Energie aus der Tiroler Ache

von Redaktion

Marktgemeinderat Grassau beschließt Wärmeplanung mit Fokus auf den Fluss und die Fernwärme

Grassau – „Eine Wärmeplanung ist grundlegend sinnvoll“, erklärte Bürgermeister Stefan Kattari in der jüngsten Ratssitzung. Er verwies auf Annalena Böhmer und Nicole Piegsa vom Ingenieurbüro Kess, die die Wärmeplanung mit Potenzialen für Grassau entwickelten. Unter anderem wären Großwärmepumpenanlagen in Flussnähe möglich.

Daten als
Grundlage

Bürgermeister Kattari erläuterte, dass eine Wärmeplanung für Gemeinden unter 10.000 Einwohner nicht verpflichtend, aber sinnvoll sei und mit 90 Prozent bezuschusst werde. Da in Grassau und Rottau Heizwerke und Fernwärme existieren, liegen viele Informationen vor. Die Wärmeplanung solle, so Kattari, alle fünf Jahre fortgeschrieben werden. Annalena Böhmer betonte die Wichtigkeit der CO2-Neutralität bis 2045. Sie informierte schrittweise darüber, wie das Büro aussagekräftige Daten über Gebäudebestand, Wärmebedarf und benutzte Energiequellen ermittelte und diese in einer Potenzialanalyse zusammenführte.

Solarthermie, Biomasse und Wärmepumpen könnten verwendet werden, nur Tiefengrundgeothermie sei ausgeschlossen. Bezüglich Biomasse erklärte sie, dass das Brennmaterial im Sinne kurzer Wege dort anfallen solle, wo es benötigt wird, also in Grassauer Waldgebieten. Das Potenzial sei jedoch schwer einschätzbar. Interessant sei die Oberflächengeothermie, die mittels Grundwasserwärmepumpen genutzt werden kann.

Großes Potenzial habe die Tiroler Ache. Mit der dort vorhandenen Energie könnte über geeignete Maßnahmen nicht nur ganz Grassau versorgt werden. Auch der Auslauf der Kläranlage lasse sich zur Energie- und Wärmegewinnung nutzen. Mit der thermischen Heizleistung aus diesem Auslauf könnte der gesamte Ortsteil Mietenkam versorgt werden. Die Expertin sprach auch die Sanierung von Häusern zur Reduzierung des Wärmebedarfs an, auch hier sei viel Potenzial vorhanden. Zusammenfassend meinte Böhmer, dass die Energiegewinnung aus Biomasse schwer einschätzbar sei. Erd-Sonnenkollektoren wären möglich, hätten aber einen hohen Platzbedarf. Grundwasserpumpen wiesen eine gute Effizienz auf, während Luftwärmepumpen starke Schwankungen zeigten. Das größte Potenzial hätten der Fluss und der Kläranlagenauslauf.

Anhand mehrerer Pläne wurde aufgezeigt, wo eine Verdichtung der Fernwärme sinnvoll ist, wo diese nicht möglich ist und wo Quartiernetzversorgungen denkbar wären. Zudem sollte eine höhere Sanierungsquote erreicht werden. Hierfür gebe es Angebote für eine kostenlose Erstberatung beim Ökomodell Achental. Bürgermeister Kattari betonte, unstrittig sei, dass auf jeder Ebene dem Klimawandel entgegenzuwirken sei. Als Gemeinde könne man nur in begrenztem Umfang einwirken. Etwa müsse sich die Gemeinde um die eigenen Liegenschaften kümmern. Zur Tiroler Ache merkte er an, dass ungeklärt sei, wie viel Potenzial gehoben werden kann, zumal die Ache Geschiebe führt.

Dr. Winfried Drost (UGL) erklärte seine Ansicht, dass Fernwärme durch Verbrennung von Holz den CO2-Ausstoß nicht reduziere. Annalena Böhmer informierte hierzu, dass Flusswasserwärmepumpen sehr gut funktionieren und die Ache ein großes Potenzial habe, es aber wahrscheinlich Probleme geben werde. Eine andere effektive Lösung sei es, flussnah große Grundwasserwärmepumpen zu installieren und den unterirdischen Grundwasserstrom zu nutzen. Dies habe einige Vorteile, darunter naturschutzrechtliche, aber auch bezüglich der Infrastruktureinrichtungen wie Zuwendungen.

Energieträger Öl
ein Ende setzen

Daniela Ludwig (CSU) bezeichnete die Fernwärme als das wertvollste Gut. Der Anschluss sei relativ günstig, sodass Geld für eine Haussanierung bleibe. Ihr sei es wichtig, von Öl als Energieträger wegzukommen. Nicole Piegsa meinte abschließend, dass Fernwärme positiv sei, da dadurch die Infrastruktur für eine großflächige Versorgung vorhanden ist. Letztlich entschied das Gremium, die Wärmeplanung mit den Zielsetzungen und Maßnahmen anzunehmen.

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