Hans-Jürgen Grabmüller wird Ehrenvorsitzender

von Redaktion

Führungsfigur des „Heimat- und Geschichtsvereins Achental“ verabschiedet sich nach 15 Jahren

Unterwössen – Kräftiger Beifall brandete auf, als die neue Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins Achental, Annemarie Kneissl-Metz, von der Bühne stieg und ihrem Vorgänger die Urkunde zum Ehrenvorsitzenden überreichte. Das war der Höhepunkt im Festakt zur Verabschiedung von Dr. Hans-Jürgen Grabmüller, der nach 15 Jahren den Vorsitz abgegeben hat. Bürgermeister aus dem gesamten Achental, Vereinsmitglieder und Wegbegleiter wie der Kreisheimatpfleger des Landkreises Traunstein, Dr. Christian Soika, spendeten anhaltenden Applaus. Der Festakt war weniger ein Abschied als eine Bilanz.

Breit aufgestelltes
Programm

Immer wieder brachten Redner das Programm der vergangenen eineinhalb Jahrzehnte zur Sprache: 82 Vorträge, 47 Exkursionen, zwölf Ausstellungen, dazu Musikveranstaltungen, Lesungen und Sommerfeste.

Hinter den Zahlen steht eine Entwicklung. Unter Grabmüllers Leitung verlegte der Verein seine Aktivitäten stärker in die Öffentlichkeit, zog ins Alte Bad ein und schuf Projekte, die heute fest mit der regionalen Geschichtsarbeit verbunden sind: die einzigartige Datenbank mit derzeit rund 350 gelisteten Almen, Ausstellungen zur Almenforschung und archäologische Präsentationen aus dem Achental. Noch vor wenigen Jahren galt die Region unter Fachleuten als kaum erforscht. Inzwischen liegen hunderte Funde vor, die systematisch dokumentiert wurden. Doch Grabmüller verzichtete in seinem Rückblick auf große Worte. Der Verein müsse sich verjüngen, sagte er kritisch. Schulen stärker einzubinden und neue Wege der Öffentlichkeitsarbeit zu gehen, sei eine der wichtigen Aufgaben der Zukunft. „Hier haben wir eindeutig zu wenig getan“, stellte er fest.

Der zentrale Punkt des Abends war die Laudatio. „Wir haben den Gustl Lex gewonnen“, wandte sich Kneissl-Metz an Grabmüller, „das ist ein Geschenk des Heimat- und Geschichtsvereins für dich.“ Gustl Lex, Grabenstätter Mundartautor, bekannt für lebendige Chiemgauer Vorträge und heimatkundliche Erzählabende, sprach als Heimatpfleger, Wegbegleiter und Freund.

In Bairisch begann er mit einem Streifzug durch die Weltgeschichte, nannte die Kaiserkrönung Karls des Großen, das Reinheitsgebot und den Prager Fenstersturz – und landete schließlich im Achental: Am 8. Juni 959, erinnerte Lex, habe König Otto I. den Chiemgau beziehungsweise die Grafschaft Grabenstätt dem Erzbistum Salzburg geschenkt. Bei den Grabenstätter Jubiläumsfeiern 1050 Jahre später habe er Uta und Hans-Jürgen Grabmüller kennengelernt. Geschichte verbinde Menschen, sagte Lex und erzählte vom „aufgweckten Bua“ aus Grassau. Schon als Schüler habe Grabmüller gern in der Buchhandlung gestöbert, erinnerte Lex schmunzelnd, „Mangels Kapital mehr a Sehmann als a Kaufmann“.

Lex wusste vom Studium der Geschichte, von Jahren in Berlin und vom Mauerfall, den die Familie dort miterlebte. Er schilderte Umzüge, wissenschaftliche Arbeit und Grabmüllers Fähigkeit, selbst Hand anzulegen, wenn etwas gebaut oder organisiert werden musste.

Besonders lebendig schilderte Lex den langen Weg zur Finanzierung der Almendatenbank. Förderanträge, Vorschriften und Rückschläge hätten das Projekt beinahe scheitern lassen. Zwei Jahre lang habe sich Grabmüller durch den „von Beamtenintelligenz aufgebauten Paragrafendschungel“ gearbeitet, bis schließlich die Förderung kam. Erst danach konnte die Datenbank freigeschaltet werden, die heute bereits 350 Almen erfasst.

Ein Appell
als Schlusswort

In seinen Schlussworten zeigte sich Grabmüller bewegt. Ein solcher Abend stelle naturgemäß das Positive in den Mittelpunkt, sagte er, doch wichtig sei ihm, seiner Nachfolgerin auch Hinweise mitzugeben. Heimatgeschichte dürfe nicht stehen bleiben. Jede Generation müsse neu fragen und neu interpretieren.lfl

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