Schön, aber „nicht realisierbar“

von Redaktion

Grassauer Gemeinderat lehnt Wohnbauprojekt an der Bahnhofstraße ab

Grassau – Mit der Planung, der Anordnung der Häuser und der Idee, eine große Wiese an der Bahnhofstraße Ecke Mietenkamer Straße mit Doppelhäusern und Mehrfamilienhäusern zu bebauen und diese dann zur Hälfte über das Einheimischen Modell zu veräußern, gefiel dem Rat, und doch lässt sich dieses derzeit nicht umsetzen. Die Erwerbsgrenzen im Einheimischen Modell lassen dies nicht zu.

Bauträger plant
Mehrfamilienhäuser

Eine maßvolle Bebauung und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum sowie freiverkäufliche Flächen sind auf der Wiese, die derzeit noch landwirtschaftlich genutzt, aber umgeben von Wohnbebauung direkt an der Bundesstraße liegt, geplant. Drei größere Mehrfamilienhäuser, darunter zwei mit fünf Wohneinheiten und eines mit vier Wohneinheiten sowie vier Doppelhaushälften konnte sich der Planer und Bauträger Thomas Stöger vorstellen. Die Hälfte dieses Angebots könnte die Immobilienfirma direkt an Einheimische veräußern. Somit müsste nicht die Gemeinde als Zwischenverkäufer auftreten. Stöger legte auch dar, was nach den derzeitigen marktüblichen Baupreisen für eine Doppelhaushälfte und für Wohnungen verlangt werden müsste. Die Doppelhaushälfte würde circa 650.000 Euro kosten und eine kleine Drei-Zimmer-Wohnung könnte unter 300.000 Euro veräußert werden. Die Zufahrt wäre über die Mietenkamer Straße mittels einer Privatstraße geplant. Stöger betonte, dass es sich hierbei um einen Vorschlag und kein starres Konstrukt handle. Somit sei es auch möglich, die Mehrfamilienhäuser mit mehr Wohnungen auszustatten, was sich auf den Kaufpreis günstig auswirken könnte. Laut Bürgermeister Stefan Kattari gebe es einige Schwierigkeiten. Eine Abschöpfung der Gemeinde über ein derartiges Projekt habe es noch nie gegeben. Auch vermutete der Rathauschef, dass Eigentumswohnungen mit 66 Quadratmetern für Familien mit Kindern, für die dieses Modell entworfen wurde, zu klein sind. Gleichwohl interessierte Kattari, ob Mietwohnraum entstehen könne, denn dies werde hauptsächlich in der Gemeinde nachgefragt. Laut Stöger trete sein Unternehmen nicht als Vermieter auf. Doch die Gemeinde könnte ein Mehrfamilienhaus erwerben und dann kostengünstig an Mieter vergeben. So könnte auch die Gemeinde einen Immobilienbestand aufbauen. Dem entgegnete Kattari, dass sich dies die Gemeinde in absehbarer Zeit nicht leisten könne.

Zu den Stellplätzen fragte Daniela Ludwig (CSU), ob diese inkludiert oder zugekauft werden müssen. Laut Stöger werden Stellplätze nach der Stellplatzverordnung ausgewiesen und müssen gekauft werden. Ob sich junge Leute den Kauf einer Wohnung von 330.000 Euro plus Nebenkosten leisten können, stellte Daniela Ludwig infrage. Dies sah auch Franz Pletschacher (BP) so, der glaubt, dass dies für den angedachten Personenkreis nicht möglich ist. Der Plan wäre überzeugend, wenn es sich um Mietwohnungen handeln würde, meinte Olaf Gruß (SPD). Ein Einheimischen-Modell im klassischen Sinne sei nicht zu realisieren. So wie dargestellt, müsse das Projekt abgelehnt werden. Als städtebaulich gelungen bezeichnete Manfred Huber die Planung. Doch mit den Baukosten werde, so Huber, eine falsche Zielgruppe angesprochen. Er errechnete, dass bei einer Doppelhaushälfte mit 650.000 Euro Kosten, mindestens mit einer monatlichen Belastung von 3.000 Euro zu rechnen sei. „Wir brauchen aber bezahlbaren Wohnraum“, betonte Huber.

Besser mieten
als kaufen

Dr. August Trimpl fragte nach, ob es ein solches Modell, bei welchem der Investor baut und direkt an eine von der Gemeinde genannte Personengruppe verkauft, bereits gibt. Laut Kattari bislang noch nicht, wäre aber dennoch im Bereich des Möglichen. Er informierte zudem, dass nach EU-Vorgaben der Preis pro Quadratmeter umbauter Raum nach dem Modell circa 2.000 Euro betragen dürfe. Derzeit liegt der Kaufpreis pro Quadratmeter umbauter Raum aber mehr als doppelt so hoch, was zum einen an den hohen Baukosten und zum anderen an den Grundstückpreisen in der Region liegt.

Einstimmig votierte der Rat letztlich gegen das Projekt. Ein wesentlicher Grund hierfür war, dass in Grassau weniger Eigentumswohnungen und Häuser, sondern vielmehr günstige Wohnungen benötigt werden.

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