Einziger Kandidat, aber keine Mehrheit

von Redaktion

Obwohl Armin Krämmer in der Gemeinde Chiemsee als einziger Kandidat zur Bürgermeisterwahl antrat, verfehlte er die absolute Mehrheit. Mit nur 47,7 Prozent der Stimmen wurde der Amtsinhaber nicht wiedergewählt, da die Bürger handschriftlich andere Namen auf die Wahlzettel schrieben. Nun kommt es zur Stichwahl.

Chiemsee – „Es ist natürlich schon enttäuschend für mich, wenn man keine 50 Prozent zusammenkriegt“, äußert sich Armin Krämmer, Bürgermeister der Chiemsee-Gemeinde, am Morgen nach dem kuriosen Wahlergebnis im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Als einziger Kandidat für das Bürgermeisteramt war er in der kleinsten Gemeinde Bayerns angetreten.

Absolutes Novum
im Landkreis

Dass eine Wahl ohne Gegner keine reine Formsache ist, bestätigt dieser Fall bei der diesjährigen Kommunalwahl in Bayern. „In unserem Landkreis ist das ein Novum“, teilt Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes Rosenheim, gegenüber dem OVB noch am Wahlabend mit. Krämmer ist mit mittlerweile amtlich bestätigten 47,7 Prozent nicht gewählt.

52,3 Prozent der Stimmen entfielen auf „wählerbenannte Personen“. Die spannende Frage: Gab es Absprachen unter den Insulanern? Wie viele Personen wurden benannt?

Aufklären kann Thomas Wagner, der als Geschäftsleiter der Verwaltungsgemeinschaft Breitbrunn zuständig für die Chiemsee-Gemeinde ist. „Es wurden unterschiedliche Namen aufgeschrieben“, teilt er mit. Wie eng die Wahl war, verdeutlicht ein Blick auf die Anzahl der Stimmen: 51 Menschen wählten Krämmer – 56 schrieben von Hand einen Namen darauf. Dazu gab es acht ungültige Stimmen. Macht eine Summe von 115 Stimmabgaben, was einer Wahlbeteiligung von 79,9 Prozent bei 144 Wahlberechtigten entspricht.

„Dass es knapp werden kann, habe ich schon vermutet“, sagte Krämmer der Chiemgau-Zeitung und ergänzte: „Es ist natürlich knapp ausgefallen, bei uns zählt natürlich jede Stimme.“ Nach einer Prüfung des Landratsamtes Rosenheim wird es voraussichtlich auf eine Stichwahl hinauslaufen. Dabei muss der Kandidat oder die Kandidatin mit den meisten handschriftlichen Nennungen zunächst zustimmen, ob er oder sie in der Stichwahl antreten möchte. Mit 23 Stimmen wurde Michael Lanzinger am häufigsten handschriftlich ergänzt. Dahinter folgen Helmut Niederschweiberer mit elf, Eva-Maria Neumair mit neun, Georg Klampfleuthner mit sechs Stimmen – alle drei sind mit über 100 Stimmen und damit den meisten auch in den Gemeinderat gewählt worden.

Stellt sich Krämmer
einer Stichwahl?

Dr. Dieter Melchart stand auf drei Stimmzetteln, Florian Lex auf zwei, Florian Pertl und Stefan Neuer jeweils auf einem. Kurios: Lanzinger wurde auch genau einmal handschriftlich auf dem Gemeinderatsstimmzettel ergänzt. Ob Krämmer sich einer Stichwahl überhaupt stellt, beantwortet er am Morgen der Wahlniederlage nicht eindeutig: „Ich bin mir noch nicht ganz sicher. Aber ich denke schon. Ich werde mich auf alle Fälle weiterhin meiner Aufgabe stellen und dazu gehört die Stichwahl natürlich auch.“

Bei so einem Ergebnis stellt sich natürlich auch immer die Frage, woran es gelegen haben könnte, dass das Vertrauen der Chiemseer nicht mehrheitlich auf den einzigen Kandidaten und Amtsinhaber entfiel. „Da gibt es ein paar Punkte, die ich ausbaden habe müssen als Bürgermeister, aber auch mit dem Gemeinderat“, so Krämmer, der sich auf Nachfrage nicht zu Details der „paar Punkte“ äußern wollte. Wie er das Vertrauen der Leute wieder zurückgewinnen möchte, müsse er erst mal überdenken, sagt aber auch: „Ich habe ja sehr großes Vertrauen“. Das darf bei diesem Wahlergebnis angezweifelt werden. Am gestrigen Montagabend und damit deutlich früher als geplant, tagt der Gemeindewahlausschuss. „Das ist natürlich auch eine Situation, auf die wir uns nicht vorbereitet haben, weil wir nicht damit gerechnet haben“, sagt Geschäftsleiter Wagner.

Vertrauen
zurückgewinnen

Es werden jetzt alle aus dem Gremium zusammengetrommelt, um festzulegen, „dass der Kandidat nicht die Hälfte oder nicht mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen hat und es nach dem Gesetz in diesem Fall eine Stichwahl gibt.“

Artikel 2 von 11