„Kleines Rad im großen System“

von Redaktion

Rimstinger Therapiezentrum macht deutsche Olympioniken erfolgreicher

Rimsting – Über drei Stockwerke verteilt sich das Trainings- und Therapiezentrum von „Sports Innovated“, am Ortsrand, mit Blick über die Schafwaschener Bucht. Von außen hat das ehemalige Bauernhaus seinen Charakter bewahrt, im Inneren ist es bis auf die Grundmauern und Holzbalken grundsaniert. Ein Ort, an dem geschwitzt, analysiert, hinterfragt und neu aufgebaut wird.

Die Schweißtropfen fließen im Erdgeschoss. Auf einer großen Trainingsfläche gibt es alles, was das leistungsorientierte Trainingsherz begehrt. Dazu ein Bewegungs- und Analyselabor, welches technisch besser ausgestattet ist als so mancher Olympiastützpunkt.

Erfolg planbarer
machen

Es ist kein Zufall, dass auch deshalb nationale wie internationale Profisportlerinnen und -sportler in Rimsting ein- und ausgehen. Darüber freut sich Geschäftsführer und Gründer Dr. Manfred Düring natürlich, den eigenen Anspruch aber auch nüchtern beschreibt: „Im Sport geht es darum, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, Erfolg zu haben“. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ergänzt der promovierte Sportwissenschaftler: „Wenn die Sportler bei uns sind, wollen wir dazu beitragen, dass diese Wahrscheinlichkeit steigt.“

Bei „Sports Innovated“ arbeiten Fachleute aus Medizin, Physiotherapie und Trainingswissenschaft eng zusammen. Dabei gehe es nicht um abstrakte Theorie, betont Düring, sondern um deren individuelle und praxisnahe Umsetzung – evidenzgeleitet, nicht rein evidenzbasiert. Heißt, auf wissenschaftlichen Standards beruhend, und mit Fokus auf den Zusammenhang der Anwendung. Der Mensch stehe im Mittelpunkt, nicht allein der Datensatz.

Das Rimstinger Sportzentrum kooperiert sowohl mit dem deutschen Ski- als auch Snowboard-Nationalteam. Auch deshalb ist die Liste der Sportler bei den Spielen in Italien so lang, dass Düring sie abliest, um auch wirklich alle zu nennen. Die alpine Speed-Hoffnung Simon Jocher absolvierte hier im Sommer ihre Reha, die in Prien geborene Eisschnellläuferin Maira Jasch kam zur Diagnostik, die alle Kaderathleten jährlich ablegen müssen. Eishockeyspieler Lukas Reichel, der in der NHL für die Vancouver Canucks spielt, fand nach seiner Verletzung bei der WM 2025 im Chiemgau wieder zu alter Stärke zurück.

Die Verbindung zu Parallel-Snowboarder Yannik Angened ist besonders eng, da er die komplette konditionelle Vorbereitung für die Saison im Haus durchzog. Aus der neuen olympischen Disziplin Skibergsteigen ist mit Finn Hösch auch ein Athlet aus der Rimstinger Sportschmiede in Italien vertreten – nach zwei Jahren intensiver Diagnostik, Athletiktraining und Beratung.

Stefan Baumeister und Cheyenne Loch, beide aus dem Snowboardsport, nutzten das Angebot von„Sports Innovated“ zur Rehabilitation. Hinzu kommen Skispringerin Agnes Reisch, Freestyle-Skifahrerin Muriel Mohr sowie Alpin-Techniker Alexander Schmid. Insgesamt zehn der 135 Athletinnen und Athleten aus dem deutschen Team stehen in direktem Bezug zu Rimsting. Düring: „Wichtig ist mir, dass wir ein Teil davon sind – ein kleines Rad im großen System.“ Es gehe nicht darum, sich Erfolge zuzuschreiben, sondern mit Demut professionelle Strukturen bereitzustellen, damit andere ihre Ziele erreichen können.

Während der Olympischen Spiele läuft im Haus nahezu ununterbrochen der Livestream. Die Wettkämpfe werden intensiver verfolgt als sonst – nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus echter Verbundenheit. „Es entsteht eine Bindung, gerade wenn jemand wie Yannik quasi täglich hier ist“, sagt Düring, der bei Fußball-Klubs in Hamburg, Mainz, Fürth, Salzburg oder Al-Hilal in Saudi-Arabien verschiedenste Einblicke im Profisport als Athletiktrainer und Head of Performance (Leitung der Athletikabteilung) bekam. Diese Zeit lehrte ihn, wie entscheidend stabile, menschliche Strukturen seien. Besonders strahlt er beim Gedanken, was dieses olympische Kribbeln mit seinem Team macht: „Die Mitarbeitenden freuen sich, wenn sie die Athleten im Fernsehen sehen und wissen, dass sie ihren Teil dazu beigetragen haben. Das wirkt enorm motivierend.“

Daten als
Grundlage

Gleichzeitig versteht sich „Sports Innovated“ nicht als exklusiver Ort für Profis. Auch klassische Physiotherapie-Verordnungen werden hier behandelt, Hobbysportler können Leistungsdiagnostiken und Trainingspläne buchen. Damit trifft das Sportzentrum auch einen gesellschaftlichen Nerv: höher, schneller, weiter – unterfüttert mit Daten. Prävention und Gesundheit stehen dabei im Fokus. Dass sich in der „Sportscheune“ von Rimsting Jung und Alt, Profi und Breitensport begegnen, ist gewollt. „Beides unterstützt sich“, sagt Düring. „Und vor allem kommen die Menschen ins Gespräch.“ Thema Nummer eins werden in den kommenden Wochen vermutlich die Olympischen Spiele sein – und die leise und feine Rolle des innovativen Konzepts am Chiemsee.

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