Traunstein – Häusliche Gewalt hat viele Gesichter und entsteht häufig im Verborgenen. Sie findet in der Ehe, in Partnerschaft und Familie statt oder auch zwischen Menschen, die nach einer Trennung nicht mehr unter einem Dach leben. Den bundesweit 266.000 registrierten Fällen (Bayern: 27.200 im Jahr 2024) steht eine hohe Dunkelziffer gegenüber.
Deshalb will die aktuelle Wanderausstellung „Häusliche Gewalt LOSwerden“ im Kulturforum Klosterkirche in Traunstein das Thema aus der Tabuzone holen und öffentlich darüber informieren. Sie will die verschiedenen Formen der Gewalt aufzeigen, Betroffenen Mut machen und auf Beratungsstellen und Unterstützungsangebote hinweisen. Zu sehen ist die Wanderausstellung, die vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales in Kooperation mit dem „Sozialdienst katholischer Frauen“ Südostbayern (SkF) präsentiert wird, noch bis 13. Februar. Initiiert wurde die Präsentation der Ausstellung von Sabine Weiß vom SkF in Traunstein, von Oberbürgermeistergattin Veronika Hümmer und Birgit Sailer vom Verein „Vergissmeinnicht“. Für die musikalische Umrahmung sorgte Irmengard Posch an der Harfe.
Bei der Eröffnung wies Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer darauf hin, dass das schwierige Thema auch kommunalpolitisch „oft unter dem Radar“ laufe. Trotz guter Arbeit der Sicherheitskräfte sei es für eine familienfreundliche Stadt wie Traunstein wichtig, auch die Bürger und Bürgerinnen für derartige Vorkommnisse zu sensibilisieren und zu informieren, um bei Auffälligkeiten nicht wegzuschauen. Immerhin seien 80 Prozent der Betroffenen Frauen, aber auch Männer und Kinder hätten darunter zu leiden.
Nadja Düvelmeyer, Geschäftsführerin des SkF Südostbayern, hob hervor, dass der Verein neben der wichtigen Schwangeren- und Familienberatung auch bei häuslicher Gewalt tatkräftige Hilfe und Unterstützung leiste. Bereits seit 1989 gebe es das Frauenhaus in Rosenheim mit acht Plätzen, um Opfer in akuter Notlage versorgen zu können. Darüber hinaus gebe es seit 2015 in den Landkreisen Traunstein und BGL auch eine Interventionsstelle mit einer Ansprechpartnerin, an die die Polizei Betroffene nach Einsätzen wegen häuslicher Gewalt weitervermitteln könne. Sie ist nach langjähriger Leitung durch Sabine Weiß seit Anfang des Jahres neu besetzt worden.
Düvelmeyer hob hervor, dass häusliche Gewalt kein Randthema sei und alle Altersgruppen und Gesellschaftsschichten betreffe. Deshalb brauche das Thema mehr Öffentlichkeit und Präsenz. Um auch Beratungsangebote für Männer und Betroffene aus dem sozialen Umfeld von Opfern anbieten zu können, habe die SkF in Kooperation mit den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land ergänzend die Beratungsstelle „Lichtblicke“ vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Seit Anfang des Jahres sei die Festfinanzierung durch die Regierung gesichert.
Karin Wagner, Beauftragte der Polizei für Kriminalitätsopfer im Polizeipräsidium Oberbayern Süd, machte deutlich, dass es sich bei häuslicher Gewalt um keinen separaten Straftatbestand handle, sondern dass sich dahinter ein „Sammelsurium an Vergehen“ verberge. Das reiche von der einfachen Beleidigung bis hin zum Tötungsdelikt. Die in der Regel „sehr emotional aufgeladene Situation“ und die Einschätzung von Bedrohungslagen machen die Einsätze und Einwirkungsmöglichkeiten der Polizei nach dem Gewaltschutzgesetz nicht einfach. Oft werde die Situation nach einem Vorfall heruntergespielt und Ausreden gebraucht. Platzverweise oder Kontaktverbote seien erste Möglichkeiten, um Betroffene zu entlasten. Die Unterbringung in Schutzwohnungen böte weitere Möglichkeiten. Auch wenn rund 80 Prozent der Opfer Frauen seien, gäbe es auch eine steigende Zahl betroffener Männer. „Es sollte unser aller Anliegen sein, bei dem Verdacht auf häusliche Gewalt nicht wegzuschauen, sondern auf ein Durchbrechen des Gewaltkreislaufs hinzuwirken.“ Dies könne auch darin bestehen, bei einer Vermutung „einfach mal die Haustürklingel zu drücken“. Die Ausstellung im Kulturforum zeigt anhand von sechs zweiseitigen Ausstellungstafeln und Info-Boards, wie es zu häuslicher Gewalt kommen kann, welche körperlichen, seelisch-psychischen oder sexuellen Formen sie annehmen kann und wie die Opfer sich fühlen. Ebenso erfahren Betroffene, Angehörige und Interessierte, wo es Hilfs- und Unterstützungsangebote gibt. Die Ausstellung findet im 1. Stock des Kulturforums statt und ist geöffnet am Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag jeweils von 14 bis 18 Uhr sowie am Donnerstag von 15 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Weitere Infos gibt es unter www.bayern-gegen-gewalt.de. eff