Orte für Trost und Zuflucht

von Redaktion

Der Landkreis Traunstein hat ein enges Netz an „SozialRäumen“ für Eltern in Not, bei Gewalt unter Jugendlichen oder für einsame Alleinerziehende. Zwei Leiterinnen, Evi Schenkl aus Trostberg und Vera Huber aus Traunstein, geben Einblick in die Herausforderungen ihrer täglichen Arbeit.

Landkreis Traunstein – Von vielen unbemerkt hat sich in den vergangenen Jahren ein landkreiseigenes Hilfsangebot über die Region gespannt: die sogenannten „SozialRäume“.

In Obing, Trostberg, Traunreut, Traunstein und Grassau wurden bereits Anlaufstellen geschaffen, vor allem wenn es um Probleme in Familien, Schulen oder zwischen Jugendlichen geht. Evi Schenkl leitet den „SozialRaum“ in Trostberg und Vera Huber in Traunstein. Wie groß die Bandbreite ist, stellten die beiden jüngst im Jugendhilfeausschuss des Traunsteiner Kreistages vor.

Schlägerei unter
Achtklässlerinnen

„Über die Polizei haben wir von einem eskalierenden Konflikt zwischen zwei Mädchen erfahren“, erzählte Evi Schenkl von einem Beispiel aus der Praxis: Nach Schulschluss sei eine Achtklässlerin am Bahnhof auf eine Gleichaltrige losgegangen, habe sie geschlagen und getreten. Zuschauer griffen nicht ein. Im Gegenteil: Einige filmten mit dem Handy. „Das Video kursierte dann in sozialen Netzwerken und schlug hohe Wellen“, so die Leiterin des Trostberger „SozialRaums“. Das geschlagene Mädchen sei alleine zurückgeblieben.

Der Allgemeine Soziale Dienst des Landratsamtes und die Jugendsozialarbeit seien dann beim „SozialRaum“-Team aufgeschlagen. Zusammen mit den Lehrern wurde sich dann zusammengesetzt. Auch die Initiative „Mach dein Handy nicht zur Waffe“ wurde mit einbezogen – und die Jugendhilfe im Strafverfahren. Denn es ging auch um unterlassene Hilfeleistung und das problematische Weiterleiten solcher Videos. Mit der betroffenen Schule arbeitete man dann das Projekt „Chill dich mal“ aus. Von ausgebildeten „Coolness-Trainern“ ging es darum, wie man ruhig seine Grenzen einfordern kann oder sich friedlich gegen Mobbing wehrt.

Fettleibige Kinder
suchen Hilfe

Ein ganz anderes Beispiel aus der „SozialRaum“-Praxis: Ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) meldete, dass immer mehr fettleibige Kinder, und Kinder mit beginnendem Übergewicht bei ihnen vorstellig würden. „Wie könnten wir reagieren?“, fragte sich Vera Huber vom Traunsteiner „SozialRaum“. Mit der Jugendsozialarbeit an den Schulen und der „Gesundheitsregion plus“ wurde sich ausgetauscht, um schließlich beim „Netzwerktreffen Essstörung“ teilzunehmen. In anderen Fällen wurden helfende Verbindungen hergestellt, als der Vater eines Schülers schwer und „lebensverkürzend“ erkrankte, oder für Alleinerziehende wurden Gruppentreffen organisiert.

„Für alle, die ehrenamtlich engagiert sind, sind die ,SozialRäume‘ eine Riesenerleichterung“, lobte Marianne Penn (Grüne) aus Trostberg im Jugendhilfeausschuss. Die Angebote müssten möglichst niederschwellig und einfach erreichbar sein – „sodass sie im Ort wahrgenommen werden“.

Passende Räume
werden gesucht

Beispiel Trostberg: Dort ist der Sozialraum seit 2024 in den Häusern an der Traunsteiner Straße 4 bis 10 untergebracht. Für das Gebiet von Siegsdorf, Vachendorf, Bergen, Ruhpolding und Inzell sucht der Landkreis momentan noch Räumlichkeiten, genauso für die Region Tittmoning, Fridolfing und Kirchanschöring.

„SozialRäume“ in der Region

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