Zunftlade-Ritual, Meistergelübde und Abschied vom Bürgermeister

von Redaktion

Der 161. Handwerkertag in Unterwössen steht ganz im Zeichen jahrzehntelanger Tradition

Unterwössen — Der 161. Handwerkertag Unterwössen begann traditionell für die Lehrherren, Meister, Gesellen und Auszubildenden um 9 Uhr mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin. Genauso nach altem Brauch kamen sie im Anschluss zur Handwerkerversammlung um die Zunftlade im Restaurant Lickei zusammen. Pfarrer Martin Straßer und Alex Brachmaier stimmten mit ihren Lesungen auf die Darstellung des Herrn im Tempel ein.

In seiner Predigt vor rund 80 Handwerkern sprach Straßer über drei zentrale Themen des Handwerks: die Verantwortung, die jeder Handwerker für seine Arbeit trägt, die Bedeutung der Gesundheit und die Dankbarkeit für einen Beruf, in dem man täglich sieht, was man geschaffen hat. Schornsteinfegermeister Fabian Merkle – gemeinsam mit Elektrikermeister Alexander Haslreiter Organisator des Handwerkertages – trug die Fürbitten vor. Er bat um Frieden und darum, dass die Arbeit aller Menschen zum Segen gereiche. Ebenso sprach er für den Erhalt der Arbeitsplätze und Schutz vor wirtschaftlicher Not. Maria Blank begleitete den Gottesdienst musikalisch mit Orgel und Gesang. Am Ende des Gottesdienstes erteilte der Pfarrer den Blasiussegen.

Im Restaurant Lickei übernahm Merkle Begrüßung und Moderation. „Tradition lässt grüßen, immer wieder schön, wenn so viele Leute, Junge, Alte, Altgediente, alle zusammenkommen“, empfand er. Unter den Gästen Pfarrer Straßer, Bürgermeister Ludwig Entfellner, Altbürgermeister Hans Haslreiter und andere Honoratioren. Die Teilnehmer gedachten still der verstorbenen Handwerkerkollegen. Bürgermeister Entfellner betonte in seinem Grußwort den Wert der handwerklichen Gemeinschaft. „Gesellschaft ist wichtig in allen Bereichen“, stellte er fest und lobte das Miteinander der Gewerke. „Unsere Bauamtsleiterin schwärmt immer davon, weil sie sagt, in der Stadt reden die Leute nicht miteinander, Handwerker kennen sich nicht mehr. Bei uns im Dorf ist das so, dass die Baustellen eigentlich zusammenlaufen, weil die Gewerke untereinander ratschen, einer auf den anderen einfach schaut und sich organisiert.“

Im demografischen Wandel schaut Entfellner voraus: „Es wird nicht mehr jeder studieren müssen. Sie werden schon wieder draufkommen, dass Handwerk gut bezahlt ist. Ich bin mir ziemlich sicher: Handwerk hat Zukunft.“ Wichtig sei vor allem die Lehrlingsausbildung: „Dass wir immer neue Kräfte kriegen, die dann irgendwann in die Fußstapfen von den Eltern eintreten.“ Es war Entfellners letzter Handwerkertag als Bürgermeister. Die Zunft bedankte sich für seine Unterstützung.

Zudem stellten sich drei neue Meister: Sepp Hell und Dominik Schönfelder, beide Zimmerermeister in der Zimmerei Loider (Bauernschmied), und Pius Entfellner, Heizungsbaumeister in der Firma Tobias Entfellner. Sie legten nacheinander das Wössner Meistergelübde ab, vorgelesen vom offenen Kistendeckel der geöffneten Zunftlade: „Ich verpflichte mich, dem Wössner Handwerk angesichts der offenen Zunftlade des traditionellen Handwerkstages zu Wössen zu dienen, unser Handwerk immer würdig zu vertreten und all mein Wissen, auch die Erfahrungen unseres Berufes, an unseren Nachwuchs weiterzugeben. So wahr ich hier stehe. Gott schütze den Handwerkerstand und seine Familien.“

Merkle gab ihnen ein Zitat vom langjährigen Gesicht des Handwerkertages, dem Heser Mich, mit auf den Weg: „Seht und erkennt die guten Werke eurer Väter, erhaltet sie und bewahrt sie – aber seid offen für Neues.“ Auch zwei frische Gesellen stellten sich der Handwerkerschaft vor: Nils Fischer, Elektriker bei der Firma Haslreiter, und Maxi Weber, Schreinergeselle bei der Firma Kurfer. Merkle hob die Leistungen hinter den Gesellenprüfungen hervor. „Das ist nicht selbstverständlich, das ist harte Arbeit, kostet Geld, braucht Unterstützung von Firma und Familie.“lfl

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