Mehr Mobilität im ländlichen Raum

von Redaktion

Der Rufbus „Traudl“ startet am 1. Juni in vier Gemeinden und ergänzt den ÖPNV. Mit 215 Haltestellen und Buchung per App soll das flexible Angebot die Mobilität im ländlichen Raum verbessern und Lücken im bestehenden Netz schließen.

Grabenstätt – Der geplante Rufbus Traudl soll ab Montag, 1. Juni, in den Gemeinden Grabenstätt, Chieming, Übersee und Grassau insgesamt 215 Haltestellen anfahren. Damit wird das bestehende Angebot des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) sinnvoll ergänzt. Neben 63 bestehenden ÖPNV-Haltestellen wird es 152 explizit für Traudl eingerichtete Haltepunkte geben. Letztere ermöglichen die Erschließung von Ortsteilen, die zuvor gar keinen Zugang zum ÖPNV hatten.

Start, Ziel und Zeitpunkt seiner Fahrt bestimmt der Kunde selbst per App, ohne an einen Fahrplan gebunden zu sein. Im Einsatz ist der Rufbus von Montag bis Sonntag von 6 bis 22 Uhr. Bezahlt werden kann bar im Bus oder auch direkt in der App.

Lückenschluss zwischen
Linienbus und Auto

Auf Einladung des Grabenstätter Bürgermeisters Gerhard Wirnshofer kamen seine Amtskollegen Stefan Reichelt (Chieming), Herbert Strauch (Übersee) und Stefan Kattari (Grassau) sowie der Traunsteiner Landrat Andreas Danzer unlängst im Sitzungssaal des gemeindlichen Rathauses zusammen. Ziel war es, das ambitionierte Rufbus-Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen und kräftig die Werbetrommel zu rühren. Mit dabei waren auch der Sachgebietsleiter Mobilität im Landratsamt Traunstein, Sebastian Schallinger, der stellvertretende Sachgebietsleiter Mobilität und Projektleiter für die Nahverkehrsplanung, Marko Just, sowie die beiden Geschäftsführer der Betreiberfirma omobi GmbH, Clemens Deyerling und Robert Schotten.

Die Mobilität im ländlichen Raum funktioniere dann am besten, wenn Landkreis und Gemeinden an einem Strang zögen, betonte Landrat Danzer. Mit dem Rufbus-Projekt Traudl schaffe man zusammen ein modernes und flexibles Mobilitätsangebot – bequem, digital und bedarfsgerecht. Der Rufbus fahre nämlich genau dann, wenn die Menschen ihn bräuchten. „Traudl schließt die Lücke zwischen Linienbus und eigenem Auto und macht Mobilität im ländlichen Raum so flexibel wie das Leben selbst“, so Danzer. Ihm zufolge sei das Rufbus-Projekt ein weiterer Baustein, um den Nahverkehr im Landkreis zukunftsfähig zu machen, alltagstauglich und nah an den Bedürfnissen der Bürger.

„Für uns als Flächengemeinde mit unseren 41 Ortsteilen ist der Rufbus Traudl eine ganz wichtige Ergänzung zum bestehenden ÖPNV“, betonte der Grabenstätter Bürgermeister Gerhard Wirnshofer. Man sei gespannt, wie das Ganze im Juni anlaufen werde. Wirnshofer bedankte sich bei seinen drei Amtskollegen aus Übersee, Grassau und Chieming, die mit ihren Gemeinderäten und Verwaltungen tatkräftig mitgeholfen hätten, das Projekt gemeinsam mit dem Landkreis und dem Mobilitätsunternehmen omobi GmbH auf den Weg zu bringen.

Die Geschäftsführer Clemens Deyerling und Robert Schotten verwiesen auf den vor gut zwei Jahren erfolgreich in Betrieb gegangenen Rufbus Rupi, der die Bürger im Rupertiwinkel rund um den Waginger See auf Abruf flexibel und individuell von A nach B bringt. Neben dem Rupi betreut ihr Unternehmen in der Region auch den Nachtexpress Traunstein. Nun soll mit der Traudl ein drittes Mobilitätsangebot hinzukommen. „Die Arbeit macht wahnsinnig Spaß und wir freuen uns schon auf die Traudl“, so Deyerling und Schotten.

Sie betreiben mit ihrer Firma bereits in Murnau, Holzkirchen und Pfaffenhofen an der Ilm ähnliche On-Demand-Mobilitätsprojekte. „Wir müssen jetzt richtig Werbung für die Traudl machen, damit das gut anläuft und dann auch noch weitere Kommunen mitaufspringen“, appellierte der Überseer Bürgermeister Herbert Strauch. Seine Hoffnung ist es, dass sich die Traudl als wichtiger Zubringer zum Überseer Bahnhof entwickelt. Die ganze Region könnte davon profitieren, so Strauch.

„Von ursprünglich zwölf interessierten Gemeinden sind zunächst sechs und dann am Ende wir vier Kommunen übriggeblieben, doch das macht nichts“, betonte der Chieminger Bürgermeister Stefan Reichelt. Er zeigte sich davon überzeugt, dass man das Ganze gemeinsam zu einer Erfolgsgeschichte machen werde. Laut Grassaus Bürgermeister Stefan Kattari erreiche man mit dem Rufbus Traudl die lang ersehnte „Fensterschließung“ in den vier Gemeinden und sorge auch für gute Anbindungen nach Salzburg und Rosenheim.

Grabenstätts Bürgermeister Wirnshofer hoffte, dass mit der Traudl in absehbarer Zeit auch die Anbindung Richtung Traunstein verbessert werde, da dies für die Bürger sehr wichtig sei. „Wir werden alles dafür tun, dass der Start funktioniert“, versicherte der Sachgebietsleiter Mobilität im Landratsamt Traunstein, Sebastian Schallinger. Er verwies auf den Rupi, bei dem dies 2023 hervorragend gelungen sei. Der Zuspruch sei dort bis heute ungebrochen. 80 bis 90 Prozent der Buchungen erfolgten dort über die App, aber Kunden könnten – wie dann auch bei der Traudl – alternativ telefonisch buchen, so Schallinger.

Sein Stellvertreter im Sachgebiet Mobilität, Marko Just, sprach auch von einer „perfekten Ergänzung“ zum Express für Nachtschwärmer, denn „wenn die Traudl abends aufhört zu fahren, beginnt der Nachtexpress mit seiner Arbeit“.

Finanzierung gesichert:
505.000 Euro jährlich

Der Kreisausschuss hatte im vergangenen Dezember beschlossen, den Zuschlag an die omobi GmbH zu erteilen. Das Unternehmen hatte im Vergabeverfahren das wirtschaftlichste Angebot vorgelegt – mit jährlichen Kosten von rund 505.000 Euro und einer Vertragslaufzeit von vier Jahren, mit der Option auf Verlängerung. Der Landkreis und die Gemeinden finanzieren das Rufbus-Projekt gemeinsam. Allein der Landkreis beteiligt sich mit jährlich 64.000 Euro.

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