Schwierige Parkplatzsituation

von Redaktion

Um Wohnmobile und Anhänger von den Straßenrändern zu bekommen, wird in Prien eine dauerhafte Parkmöglichkeit mit elf Plätzen geschaffen. Nicht nur Bürgermeister Andreas Friedrich sprach sich dagegen aus, auch den Grünen waren die notwendigen Baumfällungen ein Dorn im Auge. Die Kosten sind bereits beschlossen.

Prien – Bürgermeister Andreas Friedrich leitete bei der jüngsten Gemeinderatssitzung in den Tagesordnungspunkt vier ein. Der „Runde Tisch Verkehr“ sowie der Haupt- und Werkausschuss befassten sich mehrfach mit der Parkraumproblematik in den Wohngebieten. Daraus ergab sich eine Prüfung eines kostenpflichtigen Parkplatzes für Anhänger, Wohnmobile und Wohnwägen auf den gemeindlichen Grundstücken hinter der Esso-Tankstelle an der Bernauer Straße. Dabei soll zunächst nur das südliche Grundstück in Betracht gezogen werden. Nach Aufrufen im Marktblatt sowie Aushängen an geparkten Fahrzeugen konnten sich Interessierte beim Rathaus melden.

In 16 Jahren
amortisiert

Gemeldet hatten sich sechs Interessierte. Als Gesamtkosten wurden 40.000 Euro veranschlagt. Das entspräche über 3.000 Euro pro Stellplatz, da maximal elf Stellplätze auf dem Gelände ausgewiesen werden können. „Das ergibt eine Amortisationszeit von 16 Jahren“, rechnete der Bürgermeister vor – mit der Annahme, die Hälfte der Plätze werde belegt und ein Monatsticket koste 35 Euro. Auch wenn es bei einer Vollauslastung acht Jahre seien, „für so viel Geld bekommen wir zu wenige unter“, schwang Friedrichs ablehnende Haltung mit. Peter Fischer (ÜWG) argumentierte für den Parkplatz: „Es sei zwar viel Geld, aber immerhin haben wir ein Angebot“. Angela Kind (Grüne) konterte, sah aber nicht die Finanzierung als Problem: „Wir haben da einen Wald, das ist wichtig. Und die Anzahl an Plätzen ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Martin Aufenanger (Freie Priener) sah die Amortisationszeit von acht Jahren nicht als zu lange an, „wenn wir jetzt nichts machen, ist der Leidensdruck viel größer.“ Auch Marion Hengstebeck (BfP) und Sepp Schuster (AfD) sprachen sich dafür aus. Gunther Kraus brachte noch das Argument ein, dass leere Plätze an Gewerbetreibende vermietet werden könnten.

Sonja Werner (Grüne) schloss sich ihrer Fraktionskollegin an und fragte in die Runde, wo denn der Unterschied zwischen parkenden Wohnmobilen und Autos sei. „Warum stören wir uns an Womos, aber nicht an den Autos?“ Fischer sah zum Schluss das Problem der gefällten Bäume als nicht so gravierend an, „wir müssen ja nicht jeden Baum wegnehmen und es geht ja erst einmal nur um den südlichen Teil der Fläche.“ Bei der Abstimmung gingen fünf Hände gegen den Parkplatz in die Höhe – auch die des Bürgermeisters. Damit stand der Beschluss zur Errichtung eines Parkplatzes mit 16 Stimmen fest. Nach einer deutlich kürzeren Diskussion erhielt der Vorschlag, für ein Monatsticket 45 Euro und einem „Jahrespass“ 450 Euro zu verlangen, 19 Stimmen, bei zwei Gegenstimmen aus der Fraktion der Grünen.

„Auch das ist Demokratie, der Bürgermeister hat auch nicht immer recht“, äußert sich Friedrich nach der Sitzung gegenüber dem OVB. Er habe aus wirtschaftlichen Gründen dagegen gestimmt, „weil die Resonanz der Bürger auf die Anfrage, ob sie einen Stellplatz bei uns mieten würden, doch etwas zurückhaltend war“. Dies könne sich ändern, wenn der Platz erst mal da sei und er denke, die Parkmöglichkeit werde dann auch angenommen. Das Baumproblem sehe er nicht so schwerwiegend. Friedrich sprach dabei von „Büschen“, die auf dem teilweise bereits versiegelten Boden entfernt werden. Auf dem Grundstück befinden sich derzeit noch Fundamentreste von einem alten Schuppen – darauf und drumherum wachsen zahlreiche Jungbäume.

„Der Bürgermeister hat nicht immer recht“

Nach dem Gespräch mit dem Bürgermeister blieben nur zwei Tage, die Baumarbeiten anzugehen, da diese nur noch im Februar erfolgen konnten. Dies geschah auch noch – sehr zum Leidwesen von Umweltreferentin Kind, die sich mit Bildern an die Chiemgau-Zeitung wandte. Ihre Sorge: Prien werde immer mehr versiegelt. Der Wendelsteinpark sei mittlerweile kein Park mehr.

Kritisch sehe sie vor allem, ob die Wohnmobile wirklich von den Straßenrändern verschwänden, denn: Im Marktgemeinderat wurde kein Parkverbot für die Gebiete mitbeschlossen.

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