Prien – Deutlich mehr Zuspruch für ein Durchfahrtsverbot als für ein neues Parkraumkonzept: Dieses Ergebnis hat eine Anwohnerbefragung zur Verkehrssituation im Gries gebracht. Der Bürgermeister kann damit gut leben. „Wir wollen ja niemandem etwas überstülpen“, erklärte Andreas Friedrich (ÜWG) in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderates.
Ursprünglicher
Beschluss aufgehoben
In der Oktober-Sitzung 2025 befasste sich der Marktgemeinderat zuletzt mit der Parksituation in dem Wohngebiet. Dabei stellte die Verwaltung einen überarbeiteten Lösungsvorschlag zur künftigen Parkraumsituation vor. Der ursprüngliche Beschluss eines eingeschränkten Halteverbots vom April war zuvor aufgehoben worden.
Auslöser des Ganzen war, dass immer mehr erkennbar Auswärtige in dem historischen Ortsteil parkten, erklärte Bürgermeister Friedrich, und den Anwohnern zum Teil das Leben schwer machten, weil diese kaum noch zu ihren Stellplätzen kamen oder welche fanden. „Die Anwohner wissen, wie sie parken müssen, um ihre Nachbarn nicht zu blockieren“, sagte Andreas Friedrich und erntete Zustimmung von den Zuschauerrängen.
Ziel der erneuten Befassung war es, ein aktuelles Stimmungsbild der Bewohnerschaft einzuholen und die weitere Vorgehensweise „auf eine breite Grundlage zu stellen“. Der Rat entschied einstimmig, die Anwohner zu befragen. Was schriftlich geschah. Nun lag die Auswertung vor.
220 Personen wurden angeschrieben, das sind all diejenigen, die vom Parkraumkonzept betroffen wären. Wie die Verwaltung mitteilt, erhielten aufgrund eines Fehlers in der Stichtagsliste auch 43 Personen unter 18 Jahren das Schreiben. In die Auswertung flossen aber nur die Rückmeldungen volljähriger Anwohnerinnen und Anwohner ein.
Der erneut vorgeschlagene Ansatz sah eine zeitlich begrenzte Parkzone mit einer maximalen Parkdauer von drei Stunden vor. Mit Ausnahmegenehmigungen für Anwohner ohne private Stellplätze. Als alternative beziehungsweise ergänzende Variante stand ein Durchfahrtsverbot mit dem Zusatzzeichen „Anlieger frei“ zur Wahl.
Von den 220 angeschriebenen Personen beteiligten sich 134 an der Befragung. Mit einer Beteiligungsquote von rund 61 Prozent handele es sich laut Verwaltung um einen überdurchschnittlich hohen Wert, der auf großes Interesse der Bürgerschaft an der Thematik schließen lasse. „Prima, dass wir die Bürger beteiligt haben“, hielt Kersten Lahl (BfP) fest und erntete Kopfnicken in der Ratsrunde.
Zum Konzept mit begrenzter Parkdauer und Ausnahmeregelung für die Anwohner ergab sich folgendes Bild: 28 Rückmeldungen sprachen sich für und 93 gegen diesen Vorschlag aus. Deutlich anders fiel die Einschätzung beim Durchfahrtsverbot aus. Hier votierten 70 Teilnehmer für ein Durchfahrtsverbot anstelle des Parkraumkonzepts, weitere 27 befürworteten es als Ergänzung. 32 lehnten diese Variante ab.
An der Befragung beteiligten sich auch Minderjährige. Konkret nahmen, wie aus den Unterlagen hervorgeht, vier Jugendliche des Jahrgangs 2008 (17 Jahre) teil. Da schaute die Verwaltung genauer hin, schließlich dürfen die bald Auto fahren. Ein Teenager äußerte sich nicht, einer sprach sich gegen ein Parkraumkonzept, aber für ein Durchfahrtsverbot aus, zwei befürworteten ein Parkraumkonzept und zusätzlich ein Durchfahrtsverbot.
Das soll nun zügig umgesetzt werden. Vorgesehen ist demnach die Anordnung eines Durchfahrtsverbots gemäß Verkehrszeichen 260 „Verbot für Fahrzeuge aller Art“ mit dem Zusatzzeichen 1020-30 „Anlieger frei“. Die Beschilderung soll, wie die Verwaltung mitteilt, jeweils an den Einfahrten der Lujo-Brentano-Straße sowie der Straße „Am Gries“ erfolgen. Durch diese Anordnung wären zudem sowohl das Römerfeld als auch die Straße „An der Prien“ vom Durchgangsverkehr ausgeschlossen. Material- und Bauhofkosten werden mit 320 Euro beziffert.
Die Kontrolle des Durchfahrtsverbots soll laut Verwaltung anlassbezogen erfolgen, also sporadisch oder nach Hinweisen und Anrufen aus der Anwohnerschaft. Sowohl mit der Polizei als auch mit dem zuständigen Zweckverband wurde hierzu Rücksprache gehalten. „Beide Stellen kommen übereinstimmend zu der Einschätzung, dass eine konsequente und dauerhafte Kontrolle faktisch kaum möglich ist“, heißt es in den Unterlagen. Hintergrund sei insbesondere, dass Besucher und Lieferverkehr als „Anlieger“ gelten, sodass eine eindeutige Abgrenzung im Vollzug schwierig bleibt. Eine permanente Überwachung könne daher realistischerweise nicht erwartet werden. Das, so Bürgermeister Friedrich, wissen die Anwohner, die Gemeinde habe es ihnen mitgeteilt.
Sporadische
Kontrollen geplant
„An der Prien“ soll sich noch etwas tun. Das sagte Friedrich auf Nachfrage von Johannes Dreikorn (CSU). Die Straße wolle man wieder in den alten Zustand versetzen. Dort gab es eine Bank „und tatsächlich auch einen Tisch“, zumindest eine Bank soll es wieder geben. Und die zwei Längsparkplätze, die es auch früher gab, sollen wieder eingezeichnet werden. „Wenn wir die nicht markieren, parken die Leute quer und dann wird‘s schwierig.“ Schmunzeln bei den Anliegern. Und ein einstimmiger Beschluss des Marktgemeinderates, den Gries für Kraftfahrzeuge zu sperren – Anlieger ausgenommen.