Rimsting/Antholz – Bernd Eisenbichler hat schon viel gesehen. Nach rund 20 Jahren im Biathlon-Team der USA sowie drei Jahren als sportlicher Leiter der deutschen Biathleten weiß er genau, welche Bedeutung die Olympischen Spiele für die Sportler haben. Nun blickt er als Geschäftsführer der Rimstinger Sportmodemarke Maloja auf die Wettkämpfe in Antholz.
Im exklusiven Interview erzählt er, was hinter der Olympia-Kollektion für die amerikanischen Athleten steckt, worauf es beim Rennanzug ankommt und was er sowohl von den deutschen Athleten als auch vom US-Team erwartet.
Die Olympischen Spiele haben begonnen, und die amerikanische Nationalmannschaft läuft bereits über die Strecken von Antholz. Wie viel hat man da als Ausrüster noch zu tun?
Eisenbichler: Unsere Arbeit ist erledigt. Das komplette Team ist ausgestattet. Was auf der Strecke passiert, liegt sozusagen nicht mehr in unserer Verantwortung. Wir können uns zurücklehnen und vor den Bildschirmen – oder live vor Ort – mitfiebern.
Trotzdem haben Sie als ehemaliger sportlicher Leiter des deutschen und amerikanischen Teams nach wie vor einen besonderen Blick auf die Spiele?
Ja, natürlich. Ich habe noch eine tiefe Verbindung, speziell zu den USA, weil ich dort 20 Jahre lang tätig war. Und da ist es schön, zu sehen, wie positiv sich die Mannschaft entwickelt hat. Natürlich mit den WM-Medaillen von Campbell Wright, aber auch alle anderen haben einen großen Schritt nach vorne gemacht. Sie waren am Anfang der Saison alle bei uns in Rimsting zur Einkleidung. Dabei haben wir schon gemerkt, was da für eine gute Stimmung herrscht und wie verbunden wir uns mittlerweile fühlen.
Dort wurde die Kollektion für die Olympischen Spiele entwickelt. Wie sieht der Prozess bis zum fertigen Rennanzug aus?
Da steckt eine Menge Arbeit dahinter. Es ist nicht nur der Rennanzug, sondern auch Trainings- oder Alltagskleidung wie Westen, Jacken und Mützen. Außerdem ist es schon so, dass im Olympiajahr die doppelte Arbeit auf uns zukommt, weil 22 Athleten und Betreuer noch mal eine zusätzliche Kollektion für die Spiele bekommen.
Zudem gibt es einen ganzen Katalog an Vorgaben, den wir für die Olympischen Spiele beachten müssen. Die Planung dafür hat daher schon im November 2024, also knapp 1,5 Jahre davor, angefangen.
Worauf kommt es bei der Bekleidung an? Gibt es für die Olympischen Spiele noch einmal eine besondere Entwicklung?
Beim Herzstück, also dem Rennanzug, geht es vor allem um zwei Dinge: Aerodynamik beim Laufen und Stabilität beim Schießen. Das heißt, dass wir zum Beispiel den Ellbogen und die Hüfte mit einem speziellen Stoff, wir nennen es Grip-Material, verstärken, damit der Athlet am Schießstand einen besseren Halt hat und nicht abrutscht. Zusätzlich wird der Anzug im Windkanal auf die Aerodynamik getestet. Grundsätzlich gibt es aber für Olympia keine besondere Anpassung mehr. Für Olympia legen wir den Fokus auf ein Design, bei dem wir wissen, dass es funktioniert und der Athlet sich wohlfühlt. Das wäre der falsche Zeitpunkt für Experimente.
Wenn die Olympia-Kollektion schon so lange fertig ist, woran wird in Rimsting aktuell gearbeitet?
Wir arbeiten bereits an der Ausstattung für die Saison 2026/27 – und damit sind wir fast fertig. Als Ausrüster musst du immer ein Jahr voraus sein. Bis dahin gibt es regelmäßigen Austausch mit dem General Manager des US-Teams oder auch den Athleten selbst.
Als ehemaliger Sportchef von Deutschland und den USA – wem drücken Sie mehr die Daumen?
Natürlich beiden, und ich traue beiden auch noch einiges zu. Ich bin in der ersten Woche vier Tage selbst vor Ort. Außerdem werden wir in Rimsting eine Art Olympia-Lounge einrichten, die amerikanisch dekoriert wird. Dort werden wir einige Rennen gemeinsam verfolgen und unseren Athleten – egal welcher Nation – die Daumen drücken.
Korbinian Sautter