Profitieren vom Märchenschloss

von Redaktion

Prien hat große Pläne für die Vermarktung des Unesco-Weltkulturerbe-Prädikats für das Neue Schloss Herrenchiemsee. Tourismuschef Tobi Huber verrät Details.

Prien – Reichlich sieben Monate sind vergangen, seitdem das Neue Schloss Herrenchiemsee gemeinsam mit den anderen bayerischen Königsschlössern in die prestigeträchtige Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurde. Nun steht die erste volle Touristensaison bevor, in der der neue Status in bare Münze für die Region umgesetzt werden soll. Im Mittelpunkt steht dabei als Ausgangspunkt Prien am Chiemsee. Schließlich legen hier die Fähren für den Trip zum Märchenschloss des Bayern-Königs Ludwig II. auf der Herreninsel ab.

Spezielle
Tourismuspakete

„Wir setzen den neuen Unesco-Weltkulturerbe-Titel gezielt in unseren Pauschalen ein, zum Beispiel in der ‚Inselzauber- und Kulturgenuss-Pauschale‘. Zusätzlich werden unsere bestehenden Pauschalen mit passenden Rahmenangeboten wie Führungen und Erlebnisbausteinen beworben“, sagt Tobi Huber auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung. Er ist in der Marktgemeinde Prien verantwortlich für Kultur, Tourismus und Wirtschaftsförderung. Also exakt für die Bausteine, die bei der Vermarktung als Unesco-Weltkulturerbe wichtig sind. Es sind zum Beispiel Pakete für Touristen mit Prien und Schloss Herrenchiemsee in der Kombination mit Salzburg und München in der Pipeline.

Die Planungen für die neue Ära laufen gemeinsam mit dem „Chiemsee-Alpenland Tourismus“ seit der Verkündung des Titels im vergangenen Juli auf Hochtouren. Prien und die ganze Region wollen natürlich finanziell profitieren. „Durch die Unesco-Auszeichnung rechnen wir mit einer Besuchersteigerung der Tagesgäste im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Besonders internationale Gäste werden durch die höhere Sichtbarkeit angelockt“, sagt Huber: „Was Übernachtungsgäste betrifft, rechnen wir anstatt eines starken Anstiegs mittelfristig eher mit einer leichten Verlagerung hin zu einem internationalerem und kaufkräftigerem Publikum.“

Auch deshalb, weil Prien in der wichtigen Sommersaison ohnehin meist weitgehend ausgebucht und die Schaffung neuer Unterkunfts-Kapazitäten in größerem Umfang derzeit (noch) nicht in Sicht ist. Das bedeutet aber auch: Durch die wachsende Nachfrage aus aller Welt könnten sich die Unterkunftspreise in der Hochsaison künftig erhöhen.

Insgesamt könnte es bei Tourismus-Einnahmen von etwa 800 Millionen Euro jährlich im Landkreis Rosenheim langfristig ein Potenzial von 60 Millionen Euro per annum zusätzlich für die Region geben. Diese Zahl nennt Klaus Stöttner, als Präsident des Bayerischen Tourismusverbandes.

Prien will ein gutes Stück von diesem Millionen-Kuchen haben und setzt deshalb die Verbesserung der touristischen Rahmenbedingungen im Ort auf die Agenda. Laut Huber würden die Taktung der Fähren und die touristische Vernetzung der Herren- und Fraueninsel ständig weiterentwickelt. Gleiches gelte für die Hotel- und Gastro-Entwicklung, die man mit lokalen Partnern weiter verbessern wolle. „Projekte wie die Priener Platzl werden im kulturellen Zusammenspiel für einen Mehrwert für unsere Gäste sorgen“, sagt Huber der Chiemgau-Zeitung. An ausgewählten Standorten in Prien sollen Stelen oder Schilder mit historischen Informationen zu den Gebäuden oder Bauwerken aufgestellt werden und so einen spannenden Rundgang durch die Gemeinde am Chiemsee ermöglichen.

Dazu kommen spezielle Angebote rund um das Unesco-Schloss Herrenchiemsee. „Angebote wie die Führung ‚Bei Vollmond auf den Spuren König Ludwigs II.‘ oder die Fledermausführungen machen den Besuch auf Herrenchiemsee noch attraktiver und liefern nachhaltige Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben“, hofft Huber. All das mit einem Ziel. „Im Vergleich zu den Besucherzahlen der anderen bayerischen Unesco-Königsschlösser Neuschwanstein oder Linderhof führt Herrenchiemsee noch ein Schattendasein. Wir haben jetzt etwa 340.000 Gäste – das waren schon mal fast doppelt so viele“, sagt Priens Bürgermeister Andreas Friedrich.

Hoffen auf
den Geldregen

Die langfristige Hoffnung ist, dass der Unesco-Status zu einem Boom internationaler Touristen für Prien und die ganze Region führt – verbunden mit dem entsprechenden Millionen-Geldregen.

Artikel 5 von 11