Antrag vor Traumkulisse

von Redaktion

Wer an einen Heiratsantrag denkt, hat oft Palmen und Strand im Kopf. Eine Auswertung von Social-Media-Daten zeigt jedoch: Viele Deutsche bevorzugen eine heimische Kulisse. Der Chiemsee und der Königssee gehören laut der Analyse zu den beliebtesten Orten für die Frage aller Fragen in Deutschland.

Prien/Chiemsee/Königssee – Ein Heiratsantrag mit Weitblick ist ein schönes Sinnbild für die gemeinsame Zukunft. Am Chiemsee gibt es zahlreiche wunderschöne Plätze, die sich dafür anbieten. Das wissen die Einheimischen schon lange. „Das verstehe ich gut, dass wir da beliebt sind – wie eigentlich immer“, lacht Insel-Bürgermeister Armin Krämmer.

Ein Reiseanbieter wertete umfassend Instagram und Co. aus, um festzustellen, wo besonders häufig Heiratsanträge gemacht werden. Deutschland- und europaweit. Und siehe da: Chiemsee und Königssee sind weit vorne mit dabei, auf den Plätzen sieben und 15.

Eine Frage
mit Ausblick

Die Aussichtspunkte „Ottos Ruh“ mit Blick auf die Alpen und „Pauls Ruh“ in einer malerischen Bucht auf Herrenchiemsee sowie die „Ratzinger Höhe“ in der Gemeinde Rimsting bieten einen traumhaften Blick auf See und Alpen und damit perfekte Rückzugsorte für einen intimen Moment zu zweit. 2.696-mal wurde dieser bereits mit der Kamera festgehalten und auf Instagram geteilt, was dem Chiemsee deutschlandweit den siebten Platz sichert.

„Das habe ich nicht gewusst, dass die Ratzinger Höhe so beliebt ist“, sagt Andreas Fenzl, Bürgermeister von Rimsting, zu dessen Gemeindegebiet der Aussichtspunkt gehört. Besonders verblüfft ist er allerdings auch nicht: „Der Panoramablick über See und Berge ist da sicher ausschlaggebend.“ Und fügt selbstbewusst an: „Unsere Gegend ist halt auch schön!“

Da ist er sich mit seinem Kollegen Krämmer einig. Der findet seine Inseln auch toll und versteht Menschen, die sich in der schönen Kulisse hinreißen lassen zu Frage oder Antwort. Zu Ohren gekommen war ihm das bisher nicht, gehäufte Sichtungen von niederknienden Männern wurden Krämmer nicht zugetragen. Und die Folgen von Heiratsanträgen kommen bei ihm nicht an: Der Insel-Bürgermeister traut nur Insulaner.

Martin Bartlweber, Bürgermeister von Seeon-Seebruck, teilt die Begeisterung der Antragsteller für die Region: „Am nördlichen Chiemseeufer, ein langer Steg mit Blick über den See in die Berge, Sonnenschein und dann der Heiratsantrag – das ist etwas für die Ewigkeit.“

„Unsere Gegend
ist halt auch schön“

Den 15. Platz sichert sich der Königssee mit 1.145 Beiträgen und unterstreicht einmal mehr die Beliebtheit alpiner Naturlandschaften für den großen Moment. „Es ist halt hübsch hier“, sagt Carolin Scheiter, die Pressesprecherin des Nationalparks Berchtesgaden, erheitert. Bis zur Verwaltung des Schutzgebietes kämen allerdings keine Rückmeldungen. Eigene Erfahrung habe sie auch nicht: „Ich habe am Königssee noch keinen Antrag bekommen“, sagt Carolin Scheiter und lacht herzhaft.

Heiratsanträge haben Folgen. Auch am Chiemsee und Königssee? Natürlich lassen Tourismusregionen sich dieses Geschäft nicht entgehen. Ab April kann freitags wieder auf der Herren- oder der Fraueninsel geheiratet werden, im Hochsommer auch auf beiden Inseln. Fünf, sechs Hochzeiten sind es im Mesnerhaus oder im Augustiner-Chorherrenstift immer, sagt Krämmer. Das dreiköpfige Standesamtsteam der VG ist da gut beschäftigt.

Gleich vier Standesbeamte hat das übersichtliche Seeon-Seebruck. Bei 130 bis 150 Trauungen im Jahr haben die gut zu tun. Gefragter als der neue Trauungsraum im Rathaus ist Kloster Seeon, sagt der Bürgermeister. „Donnerstags bis samstags finden dort täglich drei bis vier Hochzeiten statt. Ein Service, den man gerne anbietet.“ Aus eigener Erfahrung sagt er: „Eine Trauung an einem nicht alltäglichen Ort ist ja auch für den, der traut, etwas Besonderes.“

Auch in Rimsting finden Trauungen nicht nur im Trauungsraum der Gemeinde statt. Zusammen mit der Chiemsee-Schifffahrt werden von Mai bis Oktober Trauungen auf der MS „Berta“, MS „Stefanie“, MS „Rudolf“ oder MS „Michael“, also Schiffshochzeiten, angeboten. Montag bis Freitag (vormittags) und einmal im Monat an einem Samstag. Allerdings nicht während der Fahrt, das ist nicht möglich. Standesamtliche Trauungen sind in Deutschland nur gültig, wenn der Ort der Trauung gewidmet ist. In diesem Fall ist es der Steg in der Schafwaschener Bucht. Dort steigt die Standesbeamtin zu und nimmt die Trauung vor. Oder der Bürgermeister. Fenzl hat das aber nur einmal gemacht – und fand es schön.

Auf der Internetseite der Gemeinde Schönau gibt es einen eigenen Reiter „Heiraten in Schönau“, den „schönsten Tag im Leben an einem der schönsten Orte in Bayern feiern“. Da sollten Verlobte allerdings schnell sein. Die ersten 100 Trauungen im Jahr sind für Auswärtige offen. Wer da nicht dabei ist, hat Pech. „Die Anfragen sind viel mehr“, sagt Daniela Grassl, selbst bei Trauungen im Einsatz.

Heirat auf
dem Schiff

Standesamtlich geheiratet wird übrigens nicht in St. Bartholomä – nicht gewidmet – und seltenst im Rathaus. Auswärtige wollen fast immer hoch hinaus, heiraten auf 1800 Metern über Meereshöhe am Jenner, mitten in der unberührten Natur des Nationalparks, oberhalb des Königssees.

Rangliste der Herzensorte

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