Seeon-Seebruck/Traunstein – Er überholte ein Auto und wollte auch noch an einem langen Lastwagen mit Anhänger vorbei. Doch der bog gerade links ab und es kam zum schlimmen Crash. Der 54-jährige Motorradfahrer aus Waldkraiburg erlitt bei dem Unfall am frühen Nachmittag im September 2024 ein schweres Polytrauma. Er verstarb noch am selben Tag im Krankenhaus. Nun stand der Lastwagenfahrer vorm Amtsgericht Traunstein. Der Vorwurf: fahrlässige Tötung.
Der Angeklagte ist ein 52-Jähriger aus Schnaitsee. „Er ist schon seit 31 Jahren Lkw-Fahrer und das war sein erster so tragischer Unfall“, machte Rechtsanwältin Kerstin Zinke klar. Die Sache war unstrittig. „Ich habe geblinkt und in den Seitenspiegel geschaut“, so der Mann. Dass ihn als Abbiegenden aber eine Mitschuld trifft, war auch ihm klar. Die 6.000 Euro Geldbuße, die im Strafbefehl festgesetzt waren, akzeptierte der Lastwagenfahrer. Aber: Die drei Monate Fahrverbot, die die Staatsanwaltschaft darüber hinaus vorsah, würden ihm den Job kosten. „Der Arbeitgeber hat bereits verlauten lassen, ihm bei drei Monaten Führerscheinentzug zu kündigen“, so Verteidigerin Zinke. Der Unfall zwischen Seeon und Rabenden – der 52-Jährige wollte nach links in Richtung Landertsham abbiegen – begleite ihn bis heute, so die Anwältin: „Er hat auch Kontakt zu den Angehörigen aufgenommen und die Ehefrau am Unfallort getroffen, als sie dort Blumen niederlegte.“ Das Fahreignungsregister des Schnaitseers war laut Richterin Veronika Ritz ebenfalls noch leer. Im Urteil hatte Richterin Ritz schließlich ein Einsehen. Sie beließ es bei der Geldstrafe, verurteilte den Mann wegen fahrlässiger Tötung, aber er darf seinen Führerschein behalten. Das Unfallgutachten habe gezeigt, dass der Fahrlässigkeitsvorwurf gegen den Lastwagenfahrer „sehr gering“ sei, so Ritz. Und: Auch der Biker habe mit seinem Überholmanöver „gravierend“ zum Unfall beigetragen. „Es ist sehr schlimm, dass hier ein Mensch getötet wurde. Das darf man nicht kleinreden“, machte die Richterin klar. „Aber so ein Unfall könnte wahrscheinlich jedem von uns passieren.“ xe