Inzell – Es ist ein Mittwoch, 11. Februar, als die heile Welt der Familie Pohlner in Inzell aus den Fugen gerät. Mama Johanna ist daheimgeblieben, weil ihre beiden Kinder Valentina (5) und Johannes (2) von der Grippe erwischt worden sind. Die Mutter kümmert sich oben kurz um ihren kleinen Buben. Als sie wieder herunter ins Wohnzimmer kommt, ist Johanna bewusstlos. „Das Fieber war so hoch, dass das Thermometer einen Fehler angezeigt hat. Es misst bis 42 Grad“, beschreibt Veronika Fischer gegenüber der Chiemgau-Zeitung die dramatische Situation.
Hohes Fieber und
Bewusstlosigkeit
Sie ist die Schwester der Mutter und von den Ereignissen immer noch sichtlich betroffen. Mama Johanna ruft einen Notarzt, der sie intubiert und nach einer ersten Untersuchung sofort einen Helikopter ordert. Valentina wird ins Klinikum Traunstein geflogen. „Dort wussten sie erst einmal gar nicht, wo sie anfangen sollen. Der Verdacht war kurze Zeit auf eine Sepsis. Dann hat sich allerdings herausgestellt, dass sich in Valentinas Körper durch eine Influenza-Infektion eine Autoimmunreaktion mit schwersten Komplikationen entwickelt hat, die sich auch auf das Gehirn auswirkt“, berichtet Veronika Fischer.
„Zwischen Hoffen
und Bangen“
Die Organe von Valentina sind angegriffen. Drei Tage ist ihr Zustand extrem kritisch. Viele Kinder in einer ähnlichen Situation überleben nicht, doch die Ärzte und auch das kleine Mädchen selbst kämpfen. Ein paar Tage später haben sich die Organe dank der sehr guten Behandlung in Traunstein stabilisiert, Valentina atmet auch wieder selbstständig, doch das tapfere, kleine Mädchen ist (noch) nicht wieder aufgewacht. Sie liegt seit ein paar Tagen im Wachkoma.
„Niemand weiß, wie lange das noch andauern wird. Niemand weiß, ob ihr Gehirn geschädigt ist oder nicht. Es ist ein schreckliches Gefühl zwischen Hoffen und Bangen“, sagt Veronika Fischer. Valentina ist der kleine Sonnenschein der Familie, der plötzlich nicht mehr lächelt. Das aufgeweckte Mädchen liebt eigentlich jede Art von Bewegung – ob nun Tanzen, Leichtathletik, Schwimmen, Skifahren oder Eislaufen. Jetzt liegt sie ganz still im Krankenhaus-Bett.
Plötzlich ist im Leben der Familie Pohlner nichts mehr so, wie es vorher war. Der geplante Trip der ganzen Familie zu den Olympischen Spielen nach Cortina muss ausfallen. Dort war Papa Michael Pohlner eigentlich wie gewohnt als Physiotherapeut für Bobpilot Johannes Lochner eingeplant. Die beiden sind beste Freunde und der Papa von Valentina ist sogar Trauzeuge von Lochner.
Papa kann nicht
zu Olympia
Doch natürlich hat in diesem Moment die Gesundheit des kleinen Mädchens für Papa Michael Priorität. Johannes Lochner wird in Cortina trotzdem Doppel-Olympiasieger und der selbstständige Inhaber von zwei Physiotherapie-Praxen in Inzell und Grassau verbringt jede freie Minute bei Valentina. Die ins dänische Kopenhagen ausgewanderte Veronika Fischer reist sofort zurück in ihre Heimat im Chiemgau, um ihre Schwester Johanna und die Nichte Valentina zu unterstützen. Als Tante hat sie jedoch das Gefühl, der Familie in ihrer schwersten Situation nicht genug helfen zu können. Sie startet deshalb eine Spendenaktion bei GoFundMe.
„Mit ihren gerade einmal fünf Jahren hat Valentina die Welt bereits im Sturm erobert. Jetzt braucht sie unsere Unterstützung, um wieder zurück zu uns zu finden“, schreibt Veronika Fischer: „Mit dieser Spendenaktion möchten wir Valentina und ihrer Familie helfen, indem wir ihren Eltern Johanna und Michael Zeit schenken, um bei ihr sein zu können. Dazu wollen wir notwendige medizinische und therapeutische Maßnahmen finanzieren und frühzeitige Reha- und Fördermaßnahmen unterstützen.“ Valentina ist über ihren Papa mitversichert, der als Selbstständiger privat krankenversichert ist und Selbstbeteiligungen zahlen muss. Derzeit ist noch völlig unklar, wie hoch die Kosten für die Familie sein werden.
Spendenaufruf mit
überwältigender Resonanz
Was feststeht: Die Resonanz auf den Spendenaufruf ist einfach überwältigend. Am gestrigen Montag waren bereits über 100.000 Euro von insgesamt mehr als 2.100 Spendern eingegangen. „Das ist ein schlimmer Schicksalsschlag für die Familie. Aber gerade in solchen Momenten zeigt sich, dass die Bürger aus Inzell und der Region zusammenhalten, wenn es darauf ankommt. Helfen steht bei uns an erster Stelle“, sagt Inzells Bürgermeister Michael Lorenz gegenüber der Chiemgau-Zeitung.
Auch Veronika Fischer und die Eltern von Valentina sind tief bewegt: „Es ist einfach unglaublich, wie alle weit über Inzell hinaus zusammenrücken. Valentinas Schicksal hat viele Herzen berührt – die Familie ist unglaublich dankbar. Das gibt viel Kraft für den Kampf, der vor uns liegt.“ Nachdem Valentina im Klinikum Traunstein nicht mehr auf der Intensivstation liegen muss, kann sie am heutigen Dienstag in eine spezialisierte Kinderklinik in der Region verlegt werden. Veronika Fischer: „Wir hoffen, dass sie bald aufwacht. Valentina hat noch ein junges Gehirn und wird diesen Kampf hoffentlich gewinnen.“ Damit der Sonnenschein wieder für alle strahlt und die heile Welt ins Leben der Familie Pohlner aus Inzell zurückkehrt.