Seeon-Seebruck – Heftige Wortgefechte blieben in der Seebrucker Bürgerversammlung beim „Hafenwirt“ aus. Die Anliegen der Bürger hielten sich nach zwei Stunden Information über das Gemeindegeschehen durch die Verwaltung in Grenzen. Die Wortmeldungen konzentrierten sich auf Angelegenheiten im rund 500 Einwohner zählenden Ort Fembach, auf die geplante Strandbadsanierung sowie auf einen festen Wohnmobil-Stellplatz und das See-Chalet in der Haushoferstraße.
Straße ist „ein
einziges Schlagloch“
Ernst Kreisel aus Fembach kritisierte, dass sich die Straße zwischen Stetten und Fembach in einem äußerst desolaten Zustand befinde. Und das schon seit Jahren. Die Straße sei „ein einziges Schlagloch“ und stelle auch eine Gefahrenquelle dar. Georg Oberloher ging noch einen Schritt weiter und meinte, die Straße gleiche einem Feldweg und falle allmählich auseinander. Er habe den Eindruck, dass man bei der Gemeinde trommeln müsse, um hierzu Gehör zu bekommen. Nach Angaben von Bürgermeister Martin Bartlweber (FW) sei die Straße im Sanierungskonzept der Gemeinde aufgenommen. Er könne aber nicht konkret sagen, wann genau die Maßnahme umgesetzt werde.
Ernst Kreisel kritisierte auch die Hinterlassenschaften von Pferden im Dorf und forderte, dass der große Schulbus auch in Fembach hält, zumal hierzu in den 1990er-Jahren eine Vereinbarung getroffen worden sei. Aktuell gehe es um ein Kind. Ab September 2026 werden es zwei Schulkinder sein.
Ortsheimatpfleger Hans Fenzl forderte im Zuge der geplanten Strandbadsanierung, keine Parkplätze aufzulassen. Die insgesamt rund 400 Parkplätze auf der Seebrucker Hafeninsel müssten unbedingt erhalten bleiben, sagte Fenzl. Laut seinen Informationen sollen wegen der Verlegung des Spielplatzes rund 100 Parkplätze aufgelöst werden. Es sollte kein Problem sein, den Spielplatz woanders unterzubringen, findet Fenzl. Die Planung wurde aber zwischenzeitlich geändert und laut Bartlweber werden keine Parkplätze verloren gehen.
Der Ortsheimatpfleger hadert auch mit der Optik der geplanten Fünf-Sterne-Ferienwohnungen in der Haushoferstraße in Seebruck. Insbesondere störe ihn dabei das Flachdach des Querbaus zur Traunsteiner Straße (Staatsstraße im Ortsteil Graben) hin. „Der Querbau mit Flachdach passt aus städtebaulicher Sicht überhaupt nicht an den Ortseingang“, kritisiert Fenzl.
Stellplatz
für Wohnmobile
Einen separaten Stellplatz für Wohnmobile mit festen Toilettenanlagen zu schaffen, wie von Anja Schmid vorgeschlagen, sei für die Kommune ein schwieriges Thema, sagte Bartlweber. Hier gebe es viele offene Fragen zu beantworten. Er werde das Thema aber aufnehmen und mit dem Gemeinderat darüber beraten, wie man so etwas ansetzen könnte.
Bevor den Bürgern in der ersten von drei Bürgerversammlungen das Wort erteilt wurde, informierten der Bürgermeister und die Abteilungsleiter der Verwaltung ausführlich über die wichtigsten Projekte und Entwicklungen des vergangenen Jahres. Speziell für Seebruck ging Bartlweber auf die Infrastruktur und den Verkehr in dem Ortsteil ein. Nachdem nach einer aufwendigen Sanierung der Alzbrücke Seebruck eine große Ortsumfahrung auf Eis gelegt worden sei, habe sich die Gemeinde an die Regierung von Oberbayern gewandt, um die Infrastruktur und Aufenthaltsqualität von Seebruck zu verbessern. Die Bitte sei bei der Landesregierung auch gehört worden und aktuell laufe eine sogenannte Machbarkeitsstudie, die Aufschluss darüber geben soll, wie die innerörtliche Verkehrsstrecke zwischen Arlaching und dem westlichen Ortsausgang verbessert werden könnte. Laut Bartlweber soll die Studie im Mai 2026 fertiggestellt und vorgestellt werden. Ziel sei es, dass die Planung und Umsetzung vom Staatlichen Bauamt übernommen werde. Angesichts der zahlreichen „Baustellen“, wie Übergänge, Reimerkurve, Uferpromenade, werde die Gemeinde diese Maßnahme länger beschäftigen, sagte der Bürgermeister.
Zum Dauerbrenner Malerwinkel teilte Bauamtsleiter Josef Heiß mit, dass im Zuge des seit 2022 laufenden Verfahrens eine Flut an Daten berücksichtigt werden musste. Die aktuelle Planung liege noch bis zum 19. März öffentlich aus. Ein Satzungsbeschluss soll in den Gemeinderatssitzungen am Montag, 13. April, oder am Samstag, 20. April, gefasst werden.
Dauerthema
Malerwinkel
Bei all den Emotionen, die beim Thema des Neubaus Malerwinkel hochkochen, wolle die Gemeinde als Genehmigungsbehörde nicht etwas zerstören, sondern auf den neuesten Stand der Tatsachen bringen. Etwas herstellen, das marktfähig ist. Er sei froh, dass der Investor die Bedürfnisse der Gemeinde sehr wohl berücksichtige. Als Beispiel nannte er das Zugeständnis, dass der Radweg, der am „Malerwinkel“ vorbeiführt, auch erhalten bleibt.
Das nächste Hochbauprojekt in Seebruck ist die Neugestaltung des Strandbadgebäudes und der Außenanlagen. Was das Gebäude betrifft, werden aktuell drei Varianten geprüft: Eine Sanierung mit Kiosk, ein Anbau oder ein kleinerer Neubau. Neben einem neuen Spielplatz, der so situiert werden soll, dass man ein Auge auf die Kinder haben kann, soll unter anderem die Steganlage erneuert und erweitert werden. Der Blick zum Chiemsee von der großen Liegewiese aus, soll und müsse unbedingt erhalten bleiben.
Wetter erschwert
Baumaßnahmen
Wetterkapriolen machten der Sanierung des Hafenwirt-Daches einen Strich durch die Rechnung. Es sei nicht leicht, bei Hitze, Regen und Wind und dazu bei einem laufenden Betrieb ein 900 Quadratmeter großes Dach zu erneuern, sagte Heiß. Die Arbeiter hätten unter menschenunwürdigen Verhältnissen gearbeitet. Auch hätten sich während der Arbeiten technische Mängel und Verzögerungen aufgetan und das Projekt in die Länge gezogen. Die Kosten des neuen Aluminiumdaches mit integrierter PV-Anlage liegen bei 780.000 Euro.