Grabenstätt – Eine Bildtafel mit vier Kupferstichen von Michael Wening (1645 bis 1718) hat einen neuen Platz im Grabenstätter Rathaus gefunden. Abgebildet sind die Schlösser Grabenstätt, Marwang, Chieming und Inzell, wie sie Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts ausgesehen haben. Heute sind die einstigen Prachtbauten verschwunden oder, wie im Fall Grabenstätt, in anderem Stil wieder aufgebaut worden. Jedes der vier Schlösser hat eine ganz besondere Geschichte.
Spenderin der Bildtafel ist Helga Keppner aus Seebruck. Jahrzehnte hing das dekorative Ensemble von Kupferstichen in ihrem Haus. Die Besitzerin hegte den Wunsch, die Stiche der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Daher bot sich das Grabenstätter Schloss als neuer Ort für die vier Stiche an. Schließlich ist dort nicht nur der Vorgängerbau des heutigen Grabenstätter Rathauses abgebildet, sondern auch das längst aufgelassene Schloss Marwang, das ebenfalls im heutigen Gemeindebereich Grabenstätt stand.
Das Adelsgeschlecht in Marwang wird erstmals im Jahr 1380 urkundlich erwähnt. Den damaligen Edelsitz erwarb im Jahr 1625 Ladislaus von Toerring zu Stein. Im 18. Jahrhundert, immer noch in Toerringer Besitz, verfiel das Schloss und wurde schließlich im Jahr 1780 abgebrochen. Heute erinnert nur noch ein Wallgraben an das einstige Schloss, der auch im Bayernatlas der Bodendenkmäler verzeichnet ist.
Noch älter als Marwang dürfte das ursprüngliche Schloss Grabenstätt sein. Es wurde im Jahr 1834 durch ein großes Feuer zerstört. Major von Mayerhofen restaurierte den Schlossbau und ließ dort eine Brauerei errichten. Er tauschte das Grabenstätter Anwesen gegen den Post- und Gastwirtschaftsbetrieb in Teisendorf an den Teisendorfer Posthalter und Gastwirt Philipp Fürst. Drei Jahre nach einem zweiten großen Brand im Jahr 1862 gelangte Baron Ludwig von Finster in den Besitz des Anwesens. Nachfolgende Besitzer des Schlosses und der Brauerei waren die Grafen von Lowenstein-Scharffeneck und die Familie Meyer aus Wasserburg. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Niedergang der Brauerei kam es zu Besitzerwechseln, bis Clemens Freiherr von Wrede das Anwesen 1924 erwarb. Im Jahr 1982 schließlich kaufte die Gemeinde Grabenstätt das Schloss von der Familie von Wrede. Es wurde zu einem Rathaus mit Haus des Gastes umgebaut und im Jahr 1995 bezogen.
Ebenso wie Schloss Marwang ist auch das Inzeller Schloss verschwunden und nur noch als Bodendenkmal eingetragen. Das Schloss Neuenchieming, direkt am See gelegen, war im 17. und 18. Jahrhundert im Besitz des Klosters Baumburg. Von 1842 bis 1965 wurde es als Pfarrhof genutzt und ist seither in Privatbesitz.
Klaus Oberkandler