Marquartstein – Der Gemeinderat befasste sich jüngst intensiv mit dem Hochwasserschutz am Tennbodenbach. Wanderer kennen den Wildbach, wenn sie rund um die Talstation der Seilbahn zur Hochplatte laufen. Eigentlich ein idyllischer Bach, der in Stufen von oben ins Tal fließt, der aber in der Vergangenheit bei Starkregenereignissen gefährlich geworden ist für die Menschen, die in Niedernfels und Piesenhausen wohnen. Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein stellten die Planungen für ein Geschieberückhaltebecken vor. Aktuell sei man beim Beginn des Planfeststellungsverfahrens, erläuterte Matthias Staudacher vom Wasserwirtschaftsamt. Es handelt sich um ein circa drei Quadratkilometer großes Gebiet. Anhand von Karten zeigte er, wo das große Geschiebe- und Wildholz-Rückhaltebecken entstehen soll, das dem bestehenden Becken vorgeschaltet wird. Da die vorhandenen Bauwerke im Bach schon jetzt in schlechtem Zustand sind, entstehen fünf neue Querbauwerke. Geröll und Totholz sollen über das neue Bachbett in das neue Rückhaltebecken transportiert und dort aufgefangen werden. Das Becken wird bis zu sechs Meter tief und wird für ein Volumen von rund 15.000 Kubikmetern angelegt. Ein Auslauf samt Rechen soll dafür sorgen, dass sich im Becken die gesamten Geschiebe- und Schwemmholzmengen sammeln, sodass am Ende lediglich Wasser in das nachfolgende, schon bestehende Rückhaltebecken fließt.
Als letzter Teil der Maßnahme wird ein Ablenkdamm aus Wasserbausteinen parallel zum Tennbodenbach gebaut. Seine Aufgabe ist es, das Areal Richtung Seilbahn und Parkplatz im Extremfall auch vor einem Murgang zu schützen. Ein neuer Wanderweg wird auf die Dammkrone verlegt, die alte Wanderwegbrücke am Parkplatz der Talstation wird abgerissen, eine neue stabile Querung über den Bach entsteht zwischen den neuen Querbauwerken. Auch die Spartenverlegungen (Telekom und andere) gehören zu dem Projekt, hier müssen dann die Abschaltungen abgesprochen werden.
Die Auswirkung der Maßnahmen bedeuten eine Verbesserung bei einer Hochwassersituation bis HQ 100, besonders für den Ortsteil Niedernfels und die Schloßstraße, insbesondere auch bei der Verklausung, führte Matthias Staudacher weiter aus. Als Zeitplan nannte er den Herbst für die Rodungen, um das Baufeld freizulegen; die Hauptbauphase sah er von Herbst 2027 bis Frühjahr 2029. Es wird mit zwei Jahren kalkuliert, abhängig ist der Beginn vom eingereichten Planfeststellungsverfahren.
Hubert Götschl (BfM) fragte nach den Kosten. Diese wurden vom WWA mit rund 4,35 Millionen Euro beziffert. Nach einer ab Januar geltenden Regel übernehmen der Freistaat Bayern 80 Prozent und die Gemeinde Marquartstein 20 Prozent, also 870.000 Euro. Hubert Götschl fragte weiter, ob die vorhandenen Sperren nicht repariert werden können und der Kiesfang ausgebaggert werden kann. Der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes bestätigte, dass der Kiesfang zweimal im Jahr geprüft wird. Josef Moritz (CSU) fragte, ob die monetäre Beteiligung der Gemeinde gedeckelt ist, da er befürchte, dass durch die aktuellen Preissteigerungen der Betrag von 870.000 Euro nicht ausreichen könnte. Die Antwort war, dass der Staat immer in Vorleistung gehe und die Gemeinde erst ein Jahr später belastet werde. Martin Riedl (CSU) fragte, wie die Gemeinde im Schadensfall involviert wird. Der Vertreter des WWA antwortete, dass alle Maßnahmen mit der Gemeinde abgestimmt werden. Gedanken zur Ablehnung des Projektes aufgrund der hohen Kosten kursierten und ob alles auf HQ 100 ausgerichtet sein muss. Franz Aigner (BfM) hatte dazu eine klare Meinung, dass die Gemeinde froh sein muss, dass ein entsprechend großes Rückhaltebecken gebaut wird und die Gemeinde mit „nur“ 20 Prozent an den Kosten beteiligt ist, damit der Ortsteil Niedernfels einen besseren Schutz vor Hochwasser hat. Auch Christian Dögerl (CSU) gab ihm recht und ist froh, dass die Maßnahme durchgeführt wird. Die Zweite Bürgermeisterin Claudia Kraus – in Vertretung des nicht anwesenden Bürgermeisters Andreas Scheck – bedankte sich bei den Vertretern des WWA für die Ausführungen. wun