Fastenprediger Josefus und Jakobus sorgen für beste Stimmung

von Redaktion

Starkbieranstich der „7 Harrer“ in Chieming – Gemeindepolitik und lokale Originale derbleckt

Chieming – Mehr als hundert Besucher kamen beim Starkbieranstich der „7 Harrer“ mit Derblecken beim Bräu in Hart voll auf ihre Kosten. Im Sudhaus sorgte die Bergblech-Musi unter Leitung von Manfred Berger bereits vor der Fastenpredigt für eine ausgezeichnete Stimmung.

Bürgermeister Stefan Reichelt hatte das Holzbierfass mit zwei Schlägen souverän angezapft. Anschließend ging es fast zwei Stunden lang ans Eingemachte. Die beiden Fastenprediger Bruder Josefus (Josef Mayer) und Bruder Jakobus (Jakob Lauber) derbleckten in ihrer Ansprache im Wechsel. Sie nahmen bevorzugt Originale aus Hart und Fehling aufs Korn, verschonten dabei ihr familiäres Umfeld nicht und nahmen auch Personen aus der Chieminger Lokalpolitik ins Visier.

Bruder Josefus führte in das lebenswerte Harter Dorfleben ein: Hier darf man noch Wurst oder Salat essen, Diesel oder Strom tanken und einer feschen Frau Komplimente machen, ohne diskriminiert zu werden. Vom anziehenden und abstoßenden Miteinander der Geschlechter kam Bruder Josefus dann auf die Harter und Fehlinger Kernthemen zu sprechen, die sich wie ein roter Faden durch die beiden Orte ziehen. Dabei ging es unter anderem um die Wechselwirkung von Alkohol und der mehr oder weniger geglückten Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr. So wurde etwa „der weniger schöne Kreisverkehr von Laimgrub“ mit dem schönen Prometheus-Kreisel in Seeon verglichen. Der anwesende Moier Martl aus Großbergham soll es mit seinem Kieslaster geschafft haben, im Stil einer „Rennsemmel als Kieskutscher“ über den Kreisel zu brettern – allerdings schon, bevor der warnende Prometheus dort stand. Die Kirchner-Figur warnt jetzt den Kiesunternehmer mit erhobener Hand: „Moier halt!“

Die Fronleichnamsprozession des vergangenen Jahres fiel nicht nur deshalb aus dem Rahmen, weil sie an einem Sonntag stattfand. Die Damen hatten zu laut geratscht, die Musik war lautstark die Treppe von der Empore „owa grumbet“, der Pfarrer bat lautstark um „Stille“ und die Kanone, die einen „Warnschuss“ abgeben sollte, versagte, da der Kanonier die Munition daheim vergessen hatte. Dafür war die KSK mit Fähnrich und fünf Fahnenbegleitern „meistpreisverdächtig“ präsent.

Bruder Josefus erzählte von einem „scharfsinnigen und akribischen Feuerwehrpensionisten“, der offensichtlich Bedenken hatte, dass das mühsam aus Betlehem über Tittmoning nach Hart transportierte Friedenslicht im nasskalten Glockenhaus der Kirche einen Großbrand auslösen könnte. Er beschloss, sicherheitshalber die Kerze zu löschen, um sie am nächsten Morgen „in einem schizophrenen Wandlungsprozess“ mit geweihten Zündhölzern wieder zu entzünden. Derlei aus dem Leben gegriffene Geschichten kamen beim Publikum bestens an.

Bei Bruder Jakobus wiederum ging es um Lügen: von der ehrlichen Lüge in der Alltagskommunikation über die Notlüge bis zur schlimmsten Lüge, der Schmeichelei. Die Lüge sei so alt wie die Menschheit, seit Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen habe. Dazu Jakobus: „Kennt ihr das älteste Ehegespräch? Eva sagt zu Adam: ‚Liebst du mich?‘ – Und Adam erwidert: ‚Wen denn sonst?‘“

Über den Daxenberger Simmerl wurde berichtet, dass er beim Holzaufschlichten immer die im Holzhaufen ganz unten liegenden Scheite zuerst herauszog. Darauf angesprochen, sagte er: „Am Nachmittag macht meine Frau weiter, dann kann sie die oberen Scheite wegnehmen und tut sich leichter.“

Nach der Pause ging es um Lokalpolitik. Bruder Jakobus stellte fest, dass die bevorstehende Kommunalwahl „fad“ ist. „Warum lässt sich der Heller Wasti nicht mehr aufstellen oder die Geli (Angelika Maier) oder der Brunner Markus?“ – „Die Grünen schimpfen über die autokratische CSU. Vielleicht wären sie nicht gewählt worden, aber das wäre Demokratie.“

Zur Sprache kamen auch die Friseurrechnungen von Bundeskanzler Merz über 30.000 Euro in einem Jahr. „Wie Stefan (Reichelt) bei einer schnittähnlichen Frisur solche Kosten rechtfertigen würde, mag ich gar nicht wissen. Aber wie beim Friedrich ist dir der Dank der Allgemeinheit für deine Frisur sicher.“ „Wenn du dich rot einfärben würdest, dann könntest du zum Sparfuchs von der Schwäbisch Hall werden“, sagte Bruder Josefus an den KSK-Vorsitzenden Holger Knuth gerichtet.

Am Ende eines langen Derbleckens fasste Bürgermeister Stefan Reichelt zusammen: „Ein gelungener Abend, humorvoll-ironisch, wie es sein muss.“ Seine Gattin Andrea fügte hinzu: „Die Frisur meines Mannes finde ich gut.“ Der Sohn des Predigers, Bruder Jakobus, Bene Lauber, der auch nicht schonungslos davonkam, meinte: „War super, ein Traum.“ Ähnliche positive Kommentare kamen von zahlreichen weiteren Gästen kurz nach der Starkbier-Predigt.

Artikel 1 von 11