Am Holzknechtdenkmal in Ruhpolding nagt der Zahn der Zeit

von Redaktion

Neue Bronze-Schrifttafel ersetzt die unleserlich gewordene Inschrift am Muschelkalkstein

Ruhpolding – Das Holzknechtdenkmal im Herzen von Ruhpolding hat vor Kurzem eine neue Bronze-Schrifttafel erhalten. Während des Kirchenzugs anlässlich des traditionellen Vinzenzitags, bei dem die Teilnehmer samt Fahnenabordnung eine Gedenk-Statio abhielten, wurde das metallene Schild von den Vertretern der beteiligten Sponsoren feierlich enthüllt.

Für den bisherigen Forstbetriebsleiter Joachim Keßler, Bürgermeister Justus Pfeifer, den scheidenden Vinzenzivereinsvorsitzenden Guido Brüning sowie Michael Kaiser, leitender Landwirtschaftsdirektor des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), war es eine Ehrenaufgabe, die hölzerne Verblendung zu entfernen. Nun ist die Sicht frei und die Beschriftung bereits aus einigen Metern Entfernung wieder gut lesbar: „Unseren Holzknechten zur Ehre“, und darunter die Abkürzung „G.L.u.F. 1959“. Die Abkürzung verweist auf die damalige Gewerkschaft Landwirtschaft und Forsten, welche die Kosten des markanten Holzknechtdenkmals trug. Heute sind die Holzknechte in der Nachfolgeorganisation, der IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU), organisiert. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt (BAU) beteiligte sich ebenfalls an den aktuellen Anschaffungskosten.

Nachdem der alte Schriftzug auf dem Podest aus Muschelkalkstein nur noch schemenhaft zu erkennen war, befasste man sich schon seit geraumer Zeit mit der Frage nach einer passenden Lösung, die den Witterungseinflüssen dauerhafter standhalten würde als bisher. Auf Anraten von Steinmetz Horst Kellndorfer sah man von einer erneuten Inschrift direkt am Steinblock ab und beauftragte den ortsansässigen Bildhauer Helmut Müller junior, welcher die Variante mit der Bronzetafel vorschlug und umsetzte.

Auf seinen Entwurf hin wurde das über einen Meter breite Schild in der Gießerei Otto Strehle in Winhöring gegossen. Mit seiner anthrazit-grünen Patina fügt es sich optisch so harmonisch ins Gesamtbild der vom Künstler Andreas Schwarzkopf geschaffenen, einzigartigen Plastik ein, als wäre es schon 1959 beim Aufstellen montiert gewesen.

Dass Bildhauer Müller an den beiden lebensgroßen Holzknechtsfiguren Hand anlegen musste, war nicht das erste Mal. Unbekannte hatten vor einigen Jahren den oberen Handgriff der Wiegensäge (Wiagnsog) gewaltsam abgebrochen und mutwillig entwendet. Der Ruhpoldinger modellierte daraufhin kurzerhand den Handgriff originalgetreu nach und schweißte das Bronzeteil an die vakante Stelle. Seither präsentiert sich das Holzknechtdenkmal wieder wie „aus einem Guss“ und weist an dieser exponierten Stelle weiterhin auf den wichtigen Wirtschaftszweig hin, der Ruhpolding und seinen Bewohnern über Jahrhunderte hinweg das Auskommen sicherte. slu

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