Grassau – Der bairische Dialekt hat seine Eigenheiten, vor allem, wenn Orientierung gefragt ist. Einen Dialektbayern nach dem Weg zu fragen, ist deshalb äußerst schwierig. „Da gehst dann da aufe, drahst obn um, geht’s owe, a Stückerl ause, recht ume, links hino“ oder so ähnlich. Wer dann richtig ankommt, kann sich freuen. In seiner sehr humorvollen Art nahm Gustl Lex sein aufmerksames Publikum in der Grassauer Bücherei mit auf Erkundung.
Mit diesem Andrang hatten die Büchereifrauen nicht gerechnet und so mussten weitere Stühle herangeschafft werden, um den Gästen einen Platz anbieten zu können. Grund für den Besuch war Gustl Lex, der auf Einladung der Büchereimitarbeiterin Angelika Drost nach vielen Jahren einmal wieder nach Grassau kam. Obwohl, eigentlich wäre Grabenstätt gar nicht so weit weg, oder hat er sich nicht zurechtgefunden, schließlich ist es mit dem bairischen Orientieren nicht einfach. „Jeder Ochs hat früher die Richtung gewusst“, meinte Lex und zitierte ein paar einfache Kommandos. Doch mit den Richtungsadverbialien, und von diesen gibt es in Bayern viele, haben die meisten Probleme. Wie sagte Karl Valentin trefflich: „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.“ Schon regionale Unterschiede reichen zur Verwirrung. Sich richtig zu artikulieren, hängt maßgeblich davon ab, wo man sich befindet, wusste der Dialektexperte. „Kim eine und geh eine“, sei so eine Aussage. Fragt da jemand, der bereits im Haus ist, oder der von draußen jemanden hinein bittet? Und wann wird eigentlich „nunter“ statt „obe“ gesagt? Ab hier kamen eindeutig nicht sattelfeste Bayern an ihre sprachlichen Grenzen. Dem Publikum gefiel es, und die Erklärungen waren einleuchtend und lustig zugleich. Noch schwieriger wird es, wenn es aus der eigenen Gemeinde hinausgeht, vielleicht „ause in d‘Welt, oder obe nach Laufa“, nach Minga aufi. Von Grabenstätt aus gehe man nach Bergen und nach Grassau „eine“ und nach Reichenhall „obe“. Von Chieming nach Seeon fährt man „ause“, nach Niederbayern „obe“, in den Boarischen Wald und in die Schweiz „eine“, zum Bodensee „ause“. Nur Sibirien, das liegt eindeutig hint und Tschechei ent. Was jedoch drent hinda Minga aufe zurwe liegt, ist heute nicht mehr bekannt. Heute reise der Bayer gerne in der Welt herum, meinte Lex. Doch nach vier Wochen packt einen dann das Heimweh. Wenn man dann aus der Ferne bereits die Kampenwand erspäht und vom Bernauer Weg runter zum Chiemsee sieht, ist jeder wieder glücklich, zu Hause zu sein. „Bei uns is halt scho besonders schee“, sagte er und alle stimmten ihm zu. Er habe einmal Besuch aus Wanne-Eickel gehabt. „Die sind doch tatsächlich nach den See gelaufen.“ Ein Bayer geht zum Skifahren und ein Preuße fährt zum Skilaufen, erklärte er.
Natürlich folgten auch einige lustige Reisegeschichten, unter anderem eine mit zwei Müttern, die mit ihren Kindern von Bergen aus mit der Bahn nach Prien wollten, Probleme mit dem Fahrkartenautomaten hatten und letztlich einen sehr erlebnisreichen Tag mit vielen Unwägbarkeiten erleben. So richtig lustig und ein Angriff auf die Lachmuskeln war die Geschichte zweier Bayern, die in Griechenland Urlaub machten und das erste Mal fern der Heimat mit unterschiedlichen Menschen und Kulturen konfrontiert wurden.
Mit diesem Abend traf die Grassauer Bücherei voll ins Schwarze, und noch lange wurde überlegt, ob man nun ume, aufe, obe, hinum, herum, nunter, nei, eine, aschling geht.
Musikalische Unterstützung wurde Gustl Lex von dem jungen Samuel Polleichtner, der beschwingt durch den Abend führte. tb