Prien – Eigentlich flattert das Wahlergebnis aus Chiemsee immer als Erstes rein. Bei dieser Kommunalwahl dauerte es etwas länger, bis die insgesamt 115 Stimmen bei 144 Wahlberechtigten Stimmen für die Bürgermeisterwahl ausgewertet wurden. Mit Armin Krämmer stand nur ein Kandidat zur Auswahl – dieser holte allerdings nicht die nötige Mehrheit von 50 Prozent. Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim, stellte gegenüber dem OVB gestern unmissverständlich klar: „Krämmer ist damit nicht gewählt.“
Die Situation auf den Inseln ist rechtlich hochgradig ungewöhnlich: „In unserem Landkreis ein Novum“, so Fischer. Da über 52 Prozent der Stimmen auf „wählerbenannte Personen“ entfielen, muss nun die Person unter den handschriftlich vermerkten Namen mit den meisten Nennungen ermittelt werden. Laut Fischer ist nun denkbar, dass dieser oder diese gefragt wird, „ob er oder sie in die Stichwahl gehen möchte“. Damit droht Krämmer nun eine Stichwahl gegen einen Kontrahenten, der ursprünglich gar nicht auf dem offiziellen Wahlzettel stand. Für eine Stellungnahme war Krämmer am Wahlabend für das OVB nicht zu erreichen.
Schuster und Moser gehen in Rimsting in Stichwahl
Mit Spannung wurde das Ergebnis aus Rimsting erwartet. Nach sechs Jahren im Amt trat Andreas Fenzl nicht erneut an. Mit Mary Fischer (Freie Wähler), Christian Moser (UWG), Thomas Schuster (CSU) und Stephan Walter (Grüne) bewarben sich vier Kandidaten in der rund 3.800 Einwohner zählenden Gemeinde. Besonders überzeugen konnten Schuster mit 45,4 Prozent und Moser mit 36,1 Prozent: Die beiden Kandidaten schafften es in die Stichwahl am 22. März. „Ich bin sehr zufrieden, dass ich es in die Stichwahl geschafft habe“, freute sich Schuster. Auch Moser zeigte sich erleichtert: „Ich finde, das ist ein super tolles Ergebnis aus dem Stand raus.“
Auf inhaltliche Unterschiede wollten die beiden am Wahlabend nicht eingehen. „Nur knapp zehn Prozent Vorsprung vor einer Stichwahl ist schwierig. Wir, der Christian und ich, werden 14 Tage weiterkämpfen und schauen, was rauskommt“, sagte Schuster. Und Moser: „Ich hoffe, dass der Wahlkampf weiter fair bleibt, wie er bisher war. Wir werden weiter Präsenz zeigen, ich bin zuversichtlich.“ Walter (10,1 Prozent) und Fischer (8,4 Prozent) hatten für den Einzug in die Stichwahl keine Chance.
In der größten Gemeinde am Chiemsee – in Prien – kam Andreas Friedrich als amtierender Bürgermeister auf 82 Prozent. „Bei einer Wahlbeteiligung von 60 Prozent sind die 82 Prozent für mich ein sehr schönes Ergebnis“, teilt Friedrich mit, der sich keine gedankliche Wunschmarke setzte. „Es ist eine ausreichende Legitimation für das Amt. Und ich bedanke mich bei allen, die mich unterstützt und auch gewählt haben.“ Neben den bereits laufenden Projekten Wasserwärmepumpe am Prienavera und sozialem Wohnungsbau am ehemaligen Lechnerhaus nennt Friedrich als drittes Großprojekt „das Dauerbrennerthema Bahnhofsumgestaltung mit Parkhausbau, um den Parksuchverkehr zu reduzieren“.
Keine Überraschung
in Bernau und Übersee
Auch in Bernau am Chiemsee gab es am Ende keine Überraschung: Irene Biebl-Daiber verteidigte ihr Amt für die CSU mit 71,4 Prozent deutlich gegen ihren Dritten Bürgermeister Franz Praßberger von den Freien Wählern, der bei 28,6 Prozent landete. „Ich bin ganz froh und bedanke mich für dieses große Vertrauen, das man mir hier von Wählerseite entgegenbringt. Ihr Erfolgsrezept beschreibt sie mit „Diplomatie und gerade deswegen einer klaren Linie“. Sie blickt auf einen fairen und ruhigen Wahlkampf mit Praßberger und allen Fraktionen zurück. Der Herausforderer sieht das Ergebnis dennoch positiv: „Wer auf dem Pferd sitzt, bringt man anscheinend schlecht runter.“ Er will sich weiter einbringen und zusammenarbeiten: „Es hilft nichts, wenn man sich gegenseitig mit Schmutz bewirft, sondern man muss einfach die Sache anpacken.“
Als gewaltig bezeichnet Übersees amtierender Bürgermeister Herbert Strauch (Freie Bürgerliste) seinen Wahlerfolg von 77 Prozent gegenüber Alexander Rank (CSU/23 Prozent). Am Telefon ist er überrascht, über das deutliche Ergebnis: „Es zeigt, dass im Ort Ruhe eingekehrt ist und die Leute hinter mir stehen und mit ehrlicher Politik zufrieden sind.“ Als sein Erfolgsgeheimnis nennt er bodenständige Politik. Er freue sich auf ein weiterhin gutes Klima im Gemeinderat, egal mit welchen Fraktionen, und darauf, dass „wir schnell ins Arbeiten kommen, denn: Wir haben Projekte.“ Zu denen zählt er den Abschluss der Mittagsbetreuung und die Sanierung des Bahnhofs. Rank zeigt sich gegenüber dem OVB als fairer Verlierer: „Wir haben einen fairen Wahlkampf gehabt, und ich wünsche Herbert Strauch nur das Beste.“ Er sei dankbar für die Erfahrung des Wahlkampfes und die guten Gespräche und will sich bei einer Wahl in den Gemeinde- und Kreistag weiter kommunalpolitisch einbringen.
Ein Underdog holt
800 Stimmen
In Grabenstätt wurde Gerhard Wirnshofer von der Bürgergruppe mit 66,5 Prozent der Stimmen klar gegen Michael Lex von den Freien Wählern im Amt bestätigt, der auf 33,5 Prozent kam. „Ich habe mich jetzt seit sechs Jahren im Amt beweisen können und die Gemeinde hat mir das Vertrauen gegeben, auch in Zukunft das Amt zu führen“, so Wirnshofer, der sich vor allem weiter um den Hochwasserschutz kümmern möchte. Für Lex ist das Ergebnis eine Sensation: „Ich bin als Underdog gleich auf 33,5 Prozent gekommen, knapp 800 Stimmen finde ich sehr gut.“ Er bedankte sich bei seinem Team und will sich bei einer erfolgreichen Gemeinderatswahl weiter einbringen.
Amtsinhaber Stefan Reichelt (CSU) holte in Chieming 84,6 Prozent und wurde damit ohne Konkurrenz souverän wiedergewählt. „Mein Ziel waren 80 Prozent, deshalb bin ich sehr zufrieden“, sagt Reichelt und kündigt an, weiter investieren zu wollen, „damit es der Gemeinde gut geht“.
Große Projekte stehen auch in Seeon-Seebruck an, um die sich weiter Martin Bartlweber kümmern darf. Er erhielt als einziger Kandidat für seine Wählergemeinschaft FWS/PWT/UBS 87,1 Prozent. Darüber zeigte er sich positiv überrascht: „Wir hatten in den vergangenen sechs Jahren schwierige Themen mit Bauprojekten.“ Damit dürfte er vor allem das Großprojekt Malerwinkel meinen. „Das Ergebnis gibt einem Rückenwind für die nächsten sechs Jahre, dass der Weg der richtige ist.“
Keine Veränderung in Gstadt und Breitbrunn
Am engsten war das Rennen in Gstadt. Bernhard Hainz für die FWG sicherte sich mit 59,6 Prozent gegen Georg Anderl von der Bürgerliste (40,4 Prozent) seine vierte Amtszeit. „Das ist sehr positiv und ich bin froh, dass mir die Gemeinde wieder das Vertrauen gegeben hat. Wir haben sehr viel vor jetzt in der nächsten Zeit.“ Nicht unzufrieden zeigte sich Anderl: „Natürlich hätte ich lieber mehr geholt oder sogar gewonnen. Aber das war ein Ergebnis, das an sich nicht schlecht ist. Das Ganze hat sich für mich gelohnt.“
Das deutlichste Ergebnis erzielte Anton Baumgartner in Breitbrunn, der als einziger Kandidat für die Parteifreien/ÜWG auf 87,5 Prozent der Stimmen kam und damit seine dritte Amtszeit antritt. „Die ersten beiden Wahlen hatte ich über 90 Prozent. Mir war klar, dass ich das nicht wieder erreiche, weil über die Zeit natürlich ein paar Themen aufkommen, bei denen nicht alle immer begeistert sind“. Als Projekte für Breitbrunn nennt er die Gestaltung der Ortsmitte und ein Baugebiet für Einheimische.