Spitzkohl als Wurfgeschoss

von Redaktion

Auf einem Supermarkt-Parkplatz in Prien haben sich zwei Männer eine „Schlacht“ mit Gemüse und Obst geliefert. Als Passanten einschritten, wurden diese attackiert und verletzt. Die Polizei nahm die beiden alkoholisierten Täter in Gewahrsam. Gegen sie wird nun wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Prien – Spitzkohl, Bio-Tomaten, Porree, Süßkartoffeln, Eisbergsalat, Suppengrün, Kohlrabi, Chinakohl und Vogelfutter – so sieht die Außenauflage bei einem Ortsbesuch am Rewe-Supermarkt von Prien aus. Spuren von der „Gemüse- und Obstschlacht“, die sich hier in der Hochriesstraße 62 am vergangenen Samstagabend abgespielt hat, finden sich natürlich nicht mehr. Doch der unglaubliche Vorfall wird in der Marktgemeinde am Chiemsee immer noch diskutiert – schließlich hat sich so etwas in der Region wohl noch nie abgespielt.

Fruchtige Geschosse
aus der Rewe-Auslage

An jenem Abend waren drei Passanten darauf aufmerksam geworden, wie sich laut Polizei-Angaben „zwei Männer mit Obst und Gemüse bewarfen“. Die fruchtigen Geschosse nahmen die beiden alkoholisierten Polen im Alter von 24 und 26 Jahren kurzerhand aus dem traditionell vor dem Eingang des Supermarkts aufgebauten Rewe-Sortiment. Auf Nachfrage gab das Unternehmen keine Auskunft darüber, mit welch gesunden „Waffen“ die Schlacht in Prien geführt wurde. Besonders die beim Ortsbesuch inspizierten Kartoffeln, Kohlköpfe oder die dicken Vogelfutter-Packungen können mit Sicherheit bei einem Treffer sehr schmerzhaft sein.

Fest steht, dass es am Ende dieses denkwürdigen Zwischenfalls drei leicht verletzte Personen gab. Das hing aber vermutlich nicht vordergründig mit dem marktfrischen Gemüse von Rewe zusammen, sondern mit dem mutigen Eingreifen der zufälligen Zuschauer. Als diese nämlich einschritten, um eine weitere Eskalation zu vermeiden, gingen die beiden Männer plötzlich gemeinsam auf die Augenzeugen los und attackierten diese vehement. Die verletzten Personen klagten danach unter anderem über Schürfwunden und Kieferschmerzen. Zudem wurde das Smartphone eines Streitschlichters beschädigt.

Für das Eingreifen der Zuschauer gibt es jetzt ein explizites Dankeschön von Rewe. „Durch das mutige Eingreifen der Passanten konnte der Vorfall vor unserem Rewe-Markt in Prien unterbunden werden und hat sich zum Glück rasch beruhigt. Wir sind dankbar, dass die Passanten in dieser Situation besonnen gehandelt haben“, erklärt Bianca Mittrach von der Unternehmenskommunikation auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Weitere Kunden oder Mitarbeitende des Einkaufsmarktes seien von dem ungewöhnlichen Vorfall deshalb nicht gefährdet oder unmittelbar betroffen gewesen. Für Rewe in Prien bleibt unter dem Strich ein Verlust durch zweckentfremdetes Gemüse und Obst. „Für den Markt ist kein größerer Schaden entstanden. Der Wert der betroffenen Waren hält sich insgesamt in Grenzen“, so Rewe-Sprecherin Mittrach. Die weiteren Ermittlungen lägen nun vollständig bei der Polizei.

Die Beamten haben bereits herausgefunden, dass die beiden Männer im direkten Umfeld des Supermarktes auch noch einen Stromverteilerkasten umgetreten hatten. Kostenpunkt: etwa 2.000 Euro.

Rewe bedankt sich für
„mutiges Eingreifen“

Die beiden Männer mit Wohnsitz im östlichen Landkreis Rosenheim mussten eine Nacht im polizeilich angeordneten und richterlich bestätigten Gewahrsam verbringen. Gegen beide Männer laufen Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Sachbeschädigung. Allein für die gefährliche Körperverletzung sind laut Paragraf 224 Strafgesetzbuch selbst in minder schweren Fällen Freiheitsstrafen zwischen drei Monaten und fünf Jahren möglich. So könnte den beiden Männern diese Gemüse- und Obstschlacht am Ende doch noch teuer zu stehen kommen – auch wenn die möglichen „Waffen“ von Spitzkohl bis Bio-Tomaten kostenlos genutzt wurden.

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