Grabenstätt – Der Traunsteiner Georgiritt, eine der traditionsreichsten, größten und prächtigsten Pferdewallfahrten Bayerns, ist zusammen mit dem Schwerttanz seit zehn Jahren immaterielles Kulturerbe der Unecso. Für viele Bürger ist er der schönste Festtag im Chiemgau. Auch heuer wird die Pferdewallfahrt am Ostermontag vom St. Georgs-Verein Traunstein sowie den Mitveranstaltern Stadt Traunstein und Pfarrei St. Oswald ausgerichtet. Im Vorfeld fand das erste von insgesamt 13 Rittbitten traditionell in Erlstätt statt. Zahlreiche Mitglieder des St.-Georgs-Vereins, Erlstätter Rosserer und Bürger hatten sich dazu im Saal des Gasthofs Fliegl eingefunden, um miteinander gesellige Stunden zu verleben und sich auf den Ostermontag einzustimmen.
Voller Vorfreude bat der Vorsitzende des St.-Georgs-Vereins, Simon Schreiber, die Erlstätter Rosserer um zahlreiche Teilnahme: „Kemmt’s auf Ostern, seid’s so guad, zu unserem Ritt mit Stolz und Muat. (…). Hoi ma uns z’Ettendorf den Seng für Ross und Reiter, dann geht des Jahr mim Herrggott weiter!“ Die erfreuliche Antwort der Sprecherin der Erlstätter Rosserer, Christine Schreiber, folgte sogleich: „Wir reiten wieder gerne mit, möglichst zahlreich und ganz traditionell sauber zamgerichtet. Es ist für uns immer eine große Ehre.“ Wie viele Rösser es genau sein werden, konnte sie aber noch nicht sagen.
Wie der St.-Georgs-Vereinschef Simon Schreiber erinnerte, seien es im vergangenen Jahr bei Bilderbuchwetter 385 Rösser gewesen, davon 47 Reitpferde und zwei Einspannpferde von den Erlstätter Rosserern. Die alte Gemeinde Erlstätt sei damit die zweitstärkste Landgemeinde gewesen. Erstmals sei die Gemeinde Grabenstätt auch mit einer Ehrenkutsche mit dabei gewesen, und für den Georgiverein sei es eine große Freude und Ehre, dass dies auch heuer der Fall sein werde, so Schreiber. Ihm zufolge wolle auch Kardinal Reinhard Marx heuer in einer Kutsche mitfahren, nachdem er im vergangenen Jahr leider absagen habe müssen. Ob die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber teilnehmen könne, sei noch unklar. Der Ritt werde auf jeden Fall wieder „ein wunderbares Ereignis und Zeugnis des Glaubens sein“, betonte Schreiber und erinnerte daran, dass man heuer auch noch 100 Jahre Schwerttanz feiere. Dieser sei nämlich 1926 wiederaufgelegt worden.
Als Vertreter der Stadt Traunstein bedauerte es Ernst Haider, dass das Starkbierfest terminlich immer mit dem ersten Rittbitten zusammenfalle. Umso mehr freute es ihn, dass auch weitere Stadträte den Weg nach Erlstätt gefunden hatten. Ein großes Lob sprach Haider der Vorstandschaft des St.-Georgs-Vereins aus, der „über das ganze Jahr hinweg sehr aktiv ist“ und wünschte allen Beteiligten einen „schönen, unfallfreien Ritt und gutes Wetter“.
Auf die rund 125-jährige Geschichte des Erlstätter Rittbittens hatte eingangs der Grabenstätter Bürgermeister Gerhard Wirnshofer zurückgeblickt, indem er zwei Zeitungsberichte aus den Jahren 1913 und 1914 verlas. Sehr gerne stelle die Gemeinde wie bei der Premiere im vergangenen Jahr wieder eine Ehrenkutsche, so Wirnshofer. Simon Schreiber überreichte ihm als Dankeschön eine Collage mit historischen Fotos von Erlstätt und Umgebung. Zudem verriet er, dass man noch die historische Standarte der alten Gemeinde Erlstätt im Depot habe. Gemeinsam mit der Gemeindereferentin der Stadtkirche Traunstein, Monika Angerer, betete man abschließend noch das Friedensgebet des Europaklosters Gut Aich. Die Musikkapelle Grabenstätt umrahmte das Rittbitten gekonnt mit zünftiger Blasmusik. mmü