Traunstein – Die jüngste Stadtratssitzung begann ungewohnt still. „Die erste Sitzung des Stadtrates im neuen Jahr haben wir uns anders vorgestellt“, sagte Oberbürgermeister Christian Hümmer (CSU) zu Beginn.
An Weihnachten habe man sich noch voneinander verabschiedet, „in der Hoffnung, dass alle gesund bleiben“. Dann erinnerte er an den 22. Dezember, an dem Stadtrat Georg Osenstätter (Initiative Traunstein) bei einem Skiunfall ums Leben kam.
„Ein liebenswerter
Mensch“
Die Mitglieder des Stadtrates erhoben sich von ihren Plätzen, an der Leinwand wurde ein Bild des Verstorbenen eingeblendet. Mit Osenstätter verliere die Stadt nicht nur einen engagierten Stadtrat, sondern „auch einen sehr liebenswerten Menschen“. Susanne Deckert, neue Fraktionsvorsitzende der „Initiative Traunstein“, blickt in ihrer Rede zurück. Was am 22. Dezember passiert ist, sei für sie bis heute schwer zu begreifen. Es ist ihre erste Stadtratssitzung als Fraktionsvorsitzende – und zugleich die erste Sitzung ohne Georg Osenstätter.
Er war mit vielen Menschen verbunden, erinnert Deckert an den Verstorbenen: mit seiner Familie, seinem Freundeskreis, den Vereinen und Organisationen. Besonders habe ihn sein Verständnis von Demokratie ausgezeichnet. Für Osenstätter galt: Demokratie ist nur so viel wert, wie jeder Einzelne bereit ist, sich einzubringen. Nur wenige Tage vor seinem Tod habe er ihr gesagt, wie sehr er jeden Einzelnen im Stadtrat schätze.
Gegen Ende ihrer Worte kämpft Susanne Deckert mit den Tränen. Auch wenn man ohne ihn weitermache, werde er immer in Erinnerung bleiben.
Oberbürgermeister Hümmer schlägt anschließend den Bogen zur formalen Nachfolge. „Die Demokratie lässt keine Lücken zu“, sagt er, vielleicht sei das auch tröstlich. Mit Tagesordnungspunkt zwei steht die Neubesetzung des frei gewordenen Stadtratsmandats an. Für die „Initiative Traunstein“ rückt Tobias Huber nach. Im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung kurz vor der Stadtratsitzung erzählt Huber, er sei als eines der Gründungsmitglieder der Initiative Traunstein von Anfang an dabei gewesen. Entstanden ist die Partei aus einem Freundeskreis, der mit der damaligen Stadtpolitik unzufrieden war und einen Umschwung im Stadtrat anstoßen wollte. Als Familienvater ergaben sich für den 40-Jährigen früh viele Berührungspunkte mit der Kommunalpolitik – vom bezahlbaren Wohnraum über sichere Schulwege bis hin zum Breitbandausbau in den Ortsteilen.
Für Huber, der in Rettenbach aufwuchs, ist die Nachfolge von Osenstätter auch ein sehr persönlicher Schritt. Sie kannten sich schon seit Kindergartentagen, haben die Partei zusammen gegründet: „Er war immer der Treiber, dass die Initiative lebt und dass etwas passiert“, sagt Huber.
Einerseits empfindet er Ehre und Stolz, nun als Stadtrat nachzurücken, andererseits „sitze ich nun hier, weil ich einen sehr guten Freund verloren habe“. Die Entscheidung, das Mandat anzunehmen, trifft er auch im Sinne Osenstätters: „Es war immer Georgs Wunsch, dass die Arbeit weitergeht, dass wir Projekte umsetzen – und ich möchte das fortführen.“
„Ich bin
gern Stadtrat“
Wie lange Tobias Huber nun für die „Initiative Traunstein“ im Stadtrat sitzt, ist unklar – die Kommunalwahlen stehen an. Ein Nachrücken ist gesetzlich vorgeschrieben, aber gleichzeitig kandidiert er weiterhin bei der nächsten Wahl, wenn auch nicht auf einem vorderen Listenplatz. „Zum Schluss entscheidet der Wähler, wie viele Stimmen die Initiative bekommt und ob er uns das Vertrauen gibt, weiterzumachen“, sagt Huber. Auf die Frage, ob er gerne Stadtrat bleiben würde, antwortet er eindeutig: „Natürlich, wenn sich’s ausgeht, dann bin ich gern Stadtrat.“