Prien – Auf die Frage, was er direkt ändern würde, wenn er einen Tag im Gesundheitsministerium arbeiten würde, musste Dr. Ulrich Schulze, Geschäftsführer der Romed-Kliniken, erst mal überlegen. Das zeigt, wie komplex das Thema Gesundheitspolitik ist. Die Zuständigkeiten sind klar verteilt. Welche Hebel hat eigentlich die kommunale Politik? Beim Besuch der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach beim Neujahrsempfang der Priener CSU war das Thema Gesundheit in den Reden der Gäste das bestimmende und im Landkreis Rosenheim mit den vielen Kliniken auch ein bewegendes und emotionales Thema.
75 Millionen Euro
für die Priener Romed
Landrat Otto Lederer sprach davon, dass der Landkreis wohl die höchste Klinikdichte Europas hätte. Sein Loblied auf Prien, wo Sport, Tourismus, Bildung und Gesundheit zusammenkommen, endete mit: „Prien ist uns lieb und teuer“. Wobei er mit teuer hauptsächlich die Investition von 75 Millionen Euro in die Priener Romed-Klinik meint. Gesundheitsministerin Gerlach erzählte im Anschluss von dem ihrer Ansicht nach wichtigen Aspekt der Prävention und gab Einblicke in ihre Arbeit, wobei die Krankenhausreform ein zentraler Punkt sei.
Schulze fand im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung lobende Worte für Gerlach und ihre Rede: „Sie ist sehr eloquent, spricht gut und trifft den richtigen Ton. Mein Eindruck war, dass sie in der Thematik wirklich tief drinsteckt, für Bayern eine gute Vertretung gegenüber dem Bund ist und auch die Interessen des Landes gut vertritt.“
Von den Kandidierenden bei den anstehenden Kommunalwahlen am 8. März wünscht er sich, „dass Gesundheitsthemen ernst genommen werden und alle auch bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen und eine Meinung zu haben“. Denn das Thema habe für die Menschen in der Region einen hohen Stellenwert. Und schließlich seien die kommunalen Krankenhäuser auf das Engagement des Trägers ein Stück weit angewiesen.
Nach einer kurzen Bedenkzeit äußert sich der Romed-Chef auch zu einer Maßnahme, die er dringend umsetzen würde, wäre er dazu befähigt: „Im Zuge der Gesundheitsreform wird immer wieder der Bürokratieabbau nach vorn gestellt.“ In der Praxis spüre er davon aber sehr wenig. „Deshalb würde ich einführen, wenn ich es verändern könnte, dass man den Akteuren im Gesundheitswesen ein Stück weit mehr vertraut und nicht alles bis ins Kleinste ständig prüft oder kontrolliert“, so Schulze.
Priens Bürgermeister Andreas Friedrich blieb vor allem aus Gerlachs Rede hängen, dass Bund und Länder wohl eher wieder in eine Richtung ziehen und dass das Gesundheitswesen doch wieder etwas stabilisiert werden kann. „Für wie lange, wird sich noch zeigen, weil es ja um große strukturelle Herausforderungen geht. Allein, dass wir immer älter werden, und je älter man wird, desto eher ist man krank und braucht das System“, sagt Friedrich der Chiemgau-Zeitung. Die Gesundheitsbedürfnisse der Menschen in Prien sieht er „aktuell sehr gut abgedeckt“. Durch die Romed-Klinik sei die Akutversorgung mit Notaufnahme „zum Glück“ gesichert. Bei den Hausärzten sieht Friedrich aber Änderungen auf die Marktgemeinde zukommen und nennt Gemeinschaftspraxen oder hausärztliche Versorgungszentren als Stichworte. Auf das Gesundheitswesen an sich habe die Gemeinde „wenig bis gar keinen“ Einfluss. Hausärzte können zwar auf Friedrich zukommen und nach möglichen Standorten für Praxen fragen und die Gemeinde könne mit Liegenschaften und Objekten Kontakte herstellen, „aber ansonsten gibt‘s da relativ wenig Einflussmöglichkeiten“. In anderen Gemeinden würde schon mit Anwerb-Prämien hantiert, „soweit sind wir zum Glück in Prien noch nicht“.
Auf Landkreisebene sieht das schon anders aus. Landrat Otto Lederer teilt sich im Wechsel mit Rosenheims Oberbürgermeister den Vorsitz des Aufsichtsrats der Romed-Kliniken. „Die Region Rosenheim weist eine der höchsten Klinikdichten in ganz Europa auf und ist auch für den ambulanten medizinischen Bereich sehr attraktiv, sodass wir hier derzeit sehr gut und breit aufgestellt sind“, teilt Lederer auf OVB-Anfrage mit. Dennoch gebe es auch Herausforderungen, „die aufgrund des demografischen Wandels oder durch politische Entscheidungen noch verstärkt werden“. Als Verbesserung im Landkreis wünscht sich Lederer, dass „der Zugang zu haus- und fachärztlichen Leistungen, zu Therapieangeboten und zu Apotheken“ auch in den kleineren Gemeinden zu gewährleisten sei. „Darüber hinaus muss die ambulante und stationäre Notfall- und Grundversorgung gefördert und der demografischen Entwicklung angepasst werden.“ Neben der herausgestellten Bedeutung zur Prävention blieb dem Landrat auch die klare Haltung zur Krankenhausreform der Gesundheitsministerin in Erinnerung.
Anwerb-Prämien
für mehr Ärzte
„Wir brauchen in der deutschen Kliniklandschaft eine Strukturreform, müssen jedoch darauf achten, dass wir den unterschiedlichen Voraussetzungen – von den Großstädten bis hin zum ländlichen Raum – gerecht werden und die Versorgungsqualität auf hohem Niveau gesichert bleibt“, erklärte Landrat Otto Lederer, der eine Anpassung der „Lauterbach‘schen Reform“ als dringend geboten erachtet. Aber auch die Frage der Klinikfinanzierung müsse endlich gelöst werden: „Es kann und darf nicht sein, dass die Kommunen die Unterfinanzierung dieses Bereichs der Gesundheitsversorgung auf Dauer ausgleichen müssen.“