Übersee – Der Leiter der Tourist-Info, Michael Wielandner, berichtete dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung über das Geschäftsjahr 2025. Die Übernachtungszahlen sind im Jahr 2025 gegenüber dem vergangenen Jahr um 0,42 Prozent auf 201.952 gesunken. Die Zahl der Gäste dagegen stieg um 9,17 Prozent auf 55.526 gegenüber 50.861 im vergangenen Jahr.
Verregneter Sommer
schlägt sich nieder
Als Grund für die leicht gesunkenen Übernachtungen sah Wielandner vor allem den verregneten Sommer, an dem viele Gäste schon nach wenigen Tagen wieder lieber gegen Süden aufgebrochen seien. Das zeigte sich auch an der Aufenthaltsdauer, die von durchschnittlich vier Tagen in 2024 leicht auf 3,6 Tage im vergangenen Jahr sank.
Auch bei den Campinggästen – etwa drei Viertel der Gäste- und Übernachtungszahlen in Übersee sind seit langem Camper – zeigte sich diese Tendenz. Insgesamt gibt es rund 450 Stellplätze. Bei den Campern waren es 123.993 Übernachtungen im Jahr 2025 gegenüber 131.484 im vergangenen Jahr. Die Gästezahl lag bei 38.275 – ein Plus von 4,31 Prozent – im Vergleich zu 36.692 Gästen in 2024. Auch bei den Campern sank folgerichtig die Aufenthaltsdauer auf 3,2 Tage gegenüber 3,6 Tagen im vergangenen Jahr. Erfreulicherweise stieg die Zahl der Gastgeber auf 128 gegenüber 117 im vergangenen Jahr. Auch die Bettenzahl von bisher 772 Gästebetten wuchs auf 901 Betten an, berichtete Wielandner. Die Zahl der Jahresparkscheine stieg auf 400 (im vergangenen Jahr noch 396), davon 173 an Überseer Bürger.
Der Tourist-Leiter berichtete weiter über zahlreiche Aktionen, um neue Gäste zu werben und alte weiter an Übersee zu binden. Vom Ortsprospekt für das Jahr 2026 wurden wie im vergangenen Jahr 10.000 Stück gedruckt.
In seinem Rückblick auf das Jahr blickte der Tourismuschef auf 45 Aktionen zurück. Vom Radl-Frühling mit „Glorias Genießertour“ angefangen über den „Traditionssommer 2025“ mit dem großen Musikfest und dem Gaufest des Chiemgau Alpenverbands in der Feldwies, bis zu den Veranstaltungen der „Musik am Dorfbrunnen“, dem Wanderherbst, Biathlon Bus bis zum Schaukasten Direktvermarkter der Arbeitsgruppe Klimaschutz. Weiterhin bemühe man sich, so Wielandner, die Attraktivität von Übersee nicht nur im Sommer am See und im Winter für den Wintersport zu bewerben, sondern die Attraktivität des Ortes das ganze Jahr hindurch zu bewerben. Nach einem Jahr Pause wird es heuer auch wieder Standkonzerte geben.
Nicht alles läuft problemlos oder sorgenfrei ab. Heuer soll wieder das Chiemsee Reggae-Festival im Sommer stattfinden. Dafür würden sich vor allem Interessenten im Alter um die 40 Jahre interessieren, die einfach wieder gerne die Musik von damals hören und feiern würden.
Es sei allerdings nicht einfach, dafür Caravan-Stellplätze zu finden. Auch mit potenziellen Vermietern sei es nicht so einfach, weil viele die früheren Reggae Summers noch in schlechter Erinnerung hätten. Gemeinderat Hans Thullner (Grüne) sagte dazu, dass insgesamt im Übersee-Tourismus viel in die richtige Richtung laufe, aber beim Reggae Summer sehe er schon jetzt „das Chaos vorprogrammiert“. Seitens des Veranstalters habe es immer noch keine Vorinformation für den Gemeinderat gegeben, wie es versprochen gewesen sei. Das verstehe er nicht.
Bürgermeister Herbert Strauch (FBL, Freie Bürgerliste) berichtete, dass durchaus bereits Besprechungen mit Rettungsorganisationen und Polizei liefen. Ein offizieller Bericht an den Gemeinderat finde sicher noch statt. Insgesamt zeigte sich der Rathauschef sehr zufrieden mit der Entwicklung des Tourismus. Mit über 200.000 Übernachtungen sei Übersee „sehr gut unterwegs“. Es gebe eine gute Mischung der Gastgeber von Hotels, Privatvermietern, Ferienwohnungen und Campingplätzen.
Vom Exterhaus – einem wichtigen Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr –, das im vergangenen Jahr von der bisherigen Leiterin Monika Kretzmer-Diepold verlassen wurde, wisse man noch nichts Genaues, so Strauch. Wahrscheinlich werde es in der Sommersaison wieder geöffnet. Wie zuvor Michael Wielandner sprach der Bürgermeister den Plan an, Übersee als Malerdorf, das heißt als Wohnort vieler bedeutender Künstler, noch mehr ins Bewusstsein der Gäste zu rücken.
Neben dem angestrebten kleinen Museum, das die Historie der Maler in Übersee dokumentiert und dazu einige der Kunstschätze ausstellt, ist es der neue, leichter umzusetzende Plan, auch einen Maler-Wanderweg zu schaffen. Hier sollen sich die Kunstinteressierten an verschiedenen fest installierten Schautafeln in Form von Staffeleien mit (immer wieder austauschbaren) Bildern über verschiedene Überseer Maler und deren Werke informieren können. Die Malschüler seien von den Anfängen her gesehen die ersten „Touristen – damals noch Sommerfrischler“ in Übersee gewesen, so der Bürgermeister.
Sorge macht
der ÖPNV
Nach wie vor ist der öffentliche Personennahverkehr für Gäste ein schwieriges Thema in Übersee. Marco Ehrenleitner (CSU) wollte wissen, an was es beim ÖPNV vor allem hake – an Verbindungen, Frequenz der Fahrten oder Abrechnung. Vor allem an der Abrechnung, sagte Wielandner. Schon im vergangenen Jahr musste der Vertrag mit dem RVO gekündigt werden, weil in den Bussen nicht registriert werden kann, wie viele Gäste diesen Service in Anspruch nehmen. Gäste mit Kurkarte bekommen die Kosten für das Ticket zwar in der Tourist-Info erstattet, aber nicht viele nutzen diese Möglichkeit. Der Gemeinderat war sich einig, dass auf längere Sicht unbedingt eine Lösung gefunden werden müsse. Tagestouristen seien willkommen, aber jeder zufriedene Gast, der auch übernachte, sei eine Erleichterung für die Anlieger und ein Mehrwert für den Ort.