Ratschläge statt Panikmache

von Redaktion

Bernau gibt Notfall-Fibel für Krisensituationen heraus – Lob vom Innenministerium

Bernau – Im handlichen DIN-A5-Format kommt der Flyer mit seiner gelb-blauen-Titelseite zunächst sehr unscheinbar daher. „Ihr Ratgeber“ sticht in Versalien mit etwas verspielter Grafik sofort ins Auge. Rat geben soll das einfach gefaltete und vierseitig bedruckte Blatt Papier im Falle eines großflächigen Stromausfalls, Naturkatastrophen oder anderer außergewöhnlicher Situationen. „Wir sind dazu angehalten, solche Konzepte zu entwickeln“, sagt Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber gegenüber der Chiemgau-Zeitung.

Krisenstab sitzt
im Rathaus

Im Innenteil des Flyers wird dann erläutert, warum Vorsorge wichtig ist, was ein großflächiger überregionaler, ungeplanter Stromausfall für Auswirkungen hat. Anlaufstelle Nummer eins ist in Bernau das Rathaus. Hier gibt es Infos und es ist der Sitz des Krisenstabs. Das Feuerwehrhaus ist Anlaufstelle für Brandereignisse und medizinische Erstversorgung in Notfällen, die Mehrzweckhalle ist mögliche Notunterkunft. Auf der Rückseite ist ein Überblick über eine Notfallvorsorge für zehn Tage aufgelistet, was die Bevölkerung alles zu Hause haben sollte. Der Flyer ist auch auf der Website der Bernauer Gemeinde einzusehen.

Gedruckt wurden 7.000 Stück, davon sind 4.500 bis 5.000 Exemplare schon mit der Gemeinde-Zeitung Bernaus an alle Haushalte verteilt worden. „Wir haben noch genug“, sagt Biebl-Daiber. Wichtig ist ihr beim Thema, keine Panik zu verursachen. „Das wollen wir total vermeiden, es ist ja auch ein Ratgeber“, so die Rathauschefin.

Verteilt wurde der neue Flyer bereits im Herbst vergangenen Jahres. Bereits vor rund einem Jahr stellte die Gemeinde Bernau einen kompletten Notfallplan auf die Beine, der handliche Ratgeber eine weitere Folge daraus. „Es gab einige Aha-Momente, was man denn zu Hause haben sollte in Notlagen. Und irgendwie müssen wir den Bürgern auch mitteilen, was sie brauchen, wenn mal kein Strom mehr da ist oder wenn was passiert, wo sie sich hinwenden können“, gibt Biebl-Daiber Einblicke in den Entstehungsprozess. Die Gemeinde wollte was Niedrigschwelliges anbieten, „was sich die Leute zu Hause an den Kühlschrank hängen können“. Eine Blaupause gab es keine: „Wir haben uns das alles selbst erarbeitet. Wir kennen unsere Gegebenheiten und wissen, wo wir Leute unterbringen können.“ Wie wichtig ein Plan für Notsituationen ist, zeigten dieses Jahr schon zwei Beispiele: Berlin Anfang des Jahres und Ende Februar im Schwarzwald-Baar-Kreis. In engem Austausch war die Bernauer Gemeindeverwaltung mit der Feuerwehr vor Ort. Wie geschickt, dass die Wege kurz sind. Kommandant Stefan Huber ist Ansprechpartner für den Tiefbau der Gemeinde. Ein Sprecher der Bernauer Wehr teilte der Chiemgau-Zeitung mit: „Es gab intensive Gespräche, auch mit dem Kreisbrandrat. Mit dem Ergebnis sind wir absolut zufrieden. Es ist das Wichtigste mit drin. Die Vorsorge richtet sich auch nach den Empfehlungen des Bundesamtes für Zivil- und Katastrophenschutz.“

Auch das Bayerische Innenministerium lobt den Bernauer Flyer: „Wir finden das Informationsblatt sehr gut. Es ist kompakt und übersichtlich gestaltet sowie mit der Darstellung wichtiger Anlaufstellen für die Bevölkerung in der Gemeinde auch ortsspezifisch ausgerichtet.“ Vor allem, da es nicht nur Stromausfälle, sondern auch Naturkatastrophen und andere Notlagen thematisiert. Die Infomenge im Flyer von Bernau sei gerade richtig: „Mehr braucht es nicht und das könnte auch schnell überfrachtend wirken.“ Im Zuge der Diskussionen um eine mögliche Energiekrise im Herbst und Winter 2022/2023 sei die Gefahr lang anhaltender und großflächiger Stromausfälle intensiv erörtert worden, teilt eine Sprecherin des Ministeriums weiter mit. In dieser Diskussion seien Gemeinden ausdrücklich mitbedacht worden, sie sind auch zur Katastrophenhilfe verpflichtet. Wenn die Kreisverwaltungsbehörde nicht erreichbar ist, was bei Stromausfällen natürlich möglich ist, müssen die Gemeinden die Aufgaben der Katastrophenschutzbehörde selbst wahrnehmen.

7.000 Exemplare
gedruckt

Dass der Katastrophenschutz eine größere Bedeutung erfahren hat, spiegeln erheblich gestiegene Investitionen wider. In Bayern wurden im Jahr 2025 47,4 Millionen Euro für den Katastrophenschutz bereitgestellt, 2024 waren es 44,57 Millionen. In den zehn Jahren zuvor war der Höchstwert im Jahr 2022 mit 23,19 Millionen. „Dieses hohe Niveau der Investitionen soll nach dem Entwurf des Doppelhaushalts 2026/2027, dessen Verabschiedung durch den Bayerischen Landtag noch aussteht, aufrechterhalten werden“, teilt das Innenministerium weiter mit.

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