Kammer – Dank konsequenter Bejagung der Rehe hat sich das ehemalige Problemrevier Kammer Nord zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt, in dem die Naturverjüngung jetzt wieder mustergültig funktioniert. Jagdvorsteher Dr. Josef Schuhbeck gab dies in der Jahresversammlung der Jagdgenossenschaft Kammer im Gasthaus zur Post als eine von mehreren positiven Nachrichten bekannt.
Ziel ist ein
artenreicher Wald
Revierförster Konstantin Becker ergänzte, dass im vergangenen Jahr nur für dieses Revier 21.000 Euro Zuschuss für Maßnahmen zur Naturverjüngung an die Waldbesitzer ausbezahlt wurden. Sie profitieren aber nicht nur von den Zuschüssen, die ein Vielfaches des jährlichen Jagdpachtzinses betragen, sondern auch davon, dass über kurz oder lang auch ohne große Nachpflanzungen ein gesunder, stabiler und artenreicher Wald entsteht, von dem die Natur und die künftigen Generationen profitieren werden.
In seinem Jahresbericht erinnerte Dr. Schuhbeck an die Waldbegehung im April vergangenen Jahres, an der rund 30 Personen teilgenommen haben. Die Begehung entwickelt sich immer mehr zu einer wichtigen Informationsquelle für die Waldbesitzer.
Viel Zeit haben die Jäger im vergangenen Jahr in den Abbau und in die Entsorgung alter Hochsitze investiert. Sie haben etliche neue gebaut und aufgestellt, die sich deutlich besser in die Landschaft einfügen.
Weniger erfreulich sei, dass erst vor Kurzem von der Jagdgenossenschaft sanierte Waldwege bei Holzrückearbeiten arg ramponiert worden sind. Die Verursacher forderte er auf, die Schäden zu beseitigen. Ungeachtet dessen wird auch heuer ein Forstweg saniert, und zwar der vom Hopfengartenweg in die Kohlgrube. Die Stadt stelle dafür den Kies im Wert von etwa 3.000 Euro zur Verfügung. Dafür erledigen die Jagdgenossen die Arbeiten.
Kassier Johannes Kallsperger stellte den Kassenbericht zum 12. März vor, aus dem hervorging, dass die Genossenschaft vergangenes Jahr mehr Geld eingenommen als ausgegeben hat. Das Guthaben auf den Konten biete für die Zukunft genug Spielraum, um alle anfallenden Aufgaben finanzieren zu können.
Seit Jahrzehnten besteht nicht nur in Kammer, sondern in allen Genossenschaften im Umkreis die latente Sorge, dass große Rotten Wildschweine die Region als Lebensraum entdecken. Für Schäden an Wiesen und Feldern müssten dann voraussichtlich die Jagdgenossenschaften aufkommen. Allen Unkenrufen zum Trotz ist dieser Fall noch nicht eingetreten.
Nach dem Revisionsbericht und der einstimmigen Entlastung der Vorstandschaft verlas Schriftführer Matthias Brandstätter die Niederschrift der Jagdversammlung des vergangenen Jahres. Als einer der beiden verantwortlichen Jäger erstattete Dr. Josef Schuhbeck den Bericht über die Jagd in den drei Kammerer Revieren. Er kümmere sich um den östlichen Teil des Reviers Kammer Nord, Andreas Menzel sei für die Reviere Mitte, Süd und den westlichen Teil von Kammer Nord verantwortlich. In den vergangenen drei Jahren wurden 357 Rehe erlegt, davon allein 218 im ehemaligen Problemrevier Nord, 75 in der Mitte und 64 im Süden. Den Schwerpunkt der Jagd lege man auch weiterhin auf weibliches Rehwild und Kitze. Allein im vergangenen Jahr hat die Genossenschaft über 1.000 Kilo Rehfleisch vermarktet.
Andreas Menzel sagte, er sei mit dem Jagdjahr sehr zufrieden. Es mache Freude, als Jäger am Waldumbau mitzuwirken. Die immer besser werdende Naturverjüngung sei das Ergebnis der konsequenten Jagd.
Über die Möglichkeiten der staatlichen Förderung informierte anschließend Revierförster Konstantin Becker. Zuschüsse gebe es für Naturverjüngung, Wiederaufforstung, Pflege des Jungbestandes und für den Vertragsnaturschutz. Weitere Erläuterungen des Försters betrafen den Naturwald und wie man diesen definiere. Matthias Brandstätter berichtete in Vertretung von Sebastian Ober über die Maschineneinsätze. Lediglich am Holzspalter seien kleinere Reparaturen notwendig geworden. Einstimmig wurde beschlossen, den Jagdschilling für künftige Investitionen einzubehalten. In diesen Tagen, so berichtete der Jagdvorsteher, werde der Landtag voraussichtlich das neue Jagdgesetz verabschieden, das zum 1. April in Kraft treten soll. Es sehe vor, dass man künftig unter gewissen Voraussetzungen auf einen Abschussplan verzichten könne.
Zuschuss für
Festplatz
Wolf und Goldschakal sollen ins Jagdgesetz aufgenommen werden und der Beginn der Jagdzeit auf Rehwild wird um zwei Wochen auf Mitte April vorverlegt. Außerdem soll mehr Rechtssicherheit für Landwirte bei der Rettung von Rehkitzen geschaffen werden.
Abschließend zeigten sich die Jagdgenossen spendabel: Sofern das bereits vorhandene Geld nicht ausreichen sollte, soll der Bau des Festplatzes an der Haunstätter Straße mit 2.000 Euro bezuschusst werden. Bei drei Enthaltungen stimmten die Anwesenden für die Gewährung dieses Zuschusses, um den Trachtenvorstand Franz Maier im Namen der Ortsvereine gebeten hatte.