Prien – Grau und nebelig schaute die Marktgemeinde vergangenen Freitag bei Temperaturen etwas über dem Gefrierpunkt drein. Am Marktplatz haben sich gegen 7.15 Uhr einige Erwachsene und Kinder zusammengefunden. Männer und Frauen in gelben Westen tauschen sich aus, ein paar verteilen Plakate mit Botschaften wie „Ich will sicher zur Schule“ oder „Straßen sind für alle da“, und bunte Anhänger aus Krepppapier werden den Neuankömmlingen gereicht. Zwei Streifenwagen und vier Polizeikräfte sind ebenfalls vor Ort. Fünf Minuten verspätet schaltet Bernd Ramming das Megafon zur Begrüßung ein, wohl auch weil die Hoffnung bestand, dass mehr Menschen kommen.
„Ich will
sicher zur Schule“
Drei Wochen nach der laut Polizeiangaben ersten Raddemonstration in Prien folgt direkt die zweite. Der erste Korso hatte bei identischem Startpunkt über die Bernauer Straße die Waldorfschule als Ziel, dieses Mal wurde am Rathaus, Wendelsteinplatz und Bahnhof vorbei über die Seestraße die Franziska-Hager-Grundschule anvisiert. Waren es bei der ersten Demo rund 75 Teilnehmende, sind es Anfang Februar um die 50 Radelnde.
Ramming meldete die erneute Demo an, wie sein Vorgänger Florian Böck wurde auch sein Kind in Prien mit dem Rad von einem Autofahrer angefahren. Während der Kundgebung verläuft alles reibungslos und friedlich. Der Veranstalter Ramming registrierte zwar die gesunkene Anzahl, zeigte sich auf dem Schulhof der Grundschule dennoch zufrieden: „Wir haben wieder ein Zeichen gesetzt für den sicheren Verkehr, für den sicheren Schulweg.“ Es solle ein Prozess werden und nicht nur eine einmalige Veranstaltung. „Wir wollen regelmäßig darauf aufmerksam machen und es war ein sehr guter Einstieg für den Weg zur Franziska-Hager-Schule“, so Ramming.
Wie bereits bei der ersten Demo zog auch die Polizei wieder ein positives Fazit. „Es lief alles diszipliniert und störungsfrei ab“, teilt Sebastian Wegscheider, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Prien, dem OVB mit. Der Weg sei zwar nicht mehr nur gerade ausgegangen, „das war aber kein nennenswerter Mehraufwand für uns“.
Rammings Motivation hinter seinem Einsatz: Allgemein für sicheren Verkehr werben, zudem auch Fußgänger gehören. „Alle sind Verkehrsteilnehmer, die sich irgendwo bewegen. Wir haben gesagt, wir müssen vor allem was für den Schulweg, für die Kinder machen“. Wir sind in diesem Fall einige Bürgerinnen und Bürger aus Prien, die sich in der Initiative „KomMit“ gefunden haben, um sich auszutauschen und kommunalpolitisch aktiv zu werden.
Vor allem bei der Infrastruktur müsse laut Ramming in Prien etwas passieren, aber auch die Sensibilisierung der Autofahrer sei wichtig. Gerade das enge Überholen „um wenige Sekunden zu sparen, um am Ende wieder hintereinander an der Ampel zu stehen“ ist dem Priener ein Dorn im Auge. Dass dies „zäher“ und langwieriger ist, sei ihm bewusst, „aber letztlich ist das Miteinander von allen wichtig“. Da schließt Ramming auch Radler auf dem Gehweg ein, „Fußgänger gefährden ist schlecht, deshalb müssen da alle an ihre eigene Nase greifen, aber man muss mal wieder sensibilisieren und wachrütteln und da ist so eine Veranstaltung wie die Demo heute ganz gut.“
Auch Florian Böck, Veranstalter der ersten Demo, war wieder im Orga-Team vertreten. Sein Wunsch für sicherere Schulwege ist simpel: Radwege. Aber auch „breitere Fußwege und eine generelle Verkehrsberuhigung im Ort, sodass wirklich alle Verkehrsteilnehmerinnen mitgedacht werden können.“ Um diese Wünsche zu realisieren, müsste auch das Landratsamt in Rosenheim aktiv werden. Viele Straßen in Prien, wie zum Beispiel die Bernauer Straße, sind Staatsstraßen und die Landkreisbehörde deshalb zuständig.
Auf eine Anfrage der Chiemgau-Zeitung schreibt die Pressestelle, dass das Amt Anliegen und Hinweise aus der Bevölkerung ernst nehme: „In den vergangenen Jahren ist landkreisweit ein zunehmendes öffentliches Interesse an Fragen der Sicherheit im Straßenverkehr festzustellen. Dies zeigt sich unter anderem in verschiedenen Initiativen, Bürgeranfragen sowie in der Erarbeitung kommunaler Verkehrs- und Radverkehrskonzepte.“
Die Untere Straßenverkehrsbehörde des Landratsamtes Rosenheim stehe den Kommunen beratend zur Seite, wie beispielsweise beim Entwickeln eines Verkehrskonzepts. „Auch hier stellen wir fest, dass die Kommunen im Landkreis, auch in Kooperation mit Ehrenamtlichen, zunehmend mehr Initiativen, Konzepte und Planungen auf den Weg bringen“, heißt es in der E-Mail des Landratsamtes. Dazu gebe es einen Antrag auf sogenannte Schulwegprüfung, der die Perspektive der Kinder auf Gehwegen beziehungsweise als Fußgänger berücksichtigt. „Für Prien sind beim Landratsamt Rosenheim derzeit keine Anträge auf Überprüfung eines Schulweges offen.“
Radfahrerprüfung
für mehr Sicherheit
Um Unfälle zu vermeiden, seien die wirksamsten Maßnahmen diejenigen, die jeder Verkehrsteilnehmer selbst in der Hand habe. Darüber hinaus leisten die Radfahrausbildung sowie das Schulwegtraining wichtige Beiträge zur Verkehrssicherheit. Das Landratsamt empfiehlt, „den Schulweg gemeinsam mit den Eltern einzuüben und Kinder erst nach bestandener Radfahrprüfung (in der Regel ab der 4. Klasse) selbstständig mit dem Fahrrad am Straßenverkehr teilnehmen zu lassen.“ Und als Zusatz: „Vorhandene Infrastruktur wie Radwege sollten genutzt werden.“ Von denen es im Priener Zentrum keine nennenswerten gibt.