Chiemgau – In Übersee gibt es eine neue stärkste Fraktion, nämlich die Freie Bürgerliste um Bürgermeister Herbert Strauch. Von vier auf sieben Sitze wuchs der Einfluss im Rat für die kommenden sechs Jahre. Damit überholte die FBL die CSU und vor allem GfÜ (Gemeinsam für Übersee) die von sechs Plätzen auf nur noch drei kommen. Strauch hatte schon ein gutes Gefühl für die Wahl, aber mit sieben Sitzen hatte er nicht gerechnet.
„Wir haben die jüngste Liste ins Rennen geschickt, aber auch eine Liste mit vielen erfahrenen Leuten, die schon Verantwortung im Ort, wie in Vereinen oder Betrieben übernehmen“, fasst Strauch den Schlüssel zum Erfolg zusammen.
Der Bürgermeister merkt auch an, dass durch die Mehrheit im Rat und ihn als Bürgermeister die FBL zukünftig „ein Stück weit in die Pflicht genommen wird“. Stefan Haneberg von GfÜ sieht den Verlust so: „Herr Strauch hat als Bürgermeister einen überragenden Erfolg erzielt, hat extrem hohe Beliebtheitswerte. Und da hat es in meinen Augen eine Verlagerung gegeben von der einen freien Wählergruppierung in die andere.“
Ausgeglichene Verhältnisse wird es künftig auf der anderen Seite des Chiemsees, in Breitbrunn, geben – wenn da nicht die Stimme des Bürgermeisters wäre. Die parteifreie ÜWG kommt wie die Bürgerliste Breitbrunn auf jeweils sechs Sitze. Bürgermeister Anton Baumgartner von der ÜWG hat ebenfalls eine Stimme im Rat. Seine Fraktion war bisher mit acht Köpfen gegenüber den vieren der Bürgerliste überlegen. „Dass wir Sitze verlieren werden, das war eigentlich erwartbar, weil wir bei der letzten Wahl 24 Kandidaten hatten“, so der Bürgermeister, in diesem Jahr waren es zwölf Kandidierende auf der ÜWG-Liste. Sabine Huber ging auf Listenplatz eins für die BL in die Wahl. Sie freut sich über das Ergebnis, auch wenn sie es ein Stück weit erwartet hat. „Egal ob ÜWG oder BL, wir sind ja keine Parteien und es gibt vorab keine Absprachen. Alle wählen so, wie sie es selbst empfinden. Im Grunde haben beide Listen ähnliche Ziele und es gibt keine Konkurrenzsituation.“
Auch Ludwig Ziereis und Hans Wallner sind bisher nicht als Konkurrenten aufgetreten. Die beiden Männer der Priener CSU-Fraktion standen sich allerdings am Montagabend im Wahlausschuss der Marktgemeinde gegenüber – es musste gelost werden, wer zukünftig weiter im Rat sitzt und wer nicht. Beide erhielten 2.032 Stimmen, das Los entschied: Ziereis darf weiter im Rat die Kommunalpolitik gestalten. Wahlleiter Donat Steindlmüller beschreibt gegenüber dem OVB den Vorgang: „In Deutschland ist vieles geregelt, so auch dieses Losverfahren: Ein Mitglied aus dem Wahlausschuss zieht die Lose. Dafür haben wir zwei gleich große Zettel genommen, mit den jeweiligen Namen. Dann haben die Losfee und die beiden Kandidaten den Raum verlassen und die Zettel wurden gleich hergerichtet.“
Aus einem großen Behältnis wurde dann der Zettel mit Ziereis‘ Namen gezogen, der die Wahl auch annahm. „Soweit ich das wahrgenommen habe, sind die beiden Bewerber sehr sportlich damit umgegangen“, so Steindlmüller. Aus Sicht von CSU-Fraktionschefin Annette Resch war der Losentscheid einer von drei frustrierenden Momenten, „obwohl wir relativ zufrieden mit dem Ergebnis sind“. Als weitere negative Sache nannte Resch das Ausscheiden vom langjährigen Gemeinderat Gunther Kraus, „er war sehr fleißig und hat sich eben auch sehr viel engagiert“. Und obwohl die CSU ihr 2020-Ergebnis um 3,4 Prozentpunkte erhöhen könnte, reichte es nicht für einen zusätzlichen Sitz, merkt Resch an.
Mit acht Sitzen bleibt die CSU stärkste Fraktion im 24-köpfigen Marktgemeinderat, gefolgt von den Grünen und der ÜWG mit jeweils fünf Sitzen – die ÜWG sicherte sich einen zusätzlichen Platz. Auch sonst bleibt im Rat alles beim Alten. Die ÜWG übernahm den einzigen Platz, der durch das Ausscheiden der AfD frei wurde. Auffällig ist in Prien, dass sich die Anzahl an Frauen um zwei auf jetzt zehn Plätze erhöht hat. Die Grünen werden künftig von vier Frauen vertreten sein. Bei der CSU waren unter den vier meistgewählten Personen drei Frauen, allen voran Stimmkönigin Rosi Hell mit 3.378 Stimmen. Auf Platz drei folgte Verena Stephan als Neuzugang, gefolgt von Resch.
„Ich glaube, es setzt sich immer mehr durch, dass es den Leuten wichtig ist, die Listen paritätisch zu besetzen – so werden auch mehr Frauen gewählt. Da hat sich gesellschaftlich ein wenig zum Positiven geändert“, schätzt Resch die zehn Frauen im Rat ein.
Die CSU baut ihren Platz als stärkste Fraktion im Gemeinderat um einen Platz auf nun acht aus. Die Freien Wähler verdoppelten ihre Sitze von zwei auf jetzt vier. Die SPD schied durch Nichtantreten mit zwei Plätzen aus. Auch die Bernauer Liste büßte einen Sitz ein. In Chieming gewann die CSU zwei Plätze – einen von den Grünen, einen von der Chieminger Liste. In Grabenstätt verlor die CSU ein wenig, die Freien Wähler legten dafür zu.