Marquartstein – Daniela Maier war nach ihrem sensationellen Olympiasieg von Livigno nur ganz kurz daheim in Marquartstein. Dann ging es direkt am Montag weiter Richtung Serbien, wo an diesem Wochenende in Kapaonik der nächste Skicross-Weltcup auf dem Plan steht. Die 29-Jährige will in den verbleibenden fünf Weltcups bis Ende März die Chance nutzen, erstmals die Kristallkugel für den Gesamtweltcup in der rasanten Sportart zu gewinnen. Zuvor soll sie jedoch in ihrer Wahlheimat im schönen Achental gebührend gefeiert werden – wenn sie mal wieder kurz in der Heimat ist.
Kleine Rede
am Rathaus
„Wir haben uns alle wahnsinnig gefreut, dass sie so souverän Olympia-Gold gewonnen hat. Dann haben wir sie kontaktiert, ob wir sie in Marquartstein empfangen dürfen. Daniela Maier hat gesagt, dass sie sich freuen würde“, erzählt Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck der Chiemgau-Zeitung. Seitdem laufen die Planungen für die Party auf Hochtouren, schließlich ist Marquartstein wie die ganze Region jetzt auch ein kleines bisschen Olympiasieger. Und viele Einwohner wissen das noch nicht einmal.
„Es ist gar nicht so bekannt, dass sie schon ein paar Jahre bei uns im Ort wohnt“, erzählt Scheck: „Deshalb wollen wir alle Bürger auch aus der Region einladen, unsere Olympiasiegerin kennenzulernen.“ Im Gemeinderat wurde das Thema schon kurz besprochen und auch der örtliche Skiverein TSV Marquartstein hat großes Interesse signalisiert, bei den Feierlichkeiten mitzuwirken. Schließlich kann eine echte Olympiasiegerin vor allem für die jungen Skifahrer Vorbild sein und vielleicht sogar einen Nachwuchs-Boom im Skisport auslösen.
Geplant ist die Sause am Dienstag, 3. März, einen Tag vor Maiers 30. Geburtstag und ihrer Abreise zum nächsten Weltcup nach Bakuriani in Georgien. Rund um das Marquarsteiner Rathaus soll der Empfang ab 17 Uhr über die Bühne gehen. Bürgermeister Scheck wird eine kleine Rede halten, zudem ist ein Frage-Antwort-Spiel von Grundschulkindern mit der Olympiasiegerin angedacht. Die Planung steht nach der Zusage von Daniela Maier erst ganz am Anfang, deshalb wird es sicher noch weitere Programmpunkte geben.
Im Gespräch mit dem Blog „Auf A Wort im Achental“ hat Daniela Maier beschrieben, wie es sie als gebürtige Schwarzwälderin ausgerechnet nach Marquartstein verschlagen hat. Irgendwann sei sie die Einzige im Skicross-Nationalteam gewesen, die nicht in Bayern ansässig war: „Außerdem wollte ich zur Bundespolizei nach Bad Endorf, da hat es sich angeboten, nach Bayern zu ziehen. Ich habe zunächst einige Jahre in Rosenheim gewohnt.“
Über den Olympia-Sechsten und Skicross-Kollegen Tim Hronek, der aus Unterwössen stammt, kannte sie das Achental. „Tim wohnte zu der Zeit in Marquartstein – über eine Bekannte hat sich dann eine Wohnung in Marquartstein ergeben, in die ich mich sofort verliebt habe. Ich bin hier sehr glücklich. Ich kann von der Haustür aus auf Berge wie den Hochgern, zur Schnappenkirche oder auf die Hochplatte gehen. Ich fahre auch gerne mit dem Radl einfach los – sei es mit dem Bergradl oder dem Rennradl. Das genieße ich sehr. Gleichzeitig bin ich schnell in Bad Endorf in unserem großen Sportcampus oder in Ruhpolding im Kraftraum. Und die Nähe zu Österreich, die ist auch ein großer Pluspunkt.“
Ihr Geld bekommt Polizeihauptmeisterin Maier von der Sportfördergruppe in Bad Endorf. Im Großraum Rosenheim finden vor allem abseits der Wintermonate viele Lehrgänge statt, auch ihr Skitechniker wohnt in der Nähe. „Wenn ich keinen Sport mache, dann fahre ich gerne zum Chiemsee und treffe Freunde und Teamkollegen. Es gibt viele schöne Spots wie Almen, Gaststätten und Cafés. Hier ist viel geboten“, schwärmt Maier: „Ich mag das Malerische hier. Ich finde es bemerkenswert, wie jetzt der Nebel oft noch am Chiemsee hängt und wir haben hier schon traumhaftes Wetter und einen richtig goldenen Herbst. Wenn man dann von den Berggipfeln in das Tal schaut, dann sieht man dieses Malerische. Und man sieht Gleitschirm- und Segelflieger, die über der Landschaft schweben. Typisch Achental ist auch, dass die Leute so eine Freude daran haben, in der Natur unterwegs zu sein.“
Ein perfekter Tag im Achental ist für Daniela Maier, „wenn ich früh am Morgen eine Bergtour mache, den Sonnenaufgang genieße und mir danach im Tal beim Bäcker ein frisches Croissant hole und das bei einer Tasse Kaffee genieße. Oder ich frühstücke zuerst und mache dann eine lange Radtour oder Bergtour über mehrere Almen und erhole mich später an der Ache. Es kann aber eine Rennradtour sein und später ein gemütlicher Ausklang in der Natur. Manchmal mache ich auch erst Krafttraining und gehe dann zum Sonnenuntergang hoch zu meinem Lieblingsplatz.“ Oder sie reist nach Livigno und wird die erste deutsche Skicross-Olympiasiegerin der Geschichte.
„Ich bin hier
sehr glücklich hier“
Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck wird die Schwärmereien der Olympiasiegerin für die Region gern hören. Schon bei den Olympischen Spielen vor vier Jahren in China verfolgte er interessiert mit, wie Daniela Maier im Finale zunächst auf Platz vier landete. Dann wurde ihr von der Jury Bronze zugesprochen, doch es folgte ein monatelanger Rechtsstreit mit der auf Rang vier versetzten Schweizerin Fanny Smith. Am Ende bekamen beide Bronze. Nun fuhr Daniela Maier ganz souverän zum Olympiasieg – und die ganze Region kann eine ihrer berühmtesten Einwohnerinnen am 3. März ganz groß feiern.