Bernau – Schon im Oktober 2023 hatte der Gemeinderat einen flächendeckenden Glasfaserausbau beschlossen. Dafür wollte die Kommune auch ein Bundesförderprogramm nutzen. Die Telekom hatte diesen Kurs mittragen wollen: Der Konzern gab eine Verpflichtungserklärung ab, den gesamten Kernort eigenwirtschaftlich zu erschließen.
Verärgerte
Bürgermeisterin
Doch aus dem groß angekündigten Projekt wurde kurz vor Weihnachten 2023 zunächst nur ein Minimalprogramm: Statt des gesamten Kernorts mit 3.200 Anschlüssen sollten plötzlich nur einige wenige Neubau-Adresspunkte einen Glasfaseranschluss erhalten. Was Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber gut zwei Jahre später immer noch ärgert. Denn das Gewerbegebiet „Am Anger“ muss, so die Bürgermeisterin, dringend angeschlossen werden. „Die Firmen dort behelfen sich mit irgendwelchen – zum Teil technisch fragwürdigen – Provisorien.“
Im Juni 2024 hieß es dann seitens der Telekom, sie habe vor, lediglich 24 Gebäude plus zehn Neubau-Adresspunkte eigenwirtschaftlich – also ohne Förderung – auszubauen. Als Begründung nannte das Unternehmen, dass sich „in der Vergangenheit noch rentable Adressen zur Zeit nicht eigenwirtschaftlich erschließen lassen“.
Für die Gemeindeverwaltung war das ein klarer Wortbruch. Also wurde die Telekom schriftlich zu einer Stellungnahme aufgefordert – ausdrücklich unter Hinweis auf mögliche rechtliche Schritte. In der Antwort teilte die Telekom laut Angaben der Gemeinde mit, man sehe von einer formellen schriftlichen Stellungnahme ab, „da diese einen stark juristischen Charakter annehmen würde“. Stattdessen wolle das Unternehmen gemeinsam mit der Gemeinde Bernau eine konstruktive Lösung für den Glasfaserausbau erarbeiten, „sodass 3200 Haushalte und Unternehmensstandorte davon profitieren“. Anfang Februar 2025 kam es zu einem weiteren Treffen zwischen Vertretern der Telekom und der Gemeinde. Dabei ging es nach Angaben der Gemeinde um den eigenwirtschaftlichen Ausbau eines „erheblichen Teils“ des Kernortes Bernau. Der kommt nun tatsächlich, „fast so, wie 2023 schon vorgesehen“, so Irene Biebl-Daiber. Die Telekom stellte in Aussicht, dass der Spatenstich im Herbst erfolgen könnte. Nun wird es laut Bürgermeisterin wohl Frühjahr. Der Ausbau könnte bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Offen bleibt noch, wie die Gebiete außerhalb dieses eigenwirtschaftlichen Ausbaus versorgt werden. Betroffen sind insbesondere Weisham, Hittenkirchen und Hötzing. Irene Biebl-Daiber versichert, dass die Gemeinde dran ist, dass der Ausbau dieser Ortsteile über das sogenannte Lückenschlussprogramm gefördert wird. Die Förderquote liegt je nach Finanzkraft der Kommune zwischen 80 und 90 Prozent der Deckungslücke, maximal jedoch bei einer Million Euro. Wie lange eine Zusage noch auf sich warten lässt, ist allerdings laut Bürgermeisterin – die Dank größerer Neubauten in ihrer Nachbarschaft privat schon die Vorteile von Glasfaserkabeln genießt – völlig offen.
Lange bevor es so weit ist, meldet sich jetzt ein Telekom-Konkurrent zu Wort. 1&1 bietet ab dem 26. Februar Highspeed-Internet an. Das ist möglich, da potenzielle Nutzer des Glasfasernetzes in der Regel nicht an den Netzbetreiber – hier die Telekom – gebunden sind. Andere Anbieter nutzen das Netz mit. Wenn die Netze eigenwirtschaftlich (ohne Förderung) verlegt wurden, muss der Betreiber das nicht zulassen. Tut es aber.
Mitbewerber macht
eigenes Angebot
In den nächsten Tagen werden die Betroffenen entlang des Telekomnetzes von der Gemeinde angeschrieben, so Irene Biebl-Daiber. Die auch darauf hinweist, dass man kein Telekomkunde sein muss, um Glasfaserkabel bis ins Zuhause zu bekommen. Anschlüsse von der Straße ins Haus oder die Wohnung übernehmen in der Regel die jeweiligen Anbieter. Auch für Mietobjekte. Falls nötig, so verspricht es 1&1, übernehmen sie auch das Gespräch mit dem Vermieter.