Erinnerungsort der Demokratie

von Redaktion

Prien diskutiert Zukunft des UNESCO-Weltkulturerbes Herrenchiemsee

Prien – Seit 2025 zählen die vier Königsschlösser Ludwigs II. zum Welterbe. Doch Herrenchiemsee kann viel mehr, davon ist Karl Fischer, Logistikexperte und Projektmanager, überzeugt. In seinem Impuls-Referat schlug er einen breiten Bogen vom Wirtschaftsfaktor Tourismus über den „Geschichtsort Herreninsel“ zum Erinnerungsort der Demokratiewerdung.

Zukunftskonzept
für die Herreninsel

Die „Freunde von Herrenchiemsee“, die sich seit Jahrzehnten um einen wertschätzenden und werterhaltenden Umgang mit dem gesamten baulichen Ensemble auf der Herreninsel bemühen, hatten zu dem Vortrag und einer anschließenden Podiumsdiskussion geladen. Der Chiemsee-Saal war dabei so gut wie voll besetzt.

Fischer, der viele Jahre Geschäftsführer des Logistik-Kompetenz-Zentrums in Prien war und internationale Logistiktage sowie Staatsempfänge auf der Herreninsel veranstaltete, fragte nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden der „Freunde von Herrenchiemsee“, Dr. Friedrich von Daumiller: „Jetzt ist der Titel da! Was machen wir jetzt draus?“

Das Podium der anschließenden Diskussion war prominent besetzt. Neben Klaus Stöttner, MdL a.D. und Vorsitzender des Bayerischen Tourismusverbands, nahmen Christina Pfaffinger von der „Chiemsee Alpenland Tourismus“, Andreas Friedrich (Bürgermeister Prien), Armin Krämmer (Erster Bürgermeister Chiemsee), Konstantin Buchner, der Chef der Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee, und Michael Feßler von der Chiemsee-Schifffahrt teil.

In seinem Vortrag ging Fischer auf die zahlreichen Besucher der Königsschlösser ein, die insgesamt über fünf Millionen Gäste pro Jahr zählen. 309.000 Besucher statteten der Insel und dem Königsschloss auf der Herreninsel bislang einen Besuch ab. Er erinnerte an den Priener Altbürgermeister Lorenz Kollmannsberger, der vor vielen Jahren schon das Thema „Aufnahme in das Welterbe der UNESCO“ angestoßen hatte. Im Jahr 2007 hatte dann der Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner den entsprechenden Antrag gestellt. Fischer bezog sich in seinem Vortrag auf Dr. Alexander Wiesneth von der Staatlichen Bayerischen Schlösserverwaltung und Ansprechpartner für allgemeine Angelegenheiten der UNESCO-Weltkulturerbestätten, „der die meiste Arbeit damit gehabt hat“.

Fischer wies auf das große Spannungsfeld hin, den zu erhaltenden „Schatz der Natur“ ebenso wie die Lebensqualität mit der zu erwartenden Zunahme an Touristen zu verbinden. Dazu brauche es ein „Produkt“, das förderfähig sei und welches auch von den Menschen vor Ort mitgetragen werde. „Wir müssen die regionale Identität erhalten“, zeigte sich Fischer überzeugt und nannte die „Glättung der saisonalen Spitzenzeiten im Tourismus“ als eines der wichtigsten Ziele.

Als probates Mittel entwarf er dazu ein „Zukunftskonzept Herrenchiemsee“ als einen europäischen „Erinnerungsort“. Alleinstellungsmerkmale seien dabei die Insellage, der einmalige „Natur- und Kulturraum“ und die fass- und erlebbare Entwicklung „von der Monarchie zur Demokratie“.

Die Herreninsel mit der Tagungsstätte des Verfassungskonvents sei auch ein Ort der „politischen Umkehr“, so Karl Fischer. Unter dem Titel „Macht und ihre Begrenzung“ nannte er die Insel einen „Schlüsselort deutscher und europäischer Demokratiegeschichte“. Er untermauerte sein Referat mit einem durchdachten Logistik- und Mobilitätskonzept, bei dem das Thema „Sicherheit“ im Fokus stand.

Facettenreiche
Nutzung der Insel

Überaus facettenreich sei bisher schon die Nutzung der Insel durch Konzerte, Führungen und wechselnde Ausstellungen. Er brachte zudem einen breit angelegten Erfahrungsaustausch mit den anderen Königsschlössern ins Spiel, den man nun suchen solle.

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