg hatte ein Anliegen: Sicherheit im Straßenverkehr. Als Fahrraddemo ging es vom Marktplatz über die Bernauer Straße zur Waldorfschule. „Mein Schulweg gehört mir“, „Straßen sind für alle da“, „Kleine Helden für sichere Radwege“ oder „Macht uns Platz, sonst gibt‘s Rabatz“ war auf zahlreichen Schildern zu lesen.
Organisiert hat die Demo Florian Böck. Er ist im Netzwerk „KomMit!“ aktiv. Engagierte Priener haben sich in der Initiative Ende des Jahres zusammengeschlossen, um sich konstruktiv in der Kommunalpolitik einzubringen. So auch beim Thema Verkehr. Weil Böck das Thema wichtig ist, hat er die Demo organisiert und angemeldet. Er begrüßt die Teilnehmenden pünktlich um 7.30 Uhr.
In seinen Begrüßungsworten macht Böck deutlich: „Wir fordern, dass sich die Gemeinde um sichere Schulwege kümmert. Schulwege, die gefahrlos zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können.“ Erst am vergangenen Dienstag (13. Januar) wurde ein Mädchen auf dem Rad auf dem Schulweg von einem SUV angefahren. Der Fahrer beging daraufhin Unfallflucht. „Wir wollen, dass ihr Kinder sicher und selbstständig zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Roller bewegen könnt. Dafür braucht es breitere Fußwege, Radwege und eine deutliche Verkehrsberuhigung“, sagt der Organisator, bevor er die Demoregeln den Teilnehmenden vorliest.
Laut „KomMit!“ waren 70 Personen an der Demo beteiligt, die Polizei nannte gegenüber der Chiemgau-Zeitung 50 Menschen. Beide, Initiative und Behörde, gaben an, die Hälfte der Demonstrierenden seien Kinder und Jugendliche gewesen. Einig waren sich Veranstalter und Polizei auch darin, dass alles friedlich und unaufgeregt vonstatten ging. In Prien war es die erste Fahrraddemo überhaupt, wie Sebastian Wegscheider, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Prien, sagt. In Bad Endorf gab es öfter welche, aber „in Prien haben wir das so noch nicht gehabt“. Aus Polizeisicht wurden von den Teilnehmenden die Vorgaben und Weisungen der Polizei und des Landratsamtes alle eingehalten. „Natürlich kam es zu leichten Verkehrsbehinderungen auf der Bernauer Straße im Berufsverkehr, allerdings waren die von kurzer Dauer“, so Hauptkommissar Wegscheider, der auch die Kommunikation mit dem Veranstalter durch „sehr gute, verlässliche Absprachen“ als sehr zufrieden bewertet. Auch einer der zwei Radbeauftragten der Marktgemeinde Prien mischte sich unter die Radler. „Es war unglaublich inspirierend zu sehen, wie schnell und mit wie viel Elan die Priener Bürger so eine Aktion auf die Beine gestellt haben“, teilt Maximilian Kölbl mit und ergänzt: „Ich hoffe, dass es dem Gemeinderat gemeinsam mit uns gelingt, schnelle Lösungen umzusetzen, damit sich die Verkehrssituation in Prien für alle, aber insbesondere für Radfahrende bald verbessert.“
Bevor Organisator Florian Böck die Veranstaltung beendete, kündigte er bereits die nächste Fahrraddemo an, dann zur Franziska-Hager-Grundschule. Den Kindern und Jugendlichen wünschte er einen schönen Schultag und verwies darauf, dass ab jetzt keine Polizei mehr dabei sei, welche auf die Raddemonstrierenden aufpasse. Patrick Nägele