Inzell – „Es werden immer mehr und das trägt zum geschichtlichen Hintergrund in der Gemeinde bei“, freut sich Inzells Heimatpfleger Markus Preinfalk, der mit dem zweiten Vorsitzenden des Verkehrs- und Heimatvereins, Herbert Öttl, wieder im Ort unterwegs war und einige neue Schilder verteilte. Überreicht wurden diese an die jeweiligen Familien Schrittenlocher, Kamml und Reiter.
Oftmals eine
aufwendige Recherche
Es ist keineswegs ein Selbstläufer, die ganze Geschichte eines Gebäudes zurückzuverfolgen. Viele Details müssen zusammengefügt werden und eine aufwendige Recherche ist oftmals notwendig. Doch durch alte Aufzeichnungen gelingt dies in den meisten Fällen, und Heimatpfleger Markus Preinfalk ist hier sehr akribisch, um alle Daten zusammenzuführen.
Die gesammelten Fakten werden dann niedergeschrieben und auf dem jeweiligen neuen Hausschild, einer Einzelanfertigung, am Gebäude angebracht. Somit ist es möglich, auch für Außenstehende und Gäste die Geschichte der alten Häuser in Inzell genau nachzuverfolgen. Es ist immer wieder interessant, welche Geschichten hinter den jeweiligen Gebäuden stecken. Allein die alten Bilder sagen viel über die Entwicklung eines Hauses aus und geben Zeugnis über den Zustand von früher.
Die Vorbereitung einer solchen Maßnahme kann natürlich nicht von heute auf morgen umgesetzt werden, denn jede Tafel ist ein Einzelstück und soll die Geschichte des jeweiligen Hauses nachvollziehbar wiedergeben. Es müssen die entscheidenden Bilder ausgesucht, Texte abgestimmt und auch der richtige Platz zur Anbringung gefunden werden.
Die Idee, alte Gebäude mit informativen Schildern zu versehen, stammte damals von Alfons Schrittenlocher mit seiner Vorstandschaft sowie Heimatpfleger Markus Preinfalk. Schrittenlocher stellte dieses Vorhaben auch in der Gemeinderatssitzung vor. Die Zustimmung war groß und man ging ans Werk. Somit wurde auch eine offizielle Hofbeschriftung an Familie Schrittenlocher überreicht.
Das Grundstück an der B306 wurde 1931 gekauft und es folgte der Bau eines Einfamilienhauses durch Ludwig Schrittenlocher. Ein Jahr später kam der Anbau einer Stallung für zwei Großvieheinheiten. 1963 folgte die Übernahme des Anwesens durch Sohn Alfons mit Frau Mathilde.
Man erkannte früh den Lauf der Zeit und daher wurde 1969 die Stallung zurückgebaut. Es entstanden Gästezimmer mit Dusche und WC – eine der ersten Fremdenpensionen in Inzell. 1994 ging die Verantwortung der Pension über an Sohn Alfons Schrittenlocher mit Frau Edith. 2021 kam es zum Umbau in zeitgemäße, exklusive Ferienwohnungen. Seit 2024 führt Tochter Cornelia Stöger den Betrieb in vierter Generation.
Ganz genau lässt es sich nicht mehr feststellen, doch das Anwesen „Der Wirtschmied“ dürfte dem Baustil nach um das Jahr 1600 erbaut worden sein. Damit zählt das Gebäude in der Ortsmitte neben der Kirche zu den ältesten Häusern in Inzell. Durch zahlreiche Umbauten im Laufe der Jahrhunderte sind nur noch die alten Grundmauern erhalten. Es beherbergt seit seiner Erbauung einen der ältesten Handwerksbetriebe in Inzell.
Die Schmiede gehörte ursprünglich zur „Taferne“ und war dem Wirt zu eigen, der die Schmiede in Pacht gab. Nachgewiesen ist die erste Erwähnung 1668 in den Pfarrmatrikeln. Adam Reuther, Wirtssohn und Schmied mit Frau Margarethe Gruber, ist dort zu lesen. 1695 übernahm der Schmied Philipp Fesenmayr mit Salome Klapf zunächst die Schmiede zur Pacht, ehe 1744 dessen Nachkommen das Anwesen käuflich erwarben.
1965 übernahm Josef Fesimaier mit Helgard Heilig die Schmiede, die sich zu einem Fachbetrieb für Heizungsbau, Sanitär und Spenglerei weiterentwickelte. Die Hausbesitzer tragen seit über 300 Jahren den Namen Fesimaier. Im Jahre 2005 übernahmen Franz und Maria Kamml, geborene Fesimaier, das Anwesen und führen den Handwerksbetrieb seitdem weiter.
Ein Haus in der Inzeller Filzen zu errichten war Mitte der 1920er-Jahre keineswegs ohne Bedenken. Es gehörte Mut dazu, und den hatte 1927 Pauli Reiter und seine Frau Anna, denn keiner wusste genau um die Bodenverhältnisse Bescheid.
Pauli war Mineur beim Bau der Queralpenstraße 1936 und war daher auch mit der Materie von Baumaßnahmen vertraut. Seine Frau Anna hatte das Amt der ersten Postbotin in der Gemeinde Inzell inne. 1962 erfolgte die Übernahme, verbunden mit einem Umbau durch Sohn Hans Reiter und dessen Frau Maria, die in den Jahren 1959/60 das nebenstehende Gebäude „Lucia“ errichteten. 1995 übernahmen dann nach einer Renovierung Peter Reiter mit Frau Gabi das Haus und wohnen seither im ersten Haus in der Inzeller Filzen.
Weitere Interessenten
können sich melden
Auch in Zukunft werden weitere Haus- und Hofschilder in Inzell übergeben. Wer Interesse bekundet, dass das eigene Anwesen auch in die Liste der erwähnenswerten Gebäude aufgenommen wird, kann Kontakt aufnehmen mit Inzells Heimatpfleger Markus Preinfalk, Telefon 0151/ 54844830, oder sich bei der Verkehrs- und Heimatvereinsvorsitzenden Cornelia Stöger melden.