Abschied aus der Gastronomie nach 44 Jahren

von Redaktion

Kultwirte Janos und Tamara Erdelyi beenden ihre Ära in Ruhpolding

Ruhpolding – Ob Live-Bands, gutes Essen, Partys mit Go-go-Tänzerinnen oder herzliche Gastfreundschaft. In Wirtshäusern, dem Hallenbad oder in der Almhütte: Janos Erdelyi hat in 44 Jahren wohl so ziemlich alles geboten, was Ruhpolding nur bieten konnte. Jetzt zieht er sich gemeinsam mit seiner Frau Tamara aus der Gastronomie zurück. Anfang Februar hatten die beiden ihr Lokal „Janos“ an der Hauptstraße 45 zugesperrt. „Wir haben teils 70 bis 80 Stunden in der Woche gearbeitet“, erklärte Janos Erdelyi beim Besuch der Chiemgau-Zeitung. Jetzt soll es für die beiden ruhiger werden. Janos ist 75 Jahre alt, seine Frau Tamara 66.

Wenn man die beiden nach den Stationen ihrer gastronomischen Laufbahn fragt, müssen sie schon genau überlegen. Es ist viel zusammengekommen. 1982 fing Janos Erdelyi mit dem Lokal im Wellenhallenbad in Ruhpolding an. Vier Jahre später kam die Gastronomie im Freilassinger Schwimmbad mit dazu. Dann bekam Janos Unterstützung, denn 1989 lernte er seine Frau Tamara in Ungarn kennen, die dann mit ins Geschäft einstieg. Ab 1997 führten sie den Pfandl-Wirt in Ruhpolding und ab 2003 das Lokal „Janos“ an der Hauptstraße.

Und nicht zu vergessen: Von 2015 bis ins vorige Jahr die Zirmbergalm. Und da wird man die beiden nach wie vor immer wieder mal antreffen. Tochter Laura hat die Alm neben dem Biathlon-Stadion inzwischen übernommen. „Da werde ich sicher noch etwas mithelfen“, so Tamara Erdelyi. Aber in erster Linie bleibt jetzt mehr Zeit für die Töchter, für die Enkel und auch „für sich und einfach mal am Frühstückstisch sitzenbleiben“, freut sich Tamara. Mal einen entspannten Urlaub, das Handy ausschalten, nicht an die Arbeit denken. Janos kann seine Jahreskarte für die Spiele des FC Bayern auskosten und Tamara Bergtouren, ohne auf die Uhr zu schauen.

Auf die Beine gestellt hat das Ehepaar in den vergangenen Jahrzehnten genug. „Vor allem in den 80er-Jahren war noch die Hölle los in Ruhpolding“, erinnert sich Janos Erdelyi: Sonderzüge mit Urlaubern fuhren in den Chiemgau, viele blieben zwei Wochen anstatt nur weniger Tage. „Der Mallorca-Urlauber von heute war damals in Ruhpolding“, meint der Gastro-Profi. Als Biathlon immer populärer wurde, entwickelte sich das „Janos“ an der Hauptstraße zur Hochburg. Die französische Delegation gehörte zu den Stammgästen – und in einer Hütte hinterm Haus wurde an der Stange „Go-go“ getanzt. Inzwischen seien die Leute mobiler beim Verreisen, flexibler bei schlechtem Wetter, es werde weniger getrunken und im Urlaub werde mehr Wert auf Sport und Natur gelegt als aufs Fortgehen, sind sich Janos und Tamara Erdelyi sicher. Aber auch das war für die beiden kein Problem. „Ungarisch, deutsch, aber auch Pizza – bei uns hat jeder was Gutes gefunden.“ Was natürlich auch zur Wahrheit gehört und die ganze Branche betrifft: Spätestens seit der Corona-Krise ließ sich gutes Personal, vor allem in der Küche, immer schwerer auftreiben.

Klar, viele Stammgäste sind jetzt traurig: „Was für ein Verlust“ oder „so schade“ wurde da in den sozialen Medien geschrieben. „Aber viele haben Verständnis“, erklärt Tamara Erdelyi. Denn im „Janos“ habe man über 19 Jahre keinen einzigen Ruhetag eingelegt. Dazu kamen oft lange Öffnungszeiten von 9 Uhr in der Früh bis 2 Uhr nachts. Und immer wieder führten die beiden auch mehrere Lokale gleichzeitig. Jetzt bleibt wieder mehr gemeinsame Zeit. . xe

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