Kahlschlag am Mühlbach

von Redaktion

Experte erklärt die Gründe für die umfangreichen Fällungen in Prien

Prien – Meter hoch türmt sich der Schlagabraum, fein säuberlich sind die Baumstämme fürs Sägewerk aufgereiht, dazu weitere Stapel von Bäumen für Pressspanverwendung und Brennholz – insgesamt 100 bis 150 Festmeter. Zu sehen sind die Ergebnisse der Baumfällarbeiten am Mühlbach an der angrenzenden Wiese beim Parkplatz Beilhack. Für die Fällarbeiten zuständig war Tobias Hegemann von der Waldbesitzervereinigung Rosenheim. Bei einer Besichtigung vor Ort erklärt er, warum die Bäume gefällt wurden. Hauptgrund war die Aufrechterhaltung der Verkehrssicherung.

Sicherheit
hat Vorrang

Auf typischen Waldwegen liegt die Haftung bei den Leuten, die sich im Wald bewegen, da es sich um eine waldtypische Gefahr handelt. Bei dem als Waldstück ausgewiesenen Gebiet am Mühlbach sei es ein spezieller Fall, da die Wege oberhalb und unterhalb des Waldstücks am Hang offiziell ausgewiesene Wanderwege sind. „Dementsprechend ist der Waldbesitzer haftbar für Schäden an Leib, Leben und Sachen“, erklärt Hegemann. Er merkt an, dass schon 2017 umfangreiche Fällungen in dem Gebiet vorgenommen wurden, damals sogar noch mehr Bäume entnommen wurden. Ein gewichtiges Problem sei auch hier das Eschentriebsterben. Schwache Bäume seien außerdem anfällig für den Hallimasch-Pilz, der das Wurzelwerk angreift. Dadurch können Schäden an betroffenen Bäumen schwer zu erkennen sein. Ein weiteres Gefahrenpotenzial ist das Gewicht der Bäume, „das dann zum Aushebeln führt und der Hang dadurch destabilisiert ist“, erläutert der Diplom-Forstingenieur, dem auch wichtig ist, dass es sich um keinen Kahlschlag handle, wie es in der Chiemgau-Zeitung zu lesen war. Alle drei Gefahren sorgen für erhöhtes Umsturzpotenzial der Bäume am Hang. Eine Esche stürzte bereits auf den Geräteschuppen des Fischervereins. Eine über hundertjährige Buche lag seit Ende 2025 über Weg und Bach.

Kontaktiert wurde Hegemann von den Waldbesitzern, insgesamt drei an der Zahl, um die Maßnahmen vorzunehmen. Von der ersten Besichtigung bis zum Verkauf ist Hegemann eingebunden. Dazu zählt auch die Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde beim Landratsamt Rosenheim. Dabei meldet diese, dass die Waldbesitzer sich die Fällungen „nicht im Rahmen der Landschaftsschutzgebiets-Verordnung“ genehmigen lassen mussten – ordnungsgemäße Forstwirtschaft sei generell nicht verboten.

Auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung teilt das Landratsamt noch mit: „Da der Gehölzbestand im Priener Eichental in Teilen biokartiert ist, gelten besondere Regelungen. Konkret ist in biotopkartierten Bereichen eine Einzelstammentnahme zwar erlaubt, jedoch ist darauf zu achten, dass die ökologische Funktion des Biotops erhalten bleibt. Deshalb dürfen zum Beispiel nicht alle oder ein Großteil der alten Bäume entfernt werden. Dies würde sich negativ auf den gestuften Aufbau des Waldes und die darin lebenden Arten auswirken.“

Darauf sei die Waldbesitzervereinigung von der Unteren Naturschutzbehörde im Vorfeld der Maßnahme noch einmal hingewiesen worden. Hegemann betont bei der gemeinsamen Besichtigung immer wieder, dass der Wald sich auch hier im Gebiet von selbst verjüngt und nachwächst. Schon jetzt seien zahlreiche Jungbäume zu sehen: Wenige Fichten, Tannen, ein paar Eiben, dazu Laubbäume wie Buchen, Eschen, Ahorn und wenige Ulmen würden schon in diesem Sommer wieder austreiben. „Dann sieht das alles hier schon wieder anders aus“, ist sich der Förster sicher.

Dass bei den Fällungen immer wieder Kollateralschäden zu vermelden sind, sei leider nicht immer zu vermeiden. So musste bei den jetzigen Arbeiten auch ungeplant ein Baum gefällt werden, damit die Arbeiter einen einsturzgefährdeten Baum entnehmen konnten. Gezielt in die Wiederaufforstung müsse nicht eingegriffen werden, das übernehme die Natur von selbst. Einem Eschentriebsterben wird nicht zuvorgekommen, indem jungen Eschen gezielt am Wachstum gehindert werden. „Man hofft, dass sich irgendwann resistente Eschen herausbilden, auch wenn das bisher kaum der Fall ist. Dementsprechend lässt man jetzt einfach mal wachsen“, so der Experte. Wahrscheinlich sei aber, dass sich andere Baumarten durchsetzen.

Der Gemeinde Prien gehört nur das erste Waldstück am Mühlbach bis zur Brücke. Die Gemeinde Prien wurde über die Fällungen informiert, der Bauhof sperrte die Wege für die Zeit der Arbeiten. Bürgermeister Andreas Friedrich erfuhr erst im Nachhinein von der Maßnahme. Ein Teil des Waldstücks ist als Biotop ausgewiesen, hier fanden keine Arbeiten statt.

Schlagabraum wird zu
Hackschnitzeln verarbeitet

Auch zu den Kosten des Einsatzes nimmt Hegemann Stellung: Im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich liege der gesamte Einsatz, durch die Holzverkäufe würden nur 20 bis 30 Prozent wieder eingenommen. Ein wirtschaftlich rentabler Betrieb dieser Waldflächen sei nicht möglich. Nur wenige Bäume konnten an die Sägewerke verkauft werden, die lukrativste Weiterverarbeitung der teils hunderte Jahre alten Bäume. Der große Haufen an Schlagabraum wird zu Hackschnitzeln verarbeitet, die geringste Wertschöpfung im Holzverkauf.

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