Ute Gladigau lädt ein zu einer visuellen Reise

von Redaktion

Priener Ausstellung „Not nice girls“ ist bis zum 12. April zu sehen

Prien – Auf diese Werkschau hat sich Kuratorin Ute Gladigau rund ein Jahr intensiv vorbereitet: Für die aktuelle Ausstellung „Not nice girls“ mit Fotokunst der Sammlung „SpallArt“ in der Galerie im Alten Rathaus suchte sie in dem Salzburger Depot aus dem insgesamt rund 2.700 Stücke umfassenden „großartigen“ Fotoschatz Bilder „assoziativ und intuitiv“ aus, wie sie erzählt, und stellte Exponate zusammen. Um die Wirkung der Werke unter- und miteinander bei der Hängung vorab zu erspüren, habe sie zunächst mit Ausdrucken zu Hause verschiedene Kombinationen gewählt und variiert.

Insgesamt hat die Kuratorin so 220 Aufnahmen für die Schau ausgewählt, die von 70 Künstlerinnen stammen, sowie – nach eingehender Auseinandersetzung mit dem Thema – auch Aufnahmen von 46 Männern, die thematisch in den Räumen nach Porträt, Stillleben, Landschaft, Architektur und Akt zusammengestellt wurden.

Präsentiert werden Werke klassischer amerikanischer und europäischer Fotokunst sowie zeitgenössische Arbeiten vor allem von Künstlerinnen aus Österreich.

Der Titel „Not nice girls“ bezieht sich auf die selbstbewusste Haltung der Amerikanerin Berenice Abbott, die in den 1930er-Jahren in New York auch in gefährlichen Gegenden die Entwicklung der Weltstadt fotografisch dokumentierte. Sie sei eine Fotografin und gehe überall hin, hatte Abbott einmal einem männlichen Kollegen geantwortet, als dieser sie davor warnte, dass solche Fotografien nichts „für brave Mädchen“ seien.

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Fotografie zu einem Medium, das Frauen erlaubte, ihre gesellschaftliche Stellung neu zu definieren, wie die Kuratorin erklärt. Mit der Studiofotografie hätten sie eine Möglichkeit gefunden, eine professionelle Karriere aufzubauen. Durch die technische Entwicklung sei es später zudem gelungen, auch im Freien und spontan Momente mit der Kamera festzuhalten. Dabei unterscheide sich die weibliche Sichtweise von der männlichen, wie Gladigau erklärt. Sie habe sich gefragt, ob man diese Unterschiede erkennen könne.

„Daher habe ich zum Teil Fotografien beider Geschlechter zu ähnlichen Motiven, formal oder inhaltlich, gegenübergestellt, damit ein spannungsgeladener Dialog entsteht und Gemeinsamkeiten und Differenzen sichtbar werden“, erklärt Gladigau.

Besuchern der Ausstellung empfiehlt sie, auf eine visuelle Reise zu gehen und zu rätseln, welche Fotografie von einem weiblichen oder von einem männlichen Auge stamme. „Schauen Sie genau hin, damit Sie in jedem Motiv die Geschichte erkennen, die entdeckt werden will“, fordert sie Besucher auf. Die Ausstellung ist zu sehen bis zum 12. April in der Galerie im Alten Rathaus. Petra Wagner

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