Fraueninsel – „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not.“ Mit diesem Sprichwort mahnte Kämmerer Karl-Heinz Heitauer bei der Bürgerversammlung auf der Fraueninsel, den finanziellen Spielraum der Gemeinde Chiemsee nicht sofort neu zu verplanen.
Zwar konnte die Gemeinde im Jahr 2025 rund 271.189 Euro bei den Gewerbesteuereinnahmen verzeichnen, was deutlich über den ursprünglich im Haushalt eingeplanten 100.000 Euro lag. Doch Heitauer warnte, dass diese hohen Einnahmen der Gemeinde in spätestens zwei Jahren über eine höhere Kreisumlage wieder auf die Füße fallen würden.
Gesamthaushalt bei
knapp zwei Millionen Euro
Im „Klosterwirt“ berichtete Heitauer über die finanzielle Ausstattung der Gemeinde Chiemsee. Der Gesamthaushalt belief sich im Jahr 2025 auf 1.973.942 Euro, wovon 1,27 Millionen Euro auf den Verwaltungshaushalt und 697.542 Euro auf den Vermögenshaushalt entfielen.
Durch die unerwartet hohen Gewerbesteuereinnahmen beliefen sich die gesamten Einnahmen der Gemeinde auf 538.928 Euro. Heitauer führte aus, dass im Bereich der Abgaben und Gebühren unter anderem die Betriebseinnahmen der Lastenfähre netto 129.239 Euro, die Abwassergebühren 86.046 Euro, die Investitionspauschale im Rahmen des Finanzausgleichs 137.500 Euro sowie die Schlüsselzuweisung 24.392 Euro betrugen.
Bezüglich der gemeindeeigenen Tankstelle schlüsselte er die verkaufte Benzinmenge auf, die von 27.379 Litern im Jahr 2024 auf 25.968 Liter im Jahr 2025 leicht gesunken sei. Die Jahresrechnung bezüglich der Umsätze des Lastenfährbetriebs liege mit 136.922 Euro fast unmittelbar auf dem geplanten Ergebnis von 137.000 Euro, informierte Heitauer. Er wies außerdem auf die Investitionskostenrücklage in Höhe von 12.000 Euro hin, die die Gemeinde „zur Seite gelegt hat“, „weil sich der Betrieb je selber tragen soll“.
Die Anregung aus dem Gemeinderat aufgreifend, stellte er auch den Treibstoffverbrauch der Fähre über die Jahre dar. Tatsächlich sei der Verbrauch in den vergangenen sieben Jahren im Jahr 2022 mit 12.108 Litern am höchsten gewesen, gefolgt vom Jahr 2025 mit 11.927 Litern. Auch die Einnahmen der Gemeinde durch die Abwassergebühren thematisierte er. Mit Blick auf die Abwassermenge sei diese in den vergangenen vier Jahren mit circa 19.500 Litern konstant geblieben. Den Wasserverbrauch der Insel bezeichnete er als „stabil“, was sich ebenfalls durch die Einnahmen und die Aufwendungen widerspiegele.
Heitauer präsentierte auch die Zahlen des Christkindlmarkts 2025. Netto bezifferte er die Einnahmen aus den Getränkebändern auf 43.614 Euro, die Sponsoren standen für 43.429 Euro gerade und der Tassenverkauf lag bei 8.223 Euro. Gesamtausgaben von 109.524 Euro standen Einnahmen in Höhe von 109.583 Euro gegenüber. Bei den Ausgaben dominierte im Jahr 2025 die Kreisumlage in Höhe von rund 176.679 Euro und die Umlage an die Verwaltungsgemeinschaft, die sich auf 103.867 Euro belief. Für die Betriebsumlage des AUV schlugen 44.334 Euro zu Buche.
„Die Kreisumlage ist im Gegensatz zu 2024 um 0,77 Prozent gestiegen“, erläuterte Heitauer den größten Ausgabeposten und warnte: „2027 wird sie auch wieder steigen“.
Hoch interessant waren seine Ausführungen zur sogenannten „Statistikecke“. Er informierte, dass die drei Gemeinden mit insgesamt 3.000 Einwohnern 28 gewerbliche Betriebe führten. Den Gesamthaushalt bezifferte er für Breitbrunn, Gstadt und Chiemsee auf 19,5 Millionen Euro.
Auch wenn die Buchungsvorgänge in ihrer Gesamtheit von 2025 auf 2024 leicht zurückgegangen seien (90.208 Buchungen, minus 2,05 Prozent), ergebe sich über die vergangenen zehn Jahre doch eine kontinuierliche Steigerung, so Heitauer. Auf der Agenda der Gemeinde stehen finanzielle Projekte wie Investitionen in den Bereich der Feuerwehr (knapp 36.000 Euro), für das WVF Clubheim (15.000 Euro), die Dachsanierung des Bauhofs mit knapp 20.000 Euro und der Wegebau mit knapp 71.000 Euro.
Gelder für
Projekte zurückgestellt
Geld zurückgestellt hat die Gemeinde auch für die Sanierung des Wertstoffhofs (18.420 Euro), eine geplante Infotafel und Ausstattung für den Friedhof (25.000 Euro), rund 90.874 Euro für die immer noch nicht realisierten öffentlichen Toiletten und knapp 700.000 Euro für den Grunderwerb. Die „echten“ Rücklagen bezifferte Heitauer auf 139.271 Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung stieg von 477 Euro im Jahr 2024 auf 564 Euro, was auch auf die Abnahme der Bevölkerung von 220 (Stand Ende 2024) auf 172 Einwohner zurückzuführen ist.