Traunstein – Seit etwa drei Jahren hat die Taubenpopulation rund um den Stadtplatz in Traunstein deutlich zugenommen und ist inzwischen zu einer echten Plage geworden. „Da sollte schnellstmöglich etwas passieren“, sagte eine Anwohnerin zur Heimatzeitung, die namentlich nicht genannt werden möchte. Vollgekotete Dächer und Lichthöfe, Gestank und zum Teil tote Tiere seien sowohl für Mieter als auch Geschäftsinhaber „eine echte Zumutung“. Mancher traue sich sogar nicht mehr, „die Fenster aufstehen zu lassen“. Dazu komme, dass eine Reinigung durch Spezialfirmen „hohe Kosten“ verursache.
Taubenhaus soll
Vermehrung eindämmen
Die Entwicklung hat auch der CSU-Stadtrat Rolf Wassermann aufmerksam beobachtet. Er ist selbst direkter Anlieger am Stadtplatz und schätzt den Bestand der Tauben „auf aktuell rund 200 Vögel“. Um einer weiteren unkontrollierten Ausbreitung den Riegel vorzuschieben und die Taubenplage einzudämmen, hat Wassermann jetzt im Namen der CSU-Fraktion einen Antrag im Hauptausschuss der Stadt eingebracht.
Er sieht vor, an geeigneter Stelle der Innenstadt ein Taubenhaus mit Nistplätzen und Futter einzurichten, um auf dem Weg einer gezielten Eientnahme beziehungsweise eines Eiaustausches mit Attrappen beim Brüten die Vermehrung der Tiere einzudämmen. Aufgrund der Standorttreue der Tauben, die erfahrungsgemäß einen Großteil ihrer Zeit im Bereich des Taubenhauses verbringen, könnten damit höchstwahrscheinlich auch die Verschmutzungen im öffentlichen Raum eingedämmt werden. Zudem könnte durch diese Maßnahme das Stadttaubenmanagement „auf tierschutzgerechte Weise“ erfolgen, heißt es in der Antragsvorlage.
Im Ausschuss machte Wassermann deutlich, dass nach der Anschubfinanzierung für den Bau oder die Einrichtung eines Taubenhauses in bestehende Strukturen der Betrieb, die Betreuung und Reinigung „über ehrenamtliche Helfer, entsprechende Initiativen oder über Spenden“ erfolgen könnten. In zahlreichen Kommunen hätte sich dieses Konzept bereits bewährt. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer erläuterte dazu, dass der Ausschuss vorläufig nur eine grundsätzliche Entscheidung über die Einrichtung eines Taubenhauses zu treffen habe. Genauere Details über Größe, tatsächliche Kosten und Standort sollen in einem weiteren Schritt in einem Konzept der Verwaltung erarbeitet werden. Fachbereichsleiter Micha Thoma informierte, dass vorerst rund 30.000 Euro für das Projekt im aktuellen Haushalt eingestellt seien. Rolf Wassermann ergänzte, dass sich damit ein Bauwerk für etwa 50 Tauben realisieren ließe.
Zum Sachverhalt gab es zahlreiche Wortmeldungen der Ausschussmitglieder. Helga Mandl (Grüne) berichtete von eigenen Erfahrungen mit Tauben in ihrem Holzhaus und sprach von einem „Riesenärgernis und einer Tortur“, die sich nur durch Gitter habe eindämmen lassen. Andrea Maier (CSU) verwies auf den Taubendreck im öffentlichen Raum, der eventuell auch den Bauhof belaste und sprach sich für eine Bestandsreduzierung aus. Robert Sattler (UW) wollte wissen, ob die gezielte Fütterung nicht vermehrt weitere „Ratten der Lüfte“ anziehen würde.
Ein „tragbares Betreuungskonzept“ hielt Ulrike Hoernes (Traunsteiner Liste) für unerlässlich, um einen zuverlässigen Ganzjahresbetrieb zu gewährleisten. Rathauschef Dr. Hümmer erläuterte dazu, das zu erarbeitende Konzept könne sich in puncto Tauben auf gute Erfahrungen mit einer „Politik der Bevölkerungskontrolle“ in Großstädten wie Augsburg stützen. Einen „tiergerechten Umgang mit dem Problem“ lobte Zweite Bürgermeisterin Burgi Mörtl-Körner (Grüne). Sie plädierte aber auch für eine „kostenbewusste Lösung“. Zur Standortfrage von UW-Fraktionssprecher Ernst Haider erklärte Hümmer, die Prüfung des sinnvollsten Aufstellungsorts sei Sache eines künftigen Konzepts.
Einstimmiger Beschluss
für Konzept
Der Ausschuss befürwortete einstimmig die Erarbeitung eines fachlichen Konzepts für die bauliche Umsetzung sowie Betrieb und Standort für ein Taubenhaus in der Innenstadt.