Prien – Rot-weißes Absperrband flatterte am vergangenen Montagnachmittag vor der Polizeiinpektion in Prien, dazu sicherten Polizisten den Bereich ab. Keinesfalls alltäglich, auch einige Leser wandten sich an die Redaktion der Chiemgau-Zeitung. Jürgen Thalmeier, Leiter der Polizeiinspektion Prien, hatte am Telefon auf fast alle Fragen eine Antwort. „Fakt ist, dass auf dem Gehweg vor der Dienststelle ein herrenloser Koffer stand“, sagt der Erste Hauptkommissar. Da auf einer Polizeidienststelle mit solch einer Situation sensibel umgegangen werde, wurde der Bereich vorsichtshalber abgesperrt und ein Polizeihund angefordert. Der Hund kam zügig aus der Polizeihundestaffel in Bad Aibling.
Während die Beamten auf den Vierbeiner warteten, wurden weitere Optionen geprüft. In unmittelbarer Nachbarschaft an die Wache befindet sich der Medical Park. Ein großer Koffer, eine Rehaeinrichtung um die Ecke, der Verdacht lag nahe, dass „möglicherweise ein Patient den Koffer – aus welchen Gründen auch immer – stehen gelassen hat“, schildert Thalmeier das weitere Vorgehen. Und weiter: „Lange Rede kurzer Sinn: Es hat sich herausgestellt, dass ein Mann, der Patient in der Einrichtung ist, den Koffer vor unserer Dienststelle vergessen hat.“
Die Gefahrenlage siedelt Thalmeier im mittleren Bereich an, „im Endeffekt genauso, wie wenn am Bahnhof ein herrenloser Koffer steht“. Der Umstand, dass es vor dem Polizeigebäude war, „hat uns sensibel gemacht, deswegen haben wir entsprechend einen Hund angefordert, um zu schauen, ob von dem Gegenstand eine Gefahr ausgeht oder nicht.“ Eine größere Meldung sei aber nicht notwendig gewesen: „Bevor die Bevölkerung gewarnt oder sogar evakuiert wird, muss ein konkreter Hinweis da sein.“ Dennoch seien solche Dinge immer ernst zu nehmen und mit der nötigen Sorgfalt zu bearbeiten. Die Absperrung dauerte rund 15 Minuten.
Da der Mann seinen Koffer identifizieren konnte, musste die Polizei das Gepäckstück auch nicht öffnen. Der Polizeihund, dessen Name Thalmeier nicht mehr wusste, stellte am Koffer auch nichts Verdächtiges fest. Kosten kommen auf den Besitzer des Koffers keine zu.
Patrick Nägele