Bergen – Die Stellungnahme der Gemeinde Bergen zum Wasserrechtsantrag der Firma „Adelholzener Alpenquellen“ umfasst über 20 Seiten, nimmt Bezug auf das Gutachten des Geologen Dr. Andreas Murr und einer Masterarbeit der TU München, die sich mit der Neuwasserbildung beschäftigt. In der Stellungnahme kommt die Gemeinde zudem Schluss, dass das Grundwasser bereits jetzt unter Stress stehe und mehr Wasser als für das System gut, gewonnen werde. Einige offene Fragen werden an die Genehmigungsbehörde gestellt.
„Wir leben über
unsere Verhältnisse“
Die Gemeinde nimmt Stellung in der Doppelfunktion als Träger öffentlicher Belange und als Standortgemeinde für die Brunnen A1, A2, A5 und A6, betonte eingangs Bürgermeister Stefan Schneider. Wichtig sei der Gemeinde die Sicherung der öffentlichen Trinkwasserversorgung wie der Schutz der wasserabhängigen Ökosysteme und die Vorsorge gegenüber klimabedingten Veränderungen der Grundwasserneubildung.
Bürgermeister Schneider betonte, dass die Firma Adelholzener Alpenquellen als Arbeitgeber wichtig für die Region sei. Als Gemeinde müssen jedoch alle Seiten beleuchtet werden und auch den Ängsten der Bevölkerung sei man sich bewusst. Josef Gehmacher (CSU) fügte hinzu, dass sich die Gemeinde nicht nur ihrer Verantwortung bewusst sei, sondern mit dieser Stellungnahme auch die Hoffnung habe, die Gräben in der Bevölkerung wieder zu schließen und diese zu befrieden, sodass man in Zukunft wieder besser miteinander arbeiten könne. „Wir sind froh, dass nach Jahren nun endlich ein Wasserrechtsantrag vorliegt“, so der Rathauschef.
Natürlich gelte das Verschlechterungsverbot für Natur und Umwelt. Sein Kernsatz sei, dass zu jeder Zeit gewährleistet werden müsse, dass nur so viel Wasser entnommen werde, wie das System verträgt. In der Darstellung der kommunalen Interessenslage wird betont, dass die öffentliche Trinkwasserversorgung zur Daseinsvorsorge zählt und nicht beeinträchtigt werden darf.
Somit habe die Wasserentnahme für die öffentliche Trinkwasserversorgung Vorrang vor wirtschaftlicher Verwendung. Dies schließt die leitungsgebundene öffentliche Trinkwasserversorgung Bernhaupten ein. Die beantragte Fördermenge darf keine negativen Auswirkungen auf die Ägidiusquelle und weitere Quellen und Brunnen der öffentlichen Wasserversorgung haben. Die leitungsgebundene öffentliche Trinkwasserversorgung bleibt vorrangig, heißt es.
Die Stellungnahme geht zudem explizit auf die Hydrologie ein, zeigt das Wasser Neubildungsgebiet auf. Dieses sei in drei Teilbereiche gegliedert, wobei im Teilbereich A Grundwasser im Weißachental gebildet wird, dass den Brunnen A1, A2, A5 und A6 zuströmt. Auf den Teilbereich entfällt ein Einzugsgebiet von 19.400 Quadratkilometern. Bürgermeister Schneider stellte die Landkarte mit Darstellung der Grundwasserneubildung und Oberflächenwasser aus früheren Zeiten und der vergangenen Jahre gegenüber. Viele Messdaten lagen der Auswertung zugrunde.
Zu erkennen sei eine deutliche Reduzierung der Trinkwasserneubildung. Dies sei auch bedingt durch weniger Niederschläge. „Man spricht von Grundwasserstress, wenn mehr Wasser entnommen werde, als sich nachbildet“, erklärte der Rathauschef. Gefordert werden deshalb zwei Ruhestandsmessungen der Wasserstände pro Jahr, um zu sehen, ob sich das System erholt. „Seit 2019 leben wir über unsere Verhältnisse“, so der Rathauschef und nimmt Bezug auf die massive Reduzierung der Grundwasserneubildungsrate. Dr. Moritz Beyreuther, der die Wasserstände überprüfte, betonte, dass die Entnahmemenge in den vergangenen vier Jahren deutlich über Neubildungsrate liege und bereits Grundwasserstress vorliege. „Noch vor drei Monaten habe ich mir das nicht gedacht“, so ergänzte der Rathauschef. Er habe deshalb auch seine Meinung geändert. „Am schlimmsten ist, dass man bereits über der Grenze im Grundwasserstress ist“, so wörtlich.
Unter „Diskussion“ in der Stellungnahme, legt die Gemeinde ihre Bedenken vor und stellt auch einige Forderungen. Unter anderem wird eine klare Abgrenzung der Einzugsgebiete der vier Brunnen gefordert. Aus Sicht der Gemeinde gebe es auch keinen Grund zur Zusammenfassung der maximalen Entnahmemenge aus allen Brunnen. Moritz Beyreuther meinte hier zu, dass das Einzugsgebiet scharf begrenzt werden müsse und forderte eine Höchstmengenbegrenzung pro Brunnen.
Teilweise haben sich die Befürchtungen, lange geäußert von der Bürgerinitiative bereits bewahrheitet und wurden durch die Masterarbeit wie auch durch das Gutachten bestätigt, nämlich dass die Grundwasserneubildungsrate zurückgeht. Ursächlich verantwortlich sind, wie in der Stellungnahme beschrieben, nicht allein die Firma Adelholzener, sondern vor allem die klimatischen Veränderungen. Wörtlich heißt es „Die erschreckende, tendenzielle Abnahme der Grundwasserneubildungsrate in Abhängigkeit von den Klimaverhältnissen und Entnahmedaten bedingen weitere Untersuchungen. Kritisiert wird, dass die vorliegende Bilanzierung des Gesamtgrundwasserdargebots nicht ausreicht. Die Auswirkungen der tatsächlichen Entnahmemenge durch die Adelholzener Alpenquelle muss dargestellt werden.
Ein dreistufiges Monitoring und Berichtssystem wird vorgeschlagen, darunter ein jährlich öffentlicher Kurzbericht und alle fünf Jahre eine umfassende fachgutachterliche Gesamtauswertung mit Trendanalyse. Nach zehn Jahren möchte die Gemeinde eine grundlegende Überprüfung und Fortschreibung der wasserrechtlichen Grundlagen anhand der Monitoring Daten.
Monitoring
gefordert
„Wir stehen als Gemeinde einer Erhöhung der Entnahmemenge kritisch gegenüber. Es gebe Hinweise, dass in den letzten Jahren bereits die aktuellen Entnahmemengen die 20 Prozent Stressgrenze der Grundwasserneubildung deutlich überschreiten, heißt es in der Schlussfolgerung. Folglich spricht sich die Gemeinde weder für eine Ablehnung noch für eine Zustimmung aus. Aus Sicht der Gemeinde könne nur eine Genehmigung erteilt werden, wenn die Schutzgüter der Wasserwirtschaft (Trinkwasser, Grundwasser) gewahrt sind, die Entnahme mess-, prüf- und nachsteuerbar geregelt ist und Auflagen festgelegt werden.
Nun sind die Fachbehörden am Zug, die die Stellungnahme mit Argumenten und Maßnahmen prüfen muss.