Stichwahl-Showdown in Ruhpolding und Bergen

von Redaktion

Kommunalwahlen im südlichen Chiemgau mit teils überraschenden Ergebnissen – Zwei Sieger in Unterwössen

Chiemgau – „Fünf Kandidaten – Ruhpolding liefert Entertainment“ – das hatte die als krasse Außenseiterin ins heiße Bürgermeister-Rennen gegangene Sanda Pfnür schon vor der Kommunalwahl angekündigt. Und das Biathlon-Mekka, das ab 2032 wieder eine Weltmeisterschaft ausrichten will, lieferte. Statt des nach den Prognosen angekündigten Durchmarschs von Amtsinhaber Justus Pfeifer im ersten Wahlgang kommt es am 22. März zur Stichwahl.

CSU-Kandidat Pfeifer verfehlte die magische 50,01-Prozent-Marke mit einem Ergebnis von 42,3 Prozent relativ deutlich. Herausforderer im Showdown in zwei Wochen wird nicht der nur drittplatzierte Alt-Bürgermeister Claus Pichler (SPD/16,0 Prozent), sondern Xaver Utzinger (FW Ruhpolding) sein. Er erhielt starke 30,0 Prozent der Stimmen.

Verbal-Duell nach
erstem Wahlgang

„Dass ich den prognostizierten Durchmarsch des Amtsinhabers im ersten Wahlgang mit 30 Prozent verhindert habe, ist ein Super-Ergebnis. Jetzt wird es ein Kopf-an-Kopf-Rennen“, erklärte Utzinger im Gespräch mit dem OVB und ging gleich in den Wahlkampf für die Stichwahl: „Wichtig sind mir die Themen Empathie und Transparenz im Ort und dass man Dinge nicht als Gold verkauft, die nicht glänzen.“

Eine Attacke auf den Amtsinhaber, der aber mit gleicher Klinge zurückschlug. „Wir haben die Möglichkeit, in Zukunft mutige Entscheidungen zu treffen und jeden im Ort gleich zu behandeln – oder Klientelpoltik zu betreiben“, meinte Pfeifer. Der große Favorit zeigte sich trotz des verpassten Sieges im ersten Wahlgang sehr zufrieden mit dem Ergebnis und feierte mit einem gemeinsamen Essen mit (Partei-)Freunden: „Bei fünf Kandidaten ist das doch ein Superresultat.“ Allerdings deutet vieles darauf hin, dass es am 22. März zu einem dramatischen Duell um den Bürgermeister-Posten in Ruhpolding kommen könnte.

Ähnlich spannend sieht es in Bergen aus. Dort kommt es in zwei Wochen zur Stichwahl zwischen Josef Gehmacher (CSU/37,0 Prozent) und Andreas Schultes (FW/ÜW/34,1 Prozent). Katharina Hallweger von den Grünen blieb in einem engen Rennen mit 28,9 Prozent nur Platz drei. Offenbar gab es nach dem Abschied ihres beliebten Parteifreundes Stefan Schneider als Bürgermeister den Wunsch nach Veränderung im Ort. „Wir hatten zwölf Jahre einen grünen Bürgermeister im Ort. Das gibt es in Bayern auch eher selten“, kommentierte Andreas Schultes auf OVB-Anfrage.

„Das ist gelebte
Demokratie“

Er ist Geschäftsleiter im Ort und wirbt mit „20 Jahren Erfahrung in verantwortlicher Position in der Gemeinde“. Gehmacher wünscht sich vor allem, dass es bei der Stichwahl eine ähnlich hohe Wahlbeteiligung wie die 69,3 Prozent von diesem Sonntag gibt. „Das ist gelebte Demokratie. Wir werden beide wie bisher einen fairen Wahlkampf führen – dieses Miteinander zeichnet uns in Bergen aus“, so der derzeitige Zweite Bürgermeister.

In Unterwössen feierten kurioserweise gleich zwei neue Bürgermeister. Zum einen CSU-Kandidat Johannes Weber, der mit 77,6 Prozent der Stimmen zum neuen Bürgermeister der Achental-Gemeinde bestimmt wurde. Er wird damit Nachfolger seines Parteikollegen Ludwig Entfellner. Harald Beyer (WM/15,7 Prozent) und Christian Zeininger (ZfW/6,7) landeten abgeschlagen auf den Plätzen.

Weber schickte ein „Vergelt‘s Gott“ für die großartige Unterstützung an die Wähler, Familie, Freunde und Kollegen: „Es ist mir eine Herzensangelegenheit, dass wir gemeinsam die Zukunftsaufgaben anpacken und meistern.“ Konkret geht dem neuen Ortschef dabei vor allem um ein „lebendiges Dorf für alle Generationen und wichtige Infrastruktur-Maßnahmen“.

Müllinger gewinnt
in Schleching

Ob er dabei künftig auf die Unterstützung von Unterwössens Geschäftsleiter Thomas Müllinger bauen kann, ist allerdings noch ungewiss. Müllinger wurde nämlich mit überwältigender Mehrheit zum Bürgermeister der Nachbargemeinde Schleching gewählt. Mit 76,9 Prozent setzte sich der Kandidat der Bürger für Schleching im Duell um die Nachfolge von Langzeit-Ortschef Josef Loferer der Stimmen klar gegen seine CSI-Kontrahentin Katharina Gasteiger (23,1 Prozent) durch. Die Nachricht vom klaren Triumph erhielt Wahlvorstand Müllinger beim Stimmen-Auszählen in Unterwössen.

„Schleching hat nur einen ehrenamtlichen Bürgermeister. Deshalb hoffe ich, dass ich meine alte Aufgabe in Unterwössen und die neue in Schleching auch künftig miteinander verbinden kann“, sagte Müllinger und formulierte klare Ziele für seine Amtszeit: „Schleching – ob Bürger oder Gemeinderäte – soll wieder miteinander reden und zusammenhalten. Das ist meine Hauptaufgabe.“

Überraschung
in Siegsdorf

Ein klares, aber für viele sehr überraschendes Ergebnis, brachte die Bürgermeisterwahl in Siegsdorf. Mit 60,1 Prozent triumphierte der Kandidat der Unabhängigen Wähler (UW) Christian Scheck überraschend im ersten Wahlgang. Hermann Mitterer, der Bewerber für die CSU, erreichte 24,5 Prozent und der langjährige Gemeinderat Willi Geistanger, der für die Liste von Bündnis 90/DieGrünen antrat, kam auf 15,4 Prozent.

Erwartungsgemäß sind im südlichen Chiemgau die fünf Bürgermeister ohne Gegenkandidaten im Amt bestätigt worden – allerdings mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Martina Gaukler erhielt als Spitzenreiterin der Alleinkandidaten in Staudach-Egerndach 92,0 Prozent der Stimmen, im benachbarten Grassau wurde Stefan Kattari mit 91,0 Prozent bestätigt. In Vachendorf bekam Rainer Schroll 85,3 Prozent, Andreas Scheck in Marquartstein erhielt 80,9 Prozent der abgegebenen Stimmen. „Schlusslicht“ in dieser Region war in Reit im Winkl Matthias Schlechter mit 72,5 Prozent.

In der Gemeinde Inzell gab es gar keine Bürgermeisterwahl: Dort war Michael Lorenz (CSU) bereits 2024 als Nachfolger des zurückgetretenen Hans Egger (Bürger für Inzell) gewählt worden.

Artikel 2 von 11