Unterwössen – Langer Beifall brandete auf, als Johannes Weber (CSU) gegen 19.40 Uhr den Raum im Restaurant Lickei betrat. Da stand längst fest: Mit 77,6 Prozent der Stimmen übernimmt er das Bürgermeisteramt in Unterwössen. Gleichzeitig zieht die neue Wählergemeinschaft „Wössen Mitnand“ (WM) aus dem Stand in den Gemeinderat ein. 1.552 Wähler gaben ihr Kreuz an Johannes Weber.
Im Restaurant Lickei verfolgten die CSU-Anhänger den Wahlabend. Altbürgermeister Hans Haslreiter (CSU), aber auch die Gemeinderäte Phillipp Weißenbacher (FWG Wössen e.V.) und Markus Entfellner (FDP/UWW) waren unter den Gästen. Als der Wahlsieger eintraf, gab es Begeisterungsrufe und lang anhaltenden Beifall.
Bald darauf erschien die Konkurrenz um den Bürgermeistersitz, Harald Beyer, und der bisherige CSU-Gemeinderat Thomas Ager. Harald Beyer trat für die neue Liste „Wössen Mitnand“ (WM) an und holte aus dem Stand 313 Stimmen (15,7 Prozent). Thomas Ager war bisher CSU-Gemeinderat und kandidierte nun für WM erfolgreich (511 Stimmen) für den Gemeinderat. Beide gingen auf Johannes Weber zu und gratulierten dem künftigen Rathauschef persönlich. Der dritte Kandidat, Christian Zeininger („Zukunft für Wössen“), verbuchte am Ende 134 Stimmen (6,7 Prozent).
Im Café Foglwuid versammelte sich zeitgleich das Lager der WM. Die erst kürzlich gegründete Wählergruppe trat mit dem Anspruch an, als Sprachrohr die Diskussionen der Bürgerstammtische direkt in das politische Gremium zu tragen. Die Wähler belohnten diesen Ansatz: 5.147 Listenstimmen (17,2 Prozent) bedeuten den sofortigen Einzug. Tobias Maier, Thomas Ager und Helmut Bachmann nehmen künftig für die Fraktion am Ratstisch Platz.
Ein Blick auf die detaillierten Zahlen der Stimmbezirke offenbart die Besonderheiten der Doppelgemeinde. Im Stimmbezirk 3, dem Schulhaus Oberwössen, zeigt sich ein gewohntes Bild. Dort deklassiert die Oberwössner Wählergruppe (OWG) bei den Urnenwählern die dominierende CSU mit dem Oberwössner Johannes Weber. Mit 1.370 zu 994 Stimmen lässt die OWG die Christsozialen in diesem Ortsteil deutlich hinter sich. Lokales Zugpferd ist Balthasar Haßlberger, der über alle Bezirke hinweg 927 Stimmen auf sich vereint.
Entschieden wurde diese Wahl jedoch größtenteils an den Küchentischen, nicht in den Kabinen. 1.263 Bürger nutzten die Briefwahl, lediglich 770 traten den Gang in ein Urnenwahllokal an. Insgesamt gaben 2.033 der 3.064 Wahlberechtigten ihre Stimme ab, was einer guten Wahlbeteiligung von 66,4 Prozent entspricht.
Die CSU bleibt mit 43,1 Prozent die bestimmende Kraft und füllt künftig sieben Sitze. Die OWG behauptet ihre drei Mandate (17,5 Prozent). Die Grünen rutschen auf 11,1 Prozent (-5,0 Prozentpunkte) ab und entsenden Gabriele Neubert sowie Florian Demmel in den Rat. Den härtesten Einbruch verzeichnet die FDP/UWW. Sie stürzt um 6,5 Prozentpunkte auf 9,0 Prozent ab und stellt mit Neuling Andreas Bär nur noch einen Rat. Das Wahlergebnis verschiebt bisherige Mandatsträger auf die Nachrückerplätze. Bartholomäus Irlinger (OWG), Andrew Lloyd (Grüne) und Markus Entfellner (FDP/UWW) verpassen den direkten Einzug in das neue Gremium. Auch Ute Haag (parteilos), Claudia Schweinöster (FDP/UWW) und Phillipp Weißenbacher (FWG Wössen e.V.) gehören dem künftigen Rat nicht mehr an. Sechs Plätze am Ratstisch zeigen neue Gesichter. Für die CSU zieht Andreas Nieß mit 909 Stimmen neu in den Gemeinderat ein. Für die OWG ist neu Stefan Steiner dabei (698). Bei den Grünen sichert sich Florian Demmel (671) erstmals ein Mandat. Für die FDP/UWW steht Andreas Bär (476) als einziger Vertreter. Neueinsteiger sind auch Tobias Maier (WM, 614) und Helmut Bachmann (WM, 511 Stimmen).
Das sind nicht die einzigen Veränderungen im Unterwössner Rathaus. Der Unterwössner Verwaltungsleiter Thomas Mülliger wird ehrenamtlicher Bürgermeister seines Heimatortes Schleching.
Die Stimmen für den Kreistag in Traunstein waren am Montagmittag noch nicht ausgezählt. Das Rennen um die Mandate im künftigen Kreistag entscheidet sich für die Unterwössner Kandidaten erst durch die Auszählung der persönlichen Stimmen. Philipp Weißenbacher (Freie Wähler) benötigt von Listenplatz 19 bei geschätzten 14 Sitzen seiner Gruppierung (20,4 Prozent) ebenso ein überdurchschnittliches Einzelergebnis für den Einzug wie Gabriele Neubert (Bündnis 90/Die Grünen), die bei voraussichtlich neun Mandaten für ihre Liste (13,4 Prozent) von Platz 13 startet. Äußerst unwahrscheinlich ist der Einzug hingegen für Wolfgang Aberger und Maximilian Kuba (beide BP/CRL): Sie kandidieren auf den hinteren Plätzen 42 und 43 für eine Liste, die bei 2,8 Prozent der Stimmen voraussichtlich nur zwei Vertreter in das Gremium entsendet. lfl