Alles offen auf der Fraueninsel

von Redaktion

Nach geplatzter Stichwahl überlegt jetzt auch Chiemsee-Bürgermeister Armin Krämmer, ob er noch mal antritt

Fraueninsel – Ungemein enttäuscht sei er, sagt der amtierende Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee, Armin Krämmer, nach dem Ausgang der Bürgermeisterwahlen, die im Rahmen der Kommunalwahlen stattfanden und nun schon beinahe eine Woche her sind. Nach der Absage von Michael Lanzinger, der sich nicht einer Stichwahl stellen möchte, will sich auch Krämmer für seine Entscheidung noch Zeit lassen.

Die bislang „einzigartige Situation“ forderte auch Thomas Wagner, den Geschäftsführer der Gemeinschaftsverwaltung auf dem Festland. Denn jetzt ist wieder die freie Wahlliste am Zug. Wie berichtet, war Lanzinger „Stimmenkönig“ bei den „handgeschriebenen“ Bürgermeisterkandidaten, und Krämmer blieb unter 50 Prozent.

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Kandidaten

Wie Amtsleiter Thomas Wagner schilderte, habe er nach der Absage von Michael Lanzinger, nicht zur Stichwahl antreten zu wollen, erst einmal die Rechtsaufsicht des Landratsamtes Rosenheim angerufen. Demnächst werde auch der Wahlausschuss wieder tagen, denn jetzt gehe es in eine Wiederholungswahl, so Wagner. Ab dem Stichtag der „Stichwahl“, also ab dem 22. März, müsste diese dann innerhalb von drei Monaten stattfinden.

Zum Hintergrund: Von den 144 Wahlberechtigten gaben 115 ihre Stimme ab, gültig waren aber nur 107. Acht verschiedene Insulaner-Namen schrieben dann etliche Wähler in das leere Feld bezüglich weiterer Kandidaten. Mit 23 holte Michael Lanzinger, der nach sechs Jahren auch nicht mehr für den Gemeinderat kandidierte, die meisten der „handgeschriebenen“, dahinter folgte Helmut Niederschweiberer mit elf Stimmen. Damit kam der amtierende Bürgermeister Krämmer nicht über die notwendigen 50 Prozent.

Der Gesetzgeber hat nun klare Regeln vorgeschrieben, und so musste sich Lanzinger bis zum 10. März um Mitternacht erklären. Lanzinger, ein Mann mit klarer Meinung auch im Gemeinderat, tat dies und betonte, die Wähler hätten sich nicht nur für ihn, sondern eben auch für andere entschieden und er trete nicht zur Stichwahl an. Jetzt ist wieder alles offen, denn nominiert ist bislang nur Armin Krämmer. Als mögliches Szenario nennt Wagner die Möglichkeit, dass die freie Wählerliste wieder eine Nominierungsversammlung bezüglich des Bürgermeisters durchführt und Kandidat wird, wer die meisten Stimmen auf sich vereint. Dazu kann es aber nur kommen, wenn Krämmer erklären sollte, dass er nicht noch einmal für die Wahl zur Verfügung stehe. Wie berichtet, hatte sich bei der Aufstellungsversammlung der „Insel-Liste“ im Dezember nur Armin Krämmer bereit erklärt, als Bürgermeister zu kandidieren. Kein weiterer Kandidat warf Ende vergangenen Jahres seinen Hut in den Ring. 2020 war es
noch anders. Der frühere Bürgermeister Georg Huber trat nach 24 Jahren nicht mehr an, und bei der Aufstellungsversammlung unterlag Michael Lanzinger seinem Mitwettbewerber Armin Krämmer bei der Nominierung ums Amt. Krämmer wurde im März 2020 mit 94 Stimmen (rund 70 Prozent) zum Bürgermeister gewählt.

Armin Krämmer erklärt im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, dass er sich im Grunde nicht vorstellen kann, was er bei seiner Amtsführung in den vergangenen sechs Jahren falsch gemacht habe. Er betont, dass es ihm hinsichtlich der komplizierten Situation auf der Insel, gerade was die Genehmigungsbehörden anbelangt, immer darum gegangen sei, Kompromisse zu finden. Sich sozusagen bei den Verhandlungen mit den Behörden des Landratsamtes Rosenheim und Traunstein sowie der Bayerischen Schloss- und Gartenverwaltung nicht die Tür selbst zuzuschlagen.

„Bei uns im Gemeinderat wird immer viel diskutiert“, schildert er den Verlauf der Sitzungen der vergangenen Legislaturperiode, aber selten seien Entscheidungen im achtköpfigen Gremium knapp ausgegangen. „Ich wäre auch in die Stichwahl gegangen. Ich ducke mich nicht weg“, betont Krämmer. Jetzt ist die Situation eine andere, und er müsse seine Entscheidung nun mit der Familie beraten.

Hoher Aufwand
und offene Zukunft

Keinen Zweifel lässt Geschäftsleiter Wagner, wie sehr sich der Zeitaufwand und die Arbeit eines ehrenamtlichen Bürgermeisters (für eine der kleinsten Gemeinden Bayerns) verändert habe. „Das ist schon ein brutaler Zeitaufwand“, unterstreicht auch Bürgermeister Armin Krämmer und nennt jede Menge Insulaner-Themen, die es noch zu bewältigen gelte. „Aber Sie hören von mir“, verspricht er und macht seine Entscheidung auch vom Zuspruch in der nächsten Zeit abhängig.

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