Riskante Festlegung

von Redaktion

Zum Artikel „Oberbayerische Holztage in Übersee“ (Lokalteil):

Der Artikel gibt Anlass, das Energiekonzept der Gemeinde kritisch zu hinterfragen. Die bayernweite Fachmesse zeigte das Potenzial von Holz als regionalem, nachwachsendem Rohstoff – auch zur Energiegewinnung. Regionale Wertschöpfung ist ein zentrales Leitbild des Ökomodells Achental, bei dem der Überseer Bürgermeister selbst als „Systemkoordinator für Energie“ fungiert. Umso unverständlicher ist der Ausstieg der Gemeinde aus der geplanten Hackschnitzel-Wärmeversorgung im Baugebiet Übersee-Ost. Als Begründung werden ungünstige Vertragsbedingungen genannt. Warum hat man hier nicht einfach nachverhandelt? Die grundsätzliche Festlegung auf Wärmepumpen erfolgte scheinbar ohne belastbare Langzeiterfahrungen. Denn dass diese Technik keineswegs risikofrei ist, zeigt meine eigene Erfahrung: Meine 15 Jahre alte Wärmepumpe eines namhaften Herstellers verursacht hohe Stromkosten, Wartungsfirmen existieren nicht mehr, Ersatzteile sind nicht verfügbar. Ein Komplettaustausch ist unvermeidlich und kostet trotz Förderung 25.000 bis 30.000 Euro. Hinzu kommt die dauerhafte Abhängigkeit vom Strompreis (rund 6.500 kWh Wärmestrom jährlich bei 100 Quadratmetern Wohnfläche). Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum eine Ökomodell-Gemeinde ein ganzes Baugebiet inklusive Senioreneinrichtung auf ein stark stromabhängiges System mit fraglicher Langzeitperspektive festlegt. Hackschnitzel der Überseer Waldbesitzer hätten die Chance geboten, Bau- und Gewerbegebiet, Bahnhof, das künftige Deutz-Gelände und Teile des Ortskerns verlässlich mit Wärme zu versorgen. Diese Perspektive aufzugeben ist meines Erachtens etwas kurzsichtig.

Brigitte Stahl

Übersee

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