Prien – Geschmierte oder gespritzte Butterbreze(l), auf diese eigentlich recht banale und unwichtige Frage sammeln sich auch unter der Berichterstattung der Chiemsee-Zeitung zahlreiche Kommentare an. Auf Facebook, Instagram und der Website kamen in wenigen Tagen über 160 Kommentare zusammen. Die geschmierte Butterbreze liegt bei den Kommentierenden vorn. In 41 Kommentaren wird die bestrichene Variante favorisiert – oder die gespritzte Variante verunglimpft. Wobei verunglimpft in einigen Fällen noch harmlos ausgedrückt ist.
Gesprächsthema nicht
nur im Internet
Es finden sich aber auch rund 20 Kommentare, die sich für die gespritzte Art des Butterns vom Laugenteigling aussprechen oder zumindest die Idee für sinnvoll halten. Dazu ergreifen auch einige Partei für eine neutrale Sicht. Egal wie, Hauptsache, es schmeckt. Für Bäckermeister Michael Quelle kommt die Online-Aufregung auch im Laden an, aber in einer anderen Form: „Es kommen viele Leute zu uns, die unsere Breze probieren wollen, auch von weiter weg.“ Das liegt sicher auch an einem TV-Beitrag. Über die Art und Weise der Kommentare auf Social Media, im Ursprungspost auf dem Bäckerei-Account sind es inzwischen über 600, schüttelt er den Kopf, während er sagt: „Wir verstehen es nicht, dass so eine Banalität die Menschen zu solchen Kommentaren bewegt.“
Auch durch Freunde wird an das Ehepaar Quelle herangetragen, dass ihre schwäbische Butterbrezel mit dem dicken Bauch und den knochigen Ärmchen Gesprächsthema ist. Durch die Kommentare wollen sie ihre Arbeit keineswegs ändern: „Wir machen so weiter und lassen uns da nicht beeindrucken. Wir wissen, dass wir leckere Brezen machen.“ Viele Kommentare zeigen auch Unverständnis für den hohen Preis für eine Butterbreze – unabhängig von der Bäckerei.
Mit 2,50 Euro pro Butterbrezel ist der Preis für die gespritzte Variante in der Brotquelle beachtlich. Der Preis kommt auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung durch den Blick auf die Konkurrenz und die Bio-Qualität, die Brotquelle ist eine reine Biobäckerei, zustande. Nachgeschaut bei der Priener Konkurrenz: Hier bewegt sich der Preis für die Butterbreze in geschmierter Form zwischen 1,90 und 2,30 Euro. Diese Bäckereien haben mindestens fünf Filialen im Chiemgau.
Auch Priens Bürgermeister hat die Diskussion mitbekommen. Auf die Frage, wie er seine Brezen lieber hat, bricht er zunächst in herzhaftes Lachen aus, bekennt sich dann zur Fraktion der Geschmierten. „Ich finde es hochinteressant, wie so ein Thema über geschmierte oder gespritzte Brezn die Massen bewegt“, sagt Friedrich der Chiemsee-Zeitung am Telefon und wird in einem Punkt sehr deutlich: „Ich kann es nicht nachvollziehen, wie einige Leute Kommentare schreiben, die gegenüber der Brotquelle völlig unter der Gürtellinie sind.“
Seiner Meinung nach sollen alle ihre Breze so essen, wie sie es wollen. Es könnten sich alle das aussuchen, was eben für sie besser schmeckt. „Die Familie Quelle denkt sich bei ihrer Brezel ja was, gerade bei ihrer Gründungsgeschichte mit Backwaren aus verschiedenen Regionen. In heutigen Zeiten ist es nicht leicht, ein Gewerbe zu führen. Da muss man nicht online so schief von der Seite kommen.“
Vor- und Nachteile
für beide Varianten
Der Rathauschef sieht für sich sowohl in der geschmierten als auch in der gespritzten Version Vor- und Nachteile: „Bei der geschmierten brauche ich eine Serviette, habe aber überall Butter. Die Gespritze kann ich schön mit einer Hand und ohne Sauerei essen, habe aber nur auf der einen Seite Butter drin.“ Letztlich kann Friedrich der Diskussion etwas Gutes abgewinnen: „Die mediale Aufmerksamkeit ist positiv und lockt vielleicht auch einige Leute nach Prien.“
Ganz neu ist die Diskussion nicht: Bereits vor drei Jahren berichteten einige Medien in Süddeutschland über die Erfindung der Butterbrezel-Spritzmaschine. Das Video der Brotquelle sorgt vor allem im Bayerischen für Gesprächsstoff und auch überregionale Berichterstattung mehrerer Medien.
Dabei ist vom Gute-Laune-Podcast Bohniger Wachmacher bis zum Fachmagazin für Bäckereien sehr viel dabei – es kümmern sich also auch Fachleute um die banale Frage, die letztlich nur persönlich beantwortet werden kann.